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verliehene Geschenk der Vernunft zum Gebrauche der Menschheit zu verwenden. ¹) Und wenn einmal einer aus der Menge mit edlem Sinne sie um ihrer selbstwillen suchet: so wird man finden, dass auch dieser selbst mehr eine mannigfaltige Gelehrsamkeit, als eine ernste und strenge Erforschung der Wahrheit verfolgt. Gibt es aber auch vielleicht einen solchen ernsteren Forscher: so legt doch auch dieser bei seinen Untersuchungen nur das längst Bekannte zu Grunde; neue praktische Resultate aber und ein neues Licht über die Grundsätze erreicht er nicht. ²) Dieser Mangel an wirklich neuen Resultaten der jetzigen Wissenschaft ist die Ursache von jener Kleinmüthigkeit und Verzweiflung, die die Hoffnung aaf jeden weiteren wissenschaftlichen Fortschritt für die Chimäre eines unreifen Kopfes erklärt ³). Was die jetzige Wissenschaft nicht erreichen kann, erweiset sie aus Gründen für unmög- lich. Wie sollte sie auch sich selbst verduammen? Wenn ihr nur das gelingt, was sie beabsichtigt, ihre Unwissenheit von Schande zu befreien. Alle Versuche der Verbesserung aber sind gescheitert. Kamen sie von den Jüngern dieser Wissenschaft selbst: der Jünger ist nicht über den Meister; die Wasser steigen nicht höher, als sie gelallen sind. Kamen sie von neuen Systemen: die Wissenschaft ward nichl erweitert; die Herrachaft der Mei- nungen wurde nur auf einen anderen übertragen, mit geringem Erfolge in der That; da zwischen den enigegengesetztéen Irrihümern die Ursachen des Irrens fast gemeinschaftlich waren. Kamen sie von den Männern der Erfahrung: diese wurden durch die Erfahrung selbst bei der Untersuchung in die Irre geführt und kämpflen ohne sichere Regel. Kamen sie endlich von der Dialektik: ihre Medicin war zu schwach ſur das Uebel 1) Was ist aber die Wurzel aller dieser Uebel in der Wissenschaft? Die ist es einzig und allein, dass wir, wührend wir die falschen Kräfte des menschlichen Geistes bewundern und erheben, die wahren Hülfsmittel nicht suchen wollen. ⁵)
Daher bedarf die Wissenschaft einer„grossen Erneuerung“, einer Erneuerung von den umersten Grundlagen. 6) Zu den einzelnen Dingen selbst und zu ihren Reihen und Ordnungen lasset uns die Menschen heranführen, dami sie sich auf eine Zeit lang Verleug- nung ihrer Begriffe gebieten und an die Gegenstände selbst sich zu gewöhnen anfangen. ⁷) Denn von da aus muss die Wiedergeburt beginnen. Mit aller Macht ist dahin zu streben, dass der Verkehr zwischen dem Geiste und den Dingen wieder hergestellt oder doch ver- bessert werde.) Desshalb haben wir denn zwischen Erfahrung und Vernunft, deren un- selige Scheidung in der Familie der Menschen alles verwirr? hat, einen wahrhaften und gesetzlichen Ehebund für immer zu befestigen gesucht. 9) Unser Brautlied aber drücke den Wunsch aus, dass aus diesem Bunde für die Menschen solche Hülfsmittel, gleichsam ein Geschlecht von Heroen, entspriesse, welche die Noth und das Elend der Menschen einiger- massen zu bändigen und niederzukämpfen vermögen. ¹⁰) Den König Jacob Il. bittet er, mit dazu beizutragen, dass eine wahre, strenge, auf Experimente gestützle Naturwissenschaft zu Stande komme, damit endlich einmal nach so vielen Weltaltern die Philosophie und die Wissenschaften nicht mehr in der Luft schweben, sondern auf die gediegenen Grundlagen eiher allscitigen und wohlerwogenen Erfahrung sich stützen. ¹¹) Er selbst will nur die Stelle eines Wegweisers auf der bis jetst noch unversuchten und unbekannten Bahn übernehmen. ¹²) Nur der Herold will er sein, welcher die Menschen aufruft, nicht damit sie sich mit schnei- denden Gegenreden wechselseitig bekämpfen, sondern unter einander Frieden schliessen und mit vereinigten Kräften sich gegen die Natur der Dinge rüsten, ob sie ihre Höben
1) De augm. 1, 46. 2) N. 0. 1, 81. 3) N. 0. I, 92. 4) Inat. magn. praef. 5) N. 0. 1, 9. 6) N. 0. I, 31. 7) 1b. 1, 36. 8) An d. Mit- u. Nachwelt. 9] Inst. mu. praef. 10) 1. di- strib. p. 9. 11) Ib. dedic. 12) N. O. praef. 5
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