Aufsatz 
Der Rechenunterricht im Spiegel der "natürlichen Methode"
Entstehung
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In unſerer Schule werden als Anſchauungsapparate gebraucht:

1, die ruſſiſche Rechenmaſchine,

2, die von Herz. Landesregierung und mehreren andern Oberſchulbehorden empfohlene,Bruch⸗ tabelle von Ph. Chr. Pulch, Wiesbaden, bei Limbarth.

7. Der Unterricht ſoll organiſch ſein, d. h. die einzelnen Theile jedes Lehrgegenſtandes im Zuſammenhang betrachten, in Gruppen zuſammenſtellen und ſchließlich auch auf den Zuſammenhang aller Wiſſenſchaften hindeuten.

Das Rechnen iſt ſeinem Weſen nach nichts Anderes, als ein Zuſammenfaſſen, Zerlegen, Ord⸗ nen und Ergänzen. Der Rechner durchſchaut ſeine Wiſſenſchaft und Kunſt wie einen unter den eigenen Händen erwachſenen Kriſtallpallaſt, und verfügt darüber mit der Geſchwindigkeit des elek⸗ triſchen Stroms. Selbſt die militäriſche Taktik,die uns das Beherrſchen geordneter Maſſen am Beſten veranſchaulicht, iſt der Feldherrnkunſt des Kalkulators gegenüber nur eine ſchwerfällige Ver⸗ körperung des Ideals.

Der Zuſammenhang der Arithmetik mit den andern Wiſſenſchaften iſt ſchon oben angedeutet worden; er kann dem Schüler nimmer entgehen, weil die Rechenſtunde bei ihren Beiſpielen in alle Gebiete eingreift, und weil auch in andern Stunden die Zahlen nicht enbehrt werden können.

8. Der Unterricht ſoll lebendig intereſſant ſein.

So gewiß die Wahrheit des Geiſtes Heimat iſt, ſo gewiß liegt die Möglichkeit vor und die Wahrſcheinlichkeit nahe, daß der Lehrer in der Rechenſtunde mit Luſt und Liebe arbeitet. Wie der Rechenunterricht ſich vorzugsweiſe dazu eignet, die Selbſtthätigkeit der Schüler anzuregen, davon kann ſich Jeder bei der Beobachtung lebensfriſcher, geiſtig geſunder Kinder überzeugen. Mit einem Thatendurſt, den man ſonſt nur bei gymnaſtiſchen Uebungen begegnet, wetteifern ſie, wenn es gilt, ein Zahlenproblem zu löſen. Dieſer Eifer erklärt ſich aus der Evidenz der Reſultate, aus der ſelbſtbewußten Sicherheit, mit der die kleinen Rechner dem Ziel entgegeneilen, und aus der Möglich⸗ keit, anf verſchiedenen Wegen das Fazit zu finden.

Als ein ſehr läſtiges Hinderniß muß freilich die oft große Ungleichheit in der Befähigung der Schüler derſelben Klaſſe genannt werden. Die Aufgabe darf nicht zu ſchwer und nicht zu leicht ſein, und da iſt es in einer zahlreichen Klaſſe eine pädagogiſche Unmöglichkeit, Allen zugleich zu genügen. Unſere Schule hat in dieſer Hinſicht das Glück, daß die Schüler einer Klaſſe im Allgemeinen nur einem Jahrgang angehören.

9. Der Unterricht ſoll harmoniſch ſein, d. h. nicht das Eine über dem Andern verſäumen.,

Jeder Eingeweihte wird zugeſtehen, daß auch in dieſer Beziehung dem Rechenlehrer ein weites Feld geöffnet iſt. Er hat zu entwickeln, einzuüben und zu wiederholen; er gibt Aufgaben und läßt Aufgaben bilden; er beſchäftigt die Kinder abwechſelnd mit der reinen und angewandten Zahl, und macht Streifzüge in alle Reiche menſchlichen Wiſſens; dem mündlichen wie dem ſchriftlichen Ver⸗ fahren ſucht er gebührend Rechnung zu tragen.

Gerade in Betreff dieſes letzteren Punktes ſtößt die Schule nicht ſelten auf abweichende An⸗ ſichten. Man wirft ihr naͤmlich vor, ſie begünſtige das Kopfrechnen auf Koſten des ſchriftlichen, und fordert mehr Recht für Letzteres. Dieſer Tadel muß zurückgewieſen werden. Die Schule unter⸗