Aufsatz 
Franz Bacon's Standpunkt und Methode / von Polack
Entstehung
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dass sie entweder in kindische Sophismen und lächerliche Künsteleien ausarten, oder we- nigstens von ihrem Ansehen nicht wenig einbüssen)

Die Logik selbst begreift nach Bacen vier Künste in sich: 1) die Kunst zu finden, was man sucht, ars inquisitionis sive inventionis; 2) die Kunst zu beurtheilen, was man gekun- den hat, ars examinis s. judici; 3) die Kunst zu behalten, was man beurtheilt hat, ars custodiae s. memoriae; 4) die Kunst mitzutheilen, was man behalten hat, ars elocu- nionis s. traditionis. 2) Die Kunst der Erfindung zerfällt wieder in zwei Theile, je nach- dem sie entweder die Methode, neue Forschungen in den Künsten und Wissenschaften zu machen, lehrt, oder bloss das Verfahren angiebt, aus der Masse des vorhandenen Wissens für einen bestimmten Zweck den passenden Stoff zu Beweisen und Reden geschickt zu ent- nehmen. Jene NMethode vermisst Bacon gänzlich, und doch hat sie grade, wenn nicht al- lein wissenschaftliche, doch die höchsto Bedeutung.Dieser Mangel kommt ihm vor, wie wenn ein Notar hei der Aufstellung des Inventars eines Verstorbenen schreibe: An baa- rem Gelde nichts. Denn wie alles Uebrige mit Geld erworben wird, so werden auch durch diese Kunst die übrigen gewonnen. ³) Sie hat aber selbst zwei Aufgaben zu erfüllen: 1) zu lehren, wie man Erfahrungen macht die Kunst zu experimentiren; 2) wie man von den Erfahrungen und Experimenten zu Gesetzen und Axiomen gelangl. Die ersiere nennt Ba- con die wissenschaftliche Erfahrung(experientin literata) oder auch die Jagd des Pan(ve- natio Panis); die zweite ist die Erklärung der Natur(interpretatio naturae) oder das novum organum. ¹) Die Kunst der Prüfung oder des Urtheils ist zunächst ebenfalls eine zweifache: entweder syllogistisches, oder inductives Beweisverfahren. 5) Da aber die Induction offen- bar nichts beweisen kann, wenn sie nicht Gesetze und Axiome findet, so fallt die bewei- sende Induction mit der erfindenden zusammen, wie auch Bacon anerkennt. 6) Die übrigen Theile der Logik haben für unseren Zweck, mit Ausnahme der Lehre von den ldolen und der Topik, wovon spater die Rede sein wird, keine weitere Wichtigkeit; ich lasse diesel- ben daher unberührt. 1

Worin findet nun Bacon den Unterschied seiner eigenen und der bisherigen Logik und Dialektik oder der in der Philosophie gültigen Entwicklungsmethode ihres Inhalts? Nur in dem einen Punkte, erklärt er, stimmen beide überein, dass sie versprechen, dem Ver- stande sichere Hülfsmittel zu verschaffen; sonst aber sind sie durchaus verschieden in den Ausgangspunkten der Untersuchung, in dem Beweisverfahren, in Ziel und Aufgabe. Man muss erstens einen tieferen Ausgangspunkt der Untersuchung nehmen und auch das einer neuen Prüfung unterwerfen, was die gemeine Logik auf fremden Glauben und Autorität hin annimmt. Denn die dialektischen Philosophen borgen gleichsam ihre Principien von den einzelnen Wissenschaften, verehren ferner Urbegriffe des Geistes und beruhigen sich endlich bei den unmittelbaren Wahrnehmungen eines wohl organisirten Sinnes. Aber wir zwingen die vermeintlichen Principien selbst, Rechenschaft abzulegen, bis sie vollkommen feststehen, und halien jene Urbegriffe des Verstandes, so lange nicht ein neuer Beweis darüber entschieden hat, alle für verdächtig und für keineswegs ausgemacht. Der unmittelbaren Sin- neswahrnehmung aber legen wir kein grosses Gewicht bei, sondern wir führen die Sache dahin, dass der Sinn nur über das Experiment, das Experiment über die Sache entscheide. Zu gewissenhaften Priestern wollen wir sie machen, uns aber zu nicht unerfahrenen Aus- legern ihrer Orakel. Das Beweisverfahren zweitens wird völlig umgekehrt. Bisher pflegte man von den sinnlichen Wahrnehmungen und dem Einzelnen zu allererst zu den allge-

1) D.nem. II, p. 86. 2) 1B V. 1. 3) w. v, 2. 4) 16. v. 272. 5) 1b. v, 4. 6) D. p. 295.