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Sein zu gelangen, sieh dessen wissenschaftlich zu bemächtigen, war auch bei Bacon die erste und tiefste Wurzel aller seiner beharrlichen Thätigkeit, der lebendigen Begeisterung, die man ihm nicht absprechen sollte. Wenn man daher von der ersten Conception seines Reformplanes reden wollle, so liegt derselbe, wie es scheint, in dem berechtigten realis- tischen Gegensatz seines wissenschaftlichen Denkens gegen die inhaltslosen Demonstratio- nen und Constructionen der nominalistischen Scholastiker, der Aristoteliker, der phantastischen Platoniker und Mystiker seiner Zeit. Der Grund, warum er die Beziehung auf die Praxis überall in den Vordergrund treten lässt, liegt lediglich in einer vorsichtigen Zweckmässiga keitsrücksicht. Wegen der verderblichen und eingealterten Gewohnheit, sich nur in Ab- stractionen zu bewegen, ist es wie er, sich ausdrückt, allerdings sicherer, die Wissenschaf- ten von denienigen Fundamenten aufzurichten, welche auf die active Seite Bezug haben, damit diese selbst die theoretische Seite charakterisire und bestimme. 1) Die Reform Ba- con's aber bloss von dem Gedanken der Abhülfe für den Mangel der Wissenschaften an Werken und Erfindungen ausgehen zu lassen, heisst fast eben so viel, als die erste fran- zösische Revolution nur aus dem Deficit und der Finanznoth herleiten zu wollen; es heisst die äussere Veranlassung einer Erscheinung mit dem Grund und Wesen derselben verwechseln; es widerspricht aber auch dem Geiste und den Worten Bacon's selbst. Zwei Klassen von Männern der Wissenschaft unterscheidet derselbe, die keineswegs unter einander feindselig und enifremdet, sondern verbündet und durch gegenseitige Hülfeleistungen verpflichtet sein sollen. Die eine pfleget und bildet das vorhandene Wissen, die andere erforschet und fin- dei das neue. Denjenigen, welchen die erste Behandlungsweise der Wissenschaften ange-. nehmer ist, gelinge nach Wunsch, was sie vorhaben; sie mögen das Ziel erreichen, wus sie verfolgen. Wem es aber am Herzen liegt, nicht an dem Gefundenen nur zu haften und seiner sich zu bedienen, sondern weiter vorzudringen und nicht nur durch das Wort einen Gegner, sondern durch die That die Natur zu- besiegen: kurz, welchen es nicht um ein schönes und wahrscheinliches Meinen, sondern um ein sicheres und nachweisbares Wis- sen zu thun ist— solche mögen, als die wahren Söhne der Wissenschaft, sich uns anschliessen, damit endlich einmal die Vorhallen der Natur, welche schon Unzühliche betreten haben, verlassen werden und der Zugang in's Innere derselben sich öffne. 2) Die Forschung nach einem sicheren, nachweisbaren Wissen war der tiefere philosophische Beweggrund Bacon's. Der Weg zu einem solchen Wissen führte ihn zur Erfahrung, diese zur Natur, die Natur aber zur Macht der Werke. So waren beide Wege, der zur Macht und der zum Wissen, auf's Engste verbunden und fast dieselben. ³) Ae t e nr es
Aut dem Weg der Frfahrung, nicht auf dem der Herleitung aus obersten Begriffen und Grundsätzen suchte Bacon die Wahrheit. Die herrschenden Systeme thaten das Letz- tere. In eine Widerlegung derselben aber will Bacon sich nicht einlassen; denn wo man in den Principien nicht übereinstimme, sei das Gesetz der Disputation aufgehoben. Er betritt daher im Kampf mit seinen Gegnern lieber den erfolgreicheren Weg der ihatsächlichen Leistung. Mit dem Geiste verhält es sich ja umgekehrt wie mit einer Schreibtafel: man kann in ihm das Alte kaum auslöschen, wenn man nicht vorher das Neue hineingeschrieben hat. ¹) Daher macht denn Bacon seine theoretischen Grundsätze nur bei Gelegenheit geltend. Sie sind es aber, die ihn selbst nothwendig vor allem auf die Naturwissenschaften bei dem Werke seiner Reform hinführten. Ihre Ausdehnung auf das ethische und politische Gebiet hat er nur angedeutet; Thomas Hobbes hat sie ausgefuhrt; ihre theoretische Emwicklung hat Locke, ibre letzte (skeptische) Consequenz Hume vollzogen.
1) N. 0. nI, 4. 2) N. 0. praet. 3) R. 0. 11, 4. 4) Ipet. phil. p. 253. 2.


