Aufsatz 
Franz Bacon's Standpunkt und Methode / von Polack
Entstehung
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Gutes zu hoffen. ¹) Aber wie ist diess möglich? Weder die Sinne, noch weniger der Verstand sind ganz sichere Werkzeuge die Dinge, so wie sie sind, aufzunehmen. Denn die Sinne lassen uns theils im Stich, theils täuschen sie uns; ihr Zeugniss und ihre Beleh- rung geben sie immer vom Standpunkt des Menschen aus, nicht aus der Sache selbst oder vom Standpunkt des grossen Naturzusammenhangs; alle Wahrnehmungen sind, wie sich Bacon ausdrückt, ex analogia hominis, non ex analogia universi, und es ist ein grosser Irrthum, zu behaupten, dass die Sinne das Maass der Dinge seien. 2) Der Verstand aber ist noch weil geneigter zum Irrthum, als die Sinne. ³) Auf sich allein gestützt ist er den Dingen nicht gewachsen; weder so umfassend, den ganzen zur Belehrung nöthigen Vorrath des Einzelnen jeder Art aufzunehmen und zu ordnen; noch so leer und rein, den wahren und ursprünglichen Bildern ohne alle Färbung der Phantasie Eingang zu gestatten: kurz, wie ein unebener Spiegel die Strahlén der Dinge nach seiner eigenen Gestalt und Beschaf- fenheit umändert, so mischet auch der Verstand bei seiner Begriffsbildung mit gar nich grosser Gewissenhaftigkeit seine eigene Natur der Natur der Dinge bei, verzerrt und ver- derbt dieselbe. ¹) Haben also diejenigen Recht, welche die Akatalepsie behaupten und die Mög- lichkeit des Wissens gradezu verneinen, wie die Skeptiker, die alte und neue Academie u a.? Und wenn die beiden Säulen des Wissens, die Sinne und der Verstand, wanken, wie kann das Gebäude bestehen? Dennoch hat der Zweifel sein gutes Recht. Ieh kann durehaus nicht leugnen, erklärt B., dass ich mich, wenn überhaupt eine Gemeinschaft zwischen mir und den Alten statt- findet, noch am meisten mit den Skeptikern verbunden fühle. Denn Vieles, was sie über die Veränderlichkeit der Sinneswahrpehmungen, die Schwäüche des menschlichen Urtheils, über die Zurückhaltung des Beifalls(2*) mil Einsicht bemerkt haben, muss ich billigen. Und was will man ferner mit Grund dagegen einwenden, wenn jemand uns drängt und sagt: das rechte Wissen ist das Wissen durch Ursachen; die Erforschung der Ursachen führt aber zu einer unendlichen Reihe, so dass die Erkenntniss des Einzelnen in der Natur ohne vollkommenes Begreifen ihrer Gesammtheit, nicht vollzogen werden kann. Eine solche vollkommene Erkenntniss des Universums kann man gewiss dem Menschen nicht ohne Ver- wegenheit beilegen. Aber dessenungeachtet hätten die Skeptiker ihrem harten Dekrete, dass durchaus nichts wahrhaft gewusst werden könne, eine mildere Auslegung geben sol- len, 5) Wenn wir das höchste Wissen nicht erreichen können, so ist darum nicht alles Wissen unerreichbar. Es gibt Grade der Gewissheit, die wir feststellen können; es gibt Mittel den Sinn zu schützen durch eine Zurückführung auf untrügliche Wahrnehmungen.) Denn mit der Sinneswahrnehmung verhalt es sich ja anders, als mit dem Syllogismus: der Sinn ergreift in seinen unmittelbaren Wahrnehmungen das Bild des Objecls und stimmt dabei zugleich mit der Wahrheit desselben überein. 7) Jene hätten überdiess bedenken sollen, dass der Mangéèl im Erkennen bei weitem weniger den Sinnen beizumessen ist, als den Irrihümern des Verstandes, seiner Hartnäckigkeit, die sich weigert, nach den Dingen sich zu richten, und den von der Sinneswahrnehmung aus verkehrt angestellten Beweis- führungen und Schlussarten. 6) Die Wahrnehmungen der Sinne angreifen und ihre Orakel gleichsam gänzlich entheiligen, heisst die Wissenschaft mit der Wurazel ausreissen.) Denn hat man dem Menschen erst die Hoffnung, die Wahrhejt zu erforschen, genommen, so hat man auch die Nerven der Forschung zerschnitten, und die Arbeit der Untersuchung artet in eine Uebung des Witzes und gelehrten streites aus. Einen Streit über die absolute Wahrheit zu erheben, ist überhaupt unzeitig, verkehrt und das Zeichen eines aufgereg-

1) N. O. 1, 97. 2) Inat. magn. distrib. p. 7. 3) Ib. p. 8. 4) Cogit. et vis. p. 27. 5) Impet. phi- 1baoph. p. 304 d. 6) N. 0. praef. 7) De augm. 7, 4. 8) Ib. V, 2. 3) Ib. p. 271.