21 gewöhnlichen Begriffe haben doch noch immer etwas Allgemeingültiges an sich. Ii diese Klasse gehören besonders die Alchymisten. Sie haben an ihrem Heerde aus wenigen Ex- perimenten eine neue Philosophie geschmiedet. Die Chemie hat sich, nach Bacon, die Auf- gabe gesetzt, die heterogenen Theile der Dinge, welche in den natürlichen Körpern auf verborgene Art verbunden sind, zu scheiden und die Körper selbst rein, frei und vollkom- men darzustellen. Aber die Methoden, welche zu diesem Ziele führen sollen, sind sowohl in der Theorie, wie in der Praxis voll Irrthum und Albernheiten. ¹) Interessant ist das Bild, welches Bacon von einem Alchymisten entwirft. Wenn man die Thätigkeit der Alchymisten genauer betrachtet, so wird man zweifelhaft, ob man sie eher belachen, oder beweinen soll. Der Alchymist nährt eine ewige Hoffnung, und wenn etwas nicht gelingt, so sucht er die Schuld davon nur in seinem eigenen Irrthum. Daher überlegt er bei sich, ob er etwa die Worte seiner Kunst oder seiner Autoren nicht hinreichend verstanden habe, wesshalb er sich dann zu dem hinwendet, was man sich überliefert und in die Ohren zischelt; oder ob ger nicht etwa bei der Ausführung in den feinen Gewichten unsicher geschwankt habe, wess- halb er dann sein Experiment in’s Unendliche wiederholt. Glückt ihm dann unterdessen ein Experiment, und er trifft auf etwas, was entweder durch sein neues Aussehen selbst oder durch seinen Nutzen Beachtung verdient: so weidet er sein Herz an solchen Pfändern des Erfolgs, zeigl sie prahlend auf und erhebt sie über die Massen; im Uebrigen tröstet er sich mit der Hoffnung. Doch ist nicht zu leugnen, dass die Alchymisten nicht Weniges emdeckt und die Menschen mit nützlichen Erfindungen beréichert haben. Bacon vergleicht sie mit den Söhnen jenes Landmannes, die den Schatz des Vaters im Weinberg suchten und dureh fleissi- ges Nachgraben das Gold zwer nicht fanden aber der Weinberg war durch das Graben fruchtbarer geworden.))0on IeAHA AA nob AlI N. 19 1 ümWie aber die Dialektik der rationalen Philosophen zum Erfinden umauglich ist, so ist auch die heutige Methode der Empiriker blind und thöricht. Die Erfahrung, sagt Bacon, wenn sie sich darbietet, heisst Zufall; wenn sie gesucht wird, nennen wir sie Experiment. Die jetzige Art des Experimentirens erscheint ihm nun ohne alles Band der Ordnung als fein reines Tasten im Dunkeln. Während man ohne sicheren Weg in der Irre herum schwei- fet und sein Verfahren dem Zufall preisgibt, wird man zu Vielem umhergetrieben und bringt wenig vorwärts; bald zeigt man den lebhaftesten Eifer, bald lässt man sich wieder abziehen. So ist das Experimentiren gleichsam ein leichtsimiges Spiel geworden; man ändert ein We- nig an schon bekannten Experimenten und wenn die Sache nicht glückt, gibt man verdriess- lich den Versuch auf. Die Ernsteren und Standhafteren aber verschwenden alle Mühe auf die experimentelle Behandlung eines einzigen Hegenstandes, wie Gilbert auf den Magnet, oder die Chemiker auf das Gold. Ein unerfahrenes Unternehmen! Denn niemand wird mit Glück das Wesen einer Sache in ihr selbst erforschen, sondern die Untersuchung muss auf Allgemeineres ausgedehnt werden! Ueberdiess eilen die Meisten in unzeitigem Eifer entwe- der nach praktischen Resultaten oder nach allgemeinen Theorien. Jene unterbrechen, wie Atalanta, den Weg ihrer wissenschafflichen Untorsuchung, um den goldenen Apfel aufzu- heben, und verlieren unlerdess den Sieg aus den Händen. Aber wie Gott am ersten Tage nur das Licht und weiter nichts Materielles schuf, eben so sind bei aller Erfahrung zuerst die Ursachen und wahren Grundsätze aufzufinden: kurz man muss lichtbringende, nicht fruchtbringende Experimente suchen Richtig gefundene und festgestellbe Grundsätze rüs- ten dann die Praxis nicht karg, sondern in reicher Fülle aus und ziehen Schaaren von Wer- ken nach sich. Das ist auch der wakre Gang der Erfahrung, zuerst das Licht anzuzünden
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. 31) D.„ugm. 1 p. 38 5dq.; 44. 2) N. 0. 1, 85.. 118 G Aida
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