Aufsatz 
Franz Bacon's Standpunkt und Methode / von Polack
Entstehung
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langt also Bacon. Darin erkennt er auch die Forderung der Leit an dieselben. Durch die vielen Schifffahrten und Entdeckungsreisen ist das Meiste in der Natur offenbar worden, was ein neues Licht in die Philosophie werfen kann. Und es wäre doch schimpflich für die Menschen, wenn die Gebiete der matcriellen Welt, die Länder, Meere und Gestirne in unseren Zeiten unermesslich eröffnet und erleuchtet worden wären, die Grenzen der intellectuellen Welt aber innerhalb der Erfindungen und der Enge der Alten

zurückgehalten würden. ¹) Bacon fühlte mit genialer Sicherheit, es sei die Zeit der Rück-

kehr des Denkens zu den natürlichen Objecten gekommen; der Tag für die Naturwis- senschaften sei angebrochen. Alle Welt war physikalischen, astronomischen, mathemati- schen, alchymistischen, magischen und astrologischen Studien ergeben. Manches war schon geschehen; mit vielen Experimenten und Beobachtungen war das Zeitalter bereichert wor- den, aber das Meiste noch zu thun übrig, als Bacon den iedanken seines Werkes fasste. Man begreift, warum er schon ein Jugendwerk, das seine ldee ausführen sollte, mit dem etwas anspruchsvollen Titeldie grösste Geburt der Zeit belegen konnte. Und nicht so- wohl für ein Erzeugniss seines Geistes, als der Zeitentwicklung galt dasselbe ihm auch später. ²) Der Zeit aber darf man ihr Recht nicht verweigern; die Wahrheit ist die Tochter der Zeit. ³

Ae wird nicht durch die Forderung praktischer Resultate das wahre und beste Ziel der Wissenschaft verrückt? Ist nicht die Betrachtung der Wahrheit an sich, ohne Rück-

sicht auf den äusseren Nutzen weit würdiger und erhabener?) Bacon ist auf diesen. Vorwurf gefasst; aber die Wissenschaft ist ihm, wie der Glaube, ohne Werke todt in sich

selber, und zwar um so mehr, wenn sie statt Trauben und Oliven, die Disteln und Dornen gelehrter Streitigkeiten hervorbringt. 5) Ausserdem würde man Bacon missverstehen, wenn

man unter seiner Kunst der Erfindung nicht zu gleicher, Zeit auch an das Auffinden neuer

Grundsätze und Gesetze der Wissenschaft denken wollte. Neue Forschung ist ihm die nothwendige Bedingung der neuen Erfindung. Das aber ist es, was die Wissenschaft und die Künste wahrhaft zieren würde, wenn Betrachtung und Handlung qurch ein engeres Band als bisher verbunden würden. Die Wissenschaft sei nicht eine Dirne der Lust oder wie oine Magd zum Gewinn, sondern wie eine Braut zum vollen Segen der Ehe.) Aller- dings ist der wahre und gesetzmässige Zweck der Wissenschaften(für die Gemeinschaft der Menschen) kein anderer als der, dass das menschliche Lében mit neuem Erfindungen und Hälfsmitteln ausgestattet werde. 7) Keineswegs ein Ruhebeit für den stürmisch be- wegten Geist darf sie sein, keine Halle, sich darin zu ergehen, keine hohe Warte, stolz von ihr herabzuschauen, keine Wehrburg zu Schlachten und Kämpfen, keine Werkstätte für den Markt; sondern sie muss ein reiches Zeughaus, eine Schatzkammer sein zum Ruhme des Werkmeisters der Welt und zur Unterstützung des menschlichen Lebens. 8) Hat dess- halb aber der rohe Empiriker Recht, welcher alles auf Philosophie und allgemeine Be- trachtungen verwendete Studium für leer ünd müssig hält? Nein, er bemerkt nicht, sagt Bacon und führt dabei das Gleichniss von dem Bauche und den übrigen Gliedern an, dass den einzelnen Wissenschaften und Künsten von dorther Saft und Kraft dargeboten werde. Und ich bin fest überzeugt, dass das nicht die geringste Ursache war, warum ein glück- licherer Fortschritt der Wissenschaften bis jetzt verzögert worden ist, dass man mit diesem

fundamentalen Wissen sich nur im Vorbeigehen beschäftigt, aber nicht tiefer daraus ge-

schöpft hat. ³) Die Wissenschaft aber ist ein Bild des Seins und ein Bild der Wahrheit.

1) N. 0. I, 84. 2) Dedicat ad Jac. reg. 3) N. 0. I, 84. 4) N. 0. I, 124. 5) N. 0. I, 73. 3 6j Do ugm. I. p. 46 sa. 7) N. 0. 1, 81. 8) De ⸗ugml. p 46. 9) De dugm. II. p. 82 2q.