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und er hier nötig sein, so werde er den Schall des dreimal auf den Amboß aufschlagenden silbernen Hammers vernehmen; aber der Ruf könne nur dreimal an ihn ergehen. Er brauche nur den festen Willen zu haben, zu kommen, dann werde er, mit dem rechten Fuße den Boden tretend, versinken und im Nu durch den Erdmittelpunkt und die Feuer der unterirdischen Reiche zurück- gelangen und beim Amboß aufsteigen. Vorbedingung des Wunders sei völlige Herzenslauterkeit. Während seiner Abwesenheit wird Ottbert von seinen Stiefgeschwistern Humfried und Teuta beim Vater verdächtigt, für verschollen und tot ausgegeben und nachträglich des Mordes an dem Heiligen bezichtigt. In Agypten umgaukeln ihn Geister der Verführung, so daß er zwei Rückkehrrufe über- hört. Dem dritten gehorcht er und kommt mit St. Trutbert gerade zur rechten Zeit, um Ehre und Erbe zu retten.— Als Faust, um Helena zu zitieren, sich an Mephisto wendet, verweist ihn dieser bekanntlich an die Mütter in den raum- und zeitlosen Abgrund des Gewesenen und noch nicht Seienden und schürt seine Entschlossenheit durch Flerausforderung des Widerspruchs gegen das Furchtgefühl; dann übergibt er ihm den Schlüssel, der ihn zu dem glühenden Dreifuße und „eh' sie's merken“, zurückführen soll..
„Dein Wesen strebe nieder!
Versinke stampfend, stampfend steigst du wieder.“¹
Dem Dreifuß enauül so wie der glühende Schlüssel ihn berührt, ein Nebel, der alsbald
den ganzen Raum ausfüllt.
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aer wogt nach Wolkenart,
Gedehnt, geballt, verschränkt, geteilt, gepaart.... Das Dunstige senkt sich; aus dem leichten Flor Ein schöner Jüngling tritt im Takt hervor.“
Der Zaubernebel, aus dem die Geistergestalten, beschworen oder unbeschworen, sich ent- wickeln, wird öfter in B. Nauberts Werken beschrieben. S. Neue Volksmärchen I, 131/2; II, 234; IV, 55; Gebhard, Truchseß von Waldburg I, 33/34; Alme I, 163 u. a. m. Hier liegt wohl ältere, allgemein verbreitete Volksanschauung über Magie zu Orunde.
Die dem Sohne Euphorion in den Hades folgende Helena hinterläßt Faust scheidend Schleier und Gewand, die ihn in der Erinnerung an das verschwundene Oöttliche fortan„über alles Gemeine rasch am Aether hin“ tragen. In ähnlicher Weise scheidet Swana, die gespenstige Jungfrau des Osenberges, nach monatelang gepflogenen nächtlichen Zwiegesprächen mit ihrem Lieblinge, dem Grafen Friedrich von Oldenburg, den sie gern zum König der skandinavischen Reiche gemacht hätte, schließlich trauernd und vorwurfsvoll von ihm, indem sie ihm ihren Schleier
hinterläßt. Friedrich trägt dieses Unterpfand einer nicht völlig erloschenen Freundschaft mit dem lieblichen Geisterfräulein als Schärpe oder windet es, soll ihm ihr Bild wenigstens im Traume erscheinen, um den Kopf.:
„Die Feilige Elisabeth und Herr Peter von Savoyen“ ist die letzte Erzählung in„Wallfahrten“ (Neue Volksmärchen“, Teil V). Wir werden mit König Andreas von Ungarn und seiner Gemahlin, deém angeblichen ungarischen Kronprinzen Peter von Savoyen, der Prinzessin Elisabeth und ihrem Gemahl Ludwig, Landgraf von Thüringen, und mit dem Zauberer Klingsor bekannt gemacht, ferner in die sagenhaften Begebenheiten auf der Wartburg und im ungarischen Herrscherhause eingeführt. Eine derselben ist, daß König Andreas von Klingsor einen Löwen erhält, damit er sich mittels dessen über die Treue seiner eingekerkerten Gemahlin Gewißheit verschaffe. Es be- stand die Anschauung, daß der Löwe nur Schuldige zerreiße und daß die Unschuld nichts von ihm zu befürchten habe. Das königliche Tier schmiegt sich schmeichelnd zu den Füßen der
¹ Faust, II. Teil. Kaiserliche Pfalz. Finstrer Gang. S. 230. ² Neue Volksmärchen d. D.(„Das oldenburgische Horn“) II, 306— 311.


