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ten und verwirrten Geistes; man ängstigt sich, weil man das Aeusserste nicht erreichen kann, und sieht nicht, dass ein weites Feld der Thätigkeit und des Nutzens vor aller Augen liegt. Wie sehr wir nun auch im Anfang mit den Skeptikern übereinstimmen; im Ausgang gehen wir unermesslich weit auseinander. Jene behaupten schlechthin, dass man nichts wissen könne; wir nur beziehungsweise, nämlich auf dem Wege, welchen man bis jetzt eingeschlagen hat. Jene zerstören die Autorität der Sinne und des Verstandes, verlassen, kein Heilmittel für das Uebel findend oder hoffend, die Aufgabe der Wissenschaft ganz und wenden sich, im Glauben, der Würfel sei gewissermassen geworfen, zu einem anmuthigen Herumstreifen des Geistes in fremden Gebieten; wir bahnen einen neuen Weg, verletzen den Sinn nicht durch Widerspruch und stören ihn nicht durch Abstraction, denken vielmehr Hülfsmittel für die Sinne und den Verstand aus und suchen damit beide zu unterstützen und zu lenken. ²) Unsere Philosophie ist fast eine und dieselbe Sache mit dem befreiten und wieder hergestellten Sinn. 2) Wie entging also Bacon den skeptischen Consequenzen, die aus seinem Satze, alle Wahrnehmungen sowohl des Sinnes, als des Geistes, äussere, und
innere, seien ex analogia hominis, non ex analogia universi, hervorgehen mussten? Er glaubt die Sinnes- und Verstandesthätigkeit mit solchen Hülfsmitteln ausrüsten zu können, dass ih- rem Mangel Ersalz, ihren Fehlern Berichtigung zu Theil werde. Diese Hülfsmittel müssen der Art sein, dass man nicht sowohl sagen darf: der Geist erklärt die Natur, als die Natur erklärt sich dem Geiste. Die Sinneswahrnehmungen und die Verständesaxiome müssen von der Natur selbst einer Prüfung und Probe unterworfen werden, damit an die Stelle einer willkürhchen Entscheidung ex analogia hominis die nothwendige Correctur ex analogia uni- versi trete. 1 3
Wie, diess Bacon zu erreichen suchte, zeigt seine Methode der Eründung.
Bacon hat diese neue Methode in seinem Hauptwerke, dem Novum Organum, entwickelt. Ihr Zweck ist, einen besseren und vollkommeneren Gebrauch der Vernunft in der Erfor- schung der Dinge zu lehren, damit der Verstand, durch die wahren Hülfsmittel erhöht und durch die Fühigkeit, die steilen Höhen und dunkeln Tiefen der Natur, soweit es Sterblichen vergönnt ist, zu überwinden, erweitert werde. 5) Weder dem Sinne, noch dem Verstande allein darf dabei ein Uebergewicht gestattet werden. Der Sinn allein mit mangelhaftem Ge- brauch des. Verstandes bringt es nicht zur Wissenschaft; denn erst die Arbeit des Verstandes fühft zu einem scire per causas. Der Verstand allein mit Vernachlässigung des Sinnes er- zeugt eine erdichtete, gehalt- und bodenlose Wissenschaft, die den Schein der Wahrheit für das Wesen derselben ausgiebt. Nur die richtige Verbindung beider führt zum Ziel. Das Erste thun die Empiriker: sie schleppen zusarmmen, wie die Ameisen, zum Gebrauche; das Zweite die Rationalen oder Dogmatiker: sie ziehen ihre Gewebe aus sich, wie die Spinnen. Die Weise der Biene aber steht in der Mitte; denn sie saugt ihren Stoff aus den Blumen des Gartens und Feldes, verwandelt und verarbeitet ihn dann aber mit eigener Kraft. Nicht unaähnlich ist das wahre Geschäft der Philosophie; denn sie stützt sich nicht auf die Kräfte des Geistes allein oder vorzugsweise; auch speichert sie den aus der Naturgeschichte und. den mechanischen Experimenten gewonnenen Stoff nicht unverändert im Gedächiniss auf: sondern sie unterwirft ihn im Verstande einer gründlichen Umarbeitung. Von diesem enge- ren und heiligen Bündniss beider Fähigkeiten(der experimentalen und rationalen) ist alles Gule zu hoffen. ²) Damit aber eine solche innige Verbindung des Verstandes und Sinnes, der empirischen und rationalen Thatigkeit, zu Stande gebracht werde, ist es durchaus erfor- derlich, dass der Geist von allem Anfang an auf keine Weise sich selbst überlassen, son-
¹1) lup. phälos. p. 306; N. 0. 1, p. 37. 2) Imp. phil. p. 347. 3) lust. mogn. dist. p. 3. 4) N. 0.1,95.


