Aufsatz 
Franz Bacon's Standpunkt und Methode / von Polack
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4 19

meinsten Grundsätzen wie im Fluge und Sprunge sich zu erheben, gleichsam wie zu den festen Po, lenum welche die Disputationen sich drehen sollten, und suchte von jenen dann, wie von unumstösslicher Wahrheit aus, die mitlleren Sätze abzuleiten. Gewiss ein kurzer, aber abschlüssiger Weg, der zur Natur nicht führt, wohl aber zu Disputationen passend ist. Wir dagegen steigen auf der wahren Leiter, in zusammenhängender, ununterbrochener, lücken- loser Stufenfolge vom Einzelnen zu den niederen, von da zu den mittleren und höheren und zu ollerletzt erst zu den allgemeinsten Axiomen empor. Die höchsten und allgemein- sten Grundsätze jener sind daher auch abstracte Begrifiswesen und haben nichts Gediegenes in sich; während grade die mitlleren jene wahren, inhaltsvollen und lebendigen Gesetze enthalten, auf denen Glück und Wohlfahrt der Menschen beruht. Aus diesen gehen dann auch solche allgemeinste hervor, die keine blosse Abstractionen sind, sondern eine sach- liche Bestimmtheit haben und gewissermassen im Marke der Dinge festhaften. Jener hasti- gen Ungeduld, gie überull die kiszesten Wege ausspähet, um etwas in's Sichere zu bringen, und mit einer gewissen stolzen Verachtung auf das längere Verweilen bei dem Einzelnea herabsieht, um nur zu Lehrsätzen und Theorien zu gelangen, entspricht auch die Ausbil- dung des Beweisverfahrens in der gewöhnlichen Logik. Alle Mühe wird da auf den Syllogismus verwandt; an die Induclion scheinen die Dialektiker kaum ernstlich gedacht zu haben, so oberflächlich eilen sie an ihr vorüber, um zu ihren Disputationsformeln zu kommen. Der Syllogismus nun, welcher dem Aristoteles als Orakel gilt, hat allerdings in den populären Wissenschaften, die auf Meinungen und Annahmen beruhen, z. B. in der Moral, politik, Jurisprudenz, selbst in der Theologie, seinen Nuizen und guten Gebrauch; aber in den physikalischen, wo die Natur durch den Versuch und kein Gegner durch einen Beweis zu bezwingen ist, entschlüpft ihm die Wahrheit aus den Händen; der Feinheit der Natur ist er nicht gewachsen. Hier, wo der Syllogismus unterliegt, bedarf es einer Beweisführung, die sich auf Experimente stützt und dadurch gelenkt wird. Denn wiewohl der Syllogismus, als die Reduction von Sälzen auf die Principien durch Zwischensätze, formell die Gewiss- heit des mathemalischen Satzes, dass zwei Grössen, wenn sie einer und derselben dritten gleich sind, auch unter sich gleich sind, an sich trägt: so liegt bei der Anwendung des- selben nichts destoweniger eine Täuschung zu Grunde. Denn die Syllogismen bestehen aus Sälzen, die Sätze ans Worlen, die Worte aber sind nur Marken und Zeichen der Dinge. Wenn daher die Begriffe des Gcisles, welche gleichsam die Seelen der Worie und die Basis des ganzen Wortgebäudes bilden, selbst schlecht und unbedacht. von den Dingen abstra- hirt, schwankend und nicht bestimmt genug begrenat, kurz vielfach fehlerhaft sind: so stürzt das ganze Gebäude zusammen. Wir verwerfen daher den Syllogismus und nicht allein in Bezug auf die Principien, wczu ihn auch jene nicht anwenden, sondern auch in Bezug auf die mitileren und uniteren Sätze; denn es ist ganz gewiss, dass wenigstens Naturaxiome aus solchen Principien nicht richlig und mit Sicherheit hergeleitet werden können. Die. Form der Induction aber, wie sie von den Dialeklikern beschrieben wird, und welche durch einfache Aufzählung ähnlicher Fälle vorschreitet, ist so kindisch, plump und geisllos, dass es fast unglaublich ist, wie so scharfsinnige und feine Köpfe sie der Welt haben aufdringen können. Denn eine Induclion, welche auf ein zu geringes Material von Erfahrungsthalsa- chen hin die noch dazu meistens höchtst zufällig, oberflächlich und ungenau nur aus dem- jenigen, was sich eben grade darbiétet, zusammengestellt werden ohne die gebührende Berücksichtigung der widersprechenden Erscheinungen Behauptungen aufstellt, ist unzu- reichend, erlaubi nur einen fehlerhaften und unsicheren Schluss, ist jeden Augenblick der Gefahr eines widersprechenden Falles ausgeselzt und findet kein Ende. Dagegen bedarf es für die Wissenschaften einer solchen Form der Induction, welehe die Erfahrung durch ge- bübrende Verwerfungen und Ausschliessungen auflöset und sondert und dann nach Hinzu-

3*