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und Bösen, welches Gott zu stürzen und sich selbst das Gesetz zu geben begehrte. Jene blähet, wie gross auch ihr Umfang sei, den Geist nicht auf; da nichts die Seele ausfüllen, geschweige denn ausdehnen kann ausser Gott und die Anschauung Goltes. Denn Gott hai die menschliche Seele wie einen Spiegel geschaffen, fähig das Bild der ganzen Welt in sich aufzunehmen, nach ihr nicht weniger dürstend, als das Auge nach dem Licht, und nicht bloss begierig die Mannigfaltigkeit und den Wechsel der Zeiten zu schauen, sondern auch voll Ehrgeiz, die ewigen und unverletzlichen Gesetze und Bestimmungen der Natur zu er- fkorschen. Freilich gibt es dabei gewisse Schranken, und namenilich dürfen wir nicht glau- ben, durch die Betrachtung der Natur die Geheimnisse Gottes einsehen zu können. Denn mit den Wachsflügeln der Sinne können wir nicht zu dem Goôtilichen auffliegen. Diejeni- gen aber, welche behaupten, zu viele Wissenschaft mache geneigt zum Atheismus, und die Unwissenheit in den Mittelursachen leiste der Frömmigkeit gegen die erste Ursache Bei- stand, möchte ich mit der Frage Hiob's unterbrechen, ob man für Gott lügen dürfe. Denn hätten jene Recht, so müssten sie läaugnen, dass Gott gewöhnlich durch Mittelursahen in der Naiur wirke, und das wäre ein reiner Betrug zu Gunsten Gottes und hiesse nichts an- deres, als dem Urheber der Wahrheit das unreine Opfer der Lüge bringen. Ja es ist viel- mehr ganz gewiss und von der Erfahrung hestätigt, dass oberflächliches Kosten in der Phy'osophie vielleicht zum Atheismus hintreibe, aber vollere Züge zur Religion zurückführen. Denn auf der Schwelle der Philosophie haftet der Geist an den Mittelursachen, und es kann sich Vergessenheit der ersten Ursache einschleichen. Wenn jemand aber weiterschrenet and die ganze Reihe und Verkettung der Ursachen in den Werken der Vorsehung anschaut: dann wird er leicht glauben, um mythologisch, wie die alten Dichter, zu reden, dass der höchste Ring der Kette der Natur am Fusse von Jupiters Throne befestigt sei. Darum sei es noch einmal gesagt: Niemand glaube in falscher Bescheidenheit, wir könmen zu weit fortschreiten, sei es in den Büchern der h. Schriften oder der Schöpfung, in der Theo- logie oder Philosophie. Ohne alle Beengung umfasse die Forschung die gesammte Nutur der Dinge; nur hite man sich dabei die umerschiedenen Lehren der Theologie und Philo- sophie ungeschickter Weise zu vermischen.— Den Hauptvorwurf der Folftiker, dass die Wissenschaft die Ehrfurcht vor den Gesetzen und der Regierung erschüttern, nennt er eine reine Verläumdung. Denn wer behauptet, dass ein blinder Gehorsam Stärker binde, als das sehende Auge der Pflicht, der mag eben so leicht behaupien, dass ein Blinder, durch die Hand geleitet, sicherer einhergehe, als wer sich des Augenlichts erfreut. Unstreitig ist Vielmehr der Charakter der Gebildeten zärter und folgsamer, bildsam wie Wachs und lei- bar nach den Geboten der Obrigkeit, die Unwissenheit dagegen Starrköpfig, widersetzlich und aufrührerisch. Nichts beweist die Geschichte klarer; man vergleiche nur gebildete und rohe Zeitalter.— Der Tadel der Wissenschaften endlich, den man aus dem Charakter der Gelehrten hernehme, könne nicht gelten. Unter anderem bemerkt er bei dieser Gelegen- neft, es sei eine alte Klage der einsichtsvollsten Jahrhunderte, dass die Staaten zwar mit Geselzen sich nur allzuviel zu schaffen machten, um das Erziehungswesen sich aber nicht kümmerten. Sonst seien doch alle besorgter den zarten Pflanzen günstigen Boden zu Schaffen, als den erwachsenen. Der vornehmste Theil der alten Erziehung ist einigermassen in den Jesuitencollegien gleichsam in sein altes Recht eingesetzt worden, und wenn ich ihren Fleiss und inre Geschicklichkeit in der wissenschaftlichen und sittlichen Ausbildung betrachte, so fällt mir jenes Wort des Agesilaus über Pharnabazus ein: Da du ein solcher bist, o dass du unser wärest! ¹)
1) De augm. I, 22.


