Aufsatz 
Anklänge an die zeitgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes
Entstehung
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Tell stand mit vorgebogenem Leib, als wollt' er dem Pfeile folgen.... Wie er den Knaben kommen sieht, eilt er ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen....

Den Vater umringt das dem Tyrannen fluchende Volk und will ihn sicher nach Hause bringen; aber die Reisige machen sich schon bereit, ihn anzufallen, und da die Zahl der Streiter der Freiheit zu klein ist, werden sie zerstreut. Diese Momente werden auch bei Schiller ver- wendet. Der Name ltel Redings kommt auch in Nauberts Roman vor. Er ist dortder ehr- würdige Züricher Amman, ein silberhaariger Greis, die Zierde unserer Weisen.*

Nach Kaiser Albrechts Ermordung kehrt einer der Mitverschworenen, Rudolf von der Wart, nach Schloß Uspunnen in der Schweiz zurück. Er weiß, daß er geächtet ist.Er erblickte, wie es jedem Verbrecher geht, die vollbrachte Tat mit anderen Augen als die zu vollbringende; er

war ohne Trost. Vgl. hierzu Braut von Messina III, 5: Ein andres Antlitz, eh' sie geschehen, Ein andres zeigt die vollbrachte Tat.

Den Teilnehmern an der Rütliversammlung gehen am Schlusse der nächtlichen Beratung über den Alpenspitzen das Frührot und das Tagesgestirn als Symbole des Freiheitsmorgens auf, angesichts dessen sie den Eid des neuen Bundes schwören. Ahnliches lesen wir in der 17903 er- schienenen Erzählung

Die Brüder des Bundes für Freiheit und Recht' von Leonhardt Wächter.

Nachdem dieser Idealbund vom Landesherzog Adelbert aufgelöst worden ist, sammeln sich die Brüder bei der Rückkehr ihres Führers Ernst von Falkenhelm aus der Fremde und sagen Adelbert unter Rückgabe ihrer Lehen Fehde an. Am Vorabend des Kampfes empfangen sie vom Abt Cölestin im Kloster St. Lüdeger das heilige Abendmahl. Die folgenden Stunden vergehen unter ernsten Beratungen und anfeuernden Reden. Die Kinder schwören, der Freiheit zu leben und zu sterben. Abernoch, den Ungeduldigen zu lang, liegt die Nacht, undurch- dringlich jedem Menschenauge, über der Erde: Es schläft der Tag noch, den der Sänger zu wecken sich anschickt. Bei Falkenhelms Schilderung des biederen, mit den Brüdern gleichzeitig der Freiheit entgegenschauenden Schweizervolkes bricht der Morgen an:Brüder, seht, ein Lichtflämmchen dämmert dort durch die Wolkendecke des limmels! Es breitet sich überall aus, wie im Zunder das Fünkchen. So waren denn die Helvetier nur noch Herren ihres Landes, wie der Gefangene Besitzer seines Kerkers ist; ihre Gesetze und Freiheiten ver- rosteten usw..... Dort erglühen schon die Wolkenecken.... Der Freiheitstag grüßt die Welt! Zäumt die Rosse, Buben!.... Zu ihnen(Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von der Halden) gesellte sich Wilhelm Tell und mein Attinghausen. Diese ratpflegten in den Betten ver- siegter Waldströme und in Gemsenhöhlen, wie die Freiheit dem Lande zu erhalten sei. Sieh, jener Berge Oipfel entbrennen in Goldrot. Vernimm, es regt sich in Büschen und Feldern. Oft hörte ich diesen einfältigen Weisen zu, und Nächte schwanden mir, wie der Nachhall eines frohen Gesanges. Ha, da ragen über der blaudampfenden Erde die Spitzen der Sonnenkrone hervor, schimmern hoch auf. Im spielenden Morgenwind gelben sich die Wipfel der Wälder. Hin auf den Turm, Wendelin, uns den Schlachtruf zu läuten! Bald mehrte sich die Zahl der Rathaltenden. Bald waren sie entschlossen, eher den Tod zu dulden denn unverdientes Joch, bald einig, wodurch sie dies ab-, oder sich jenem in die Arme werfen wollten. Diese letzten Worte scheinen in dem Schwure der Eidgenossen bei Schiller widerzuklingen:

1 Ebda. II, 29. ² Ebda. II, 349.*%Ebda. I, 185/6. Weber, Sagen der Vorzeit IV, 446/7; 456/7.