und Festen einnehmen und die Grenzen der menschlichen Herrschaft erweitern können. ¹) Bacon entgeht es nicht, wie einsam er mit seinem Versuche dastehe, und wie schwer es ihm halten werde, Glauben zu finden. Aber weder die Sache, noch sich selbst glaubt er aufgeben zu dürfen, ohne den einzigen, dem menschlichen Geiste gangbaren Weg einge- schlſagen zu haben. Denn entweder ist unsere Aufgabe nichts, oder sie trägt ihr Verdienst in sich und braucht nach einem Lohne ausserhalb nicht zu suchen. ²) So haben wir uns denn aus Liebe zur Wahrheit unsicheren und steilen Wegen und Einöden anvertraut, der gewaltig gerüsteten Schaar der Meinungen uns entgegen geworfen; wider die eigenen in- neren Hemmungen und Klippen, wider die Finsternisse und Wolken und die überall her- fliegenden Phantasien haben wir Stand gehalten. In reiner und beständiger Hingebung an die Dinge entfernen wir den Verstand nicht weiter von ihnen, als dass die Bilder und Strahlen der Wirklichkeit sich sammeln können. Keine Triumphe der Widerlegung, keine Berufungen auf das Alterthum, keine Anmassung der Autorität, keinen Schleier der Dun- kelheit haben wir zur Verherrlichung dieser Sache gesucht. Wir wollen dem Urtheil keine Gewalt anthun, keine Nachstellungen bereiten.) Wenn ich nur dem Nutzen der Menschen dienen kann, ruft er drei Jahre vor seinem Tode aus, werfe ich mit Wissen und Willen den Ruhm meines Geistes und Namens hinweg, und ich, der ich vielleicht als ein Bau- meister in Philosophie und Wissenschaft gelten darf, werde dann auch ihr Handarbeiter und Lastträger und was noch sonst. ¹) Doch von uns selbst wollen wir schweigen; in Bezug auf die Sache aber, um die es sich handelt, fordern wir von den Menschen, dieselbe nicht für eine Meinung, sondern für ein nothwendiges Werk zu halten und überzeugt zu sein, dass wir nicht für eine Schule oder für eine willkürliche Behauptung, sondern für den Nutzen und die Grösse der Menschheit die Grundlagen suchen. Dann sollen sie, billig gegen ihr eigenes Wohl, allen Hader vorurtheilsvoller Meinungen ablegen, für das allgemeine Beste sorgen und durch unsere Hülfsmittel befreit und damit ausgerüstet, an der noch übrigen Arbeit Antheil nehmen. Ferner sollen sie sich unter dieser Reform nicht etwas Unendliches und Uebermenschliches vorstellen, da sie in Wahrheit eines unendlichen Irrthums Ende und gesetzliche Grenze ist. Endlich sollen sie die Vollendung nicht von einem Menschen- alter, sondern von der Nachwelt erwarten, überhaupt aber die Wissenschaft nicht voll An- massung in der engen Zelle des menschlichen Geistes, sondern demüthig in der grösseren Welt suchen. 5) In diesen Worten spricht sich das volle Bewusstsein von der epoche- machenden Bedeutung seines Unternehmens aus. Die Nachwelt aber hat sie bestätigt und hat seinen Forderungen Folge geleistet; denn selbst der Idealismus der modernen Systeme der Philosophie, welcher in seinen Grundlagen den geraden Gegensatz zur Baconischen Welt- anschauung bildet, hat es sich in einem Theile seiner Hauptvertreter zum höchsten Ruhme angerechnet, über die imaginäre Welt subjectiver Begriffe zur geistigen Durchdringung des grösseren objectiven Weltdaseins gelangt zu sein. Bacon freilich würde diesen sogenannten objectiven Idealismus nicht gelten lassen, sondern als ein Trugbild des Geistes verwerfen. Die Macht zu wirken, damit das Glück und die Wohlfahrt der Menschen, nicht bloss eine contemplative Glückseligkeit, ist Bacon's Ziel. 6) Diese Macht beruht aber auf der Wis- senschaft, die Wissenschaft auf der Erfahrung. Denn nur so viel kann der Mensch, als er weiss; er weiss aber nur so viel, als er von der Ordnung der Natur durch Experiment, oder Beobachtung wahrgenommen hat; nichts weiter weiss er und kann er. Denn keine Kraft vermag die Kette der Ursachen zu lösen oder zu zerbrechen, und nicht anders
1) De augm. IV, I. 2) Inst. magn. An die Mit- und Nachweh. 13) Inst. magn. praef. 4) De augm. VII, 1. 5) Inst. magn. praef. 6) Inst. magn. distrib. 649 2


