Aufsatz 
Anklänge an die zeitgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes
Entstehung
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neues Anwesen geht in Flammen auf. Tell wird zum Apfelschuß gezwungen, entkommt aus dem See und erschießt den Landvogt. Er und Stauffacher, Walter Fürst und Heinrich Melchthal nebst seinem Sohne vereinigen sich in Altdorf zur Abschüttelung des Jochs und werben Gleichgesinnte. Bei der Versammlung auf dem Rütli beteiligt sich auch Friedrich von Toggenburg und stimmt für sofortiges Losschlagen, um Kunigunde zu befreien. Man wartet indessen, bis alle Mittel zur Erhebung bereit stehen. Die Ratzburg wird am Neujahrstage durch die List Wolfgangs, des Sohnes Arnold Melchthals, erstiegen. Landenberg wird von Feinrich Melchthal erschlagen. Zugleich oder unmittelbar nachher fallen Sarnen und die anderen Burgen.

Man sieht sofort, daß die Liebe Rudenzens zu Berta von Bruneck in dem Verhältnisse Friedrichs von Toggenburg zu Kunigunde vorgebildet liegt. Wie Berta von Geßler, so wird Kunigunde von dem Landenberger geraubt. Ratzburg ist Umnennung von Rotzberg(Tschudi), Roßberg(Schiller). Der Name Rudenz stammt aus Tschudi. Friedrich von Toggenburg ist nicht ursprünglich österreichisch gesinnt und nicht beim Apfelschuß zugegen, aber wenn es von ihm anläßlich der Verhandlungen auf dem Rütli heißt:Letzterer hätte leicht durch seine itze alles verderben können. Er kannte seinen Stand, kannte die Macht seiner Bundesgenossen, sein hoher Mut machte es ihm schimpflich, im Finstern zu schleichen, da er offen handeln konnte; er war für schnellen Ausbruch der Feindseligkeiten, für schnelle Befreiung seiner Geliebten....2 so erkennen wir hier den Charakter Rudenz' wieder und seine Worte, mit denen er, vor Atting- hausens Leiche stehend, die sofortige Volkserhebung durchsetzt. Wolfgang Melchthals Wesen und Anteil an der Befreiungstat er wird geschildert alsein feuriger achtzehnjähriger jüngling, gleich geschickt zu schlauer List und kühner Ausführungs sind bei Schiller auf Arnold über- tragen. Vor des Landvogts aufgestecktem llutegehorcht der spottende Pöbel und beteuerte heimlich, daß er diese Achtung weit lieber der leeren Hülle erweise als dem tollen Kopfe, dem sie sonst zur Zierde zu dienen pflege Vgl. hierzu bei Schiller Akt III, S2. 3:

Warum nicht einem leeren, hohlen Hut? Bückst du dich doch vor manchem hohlen Schädel!

Da hängt der Landvogt. Habt Respekt ihr bösen Buben!... Wollt's Gott, er ging' und ließ' uns seinen Hut; Es sollte drum nicht schlechter steh'n ums Land!

UÜber Tells Sohn, der, des Vaters Pfeil erwartend, unter dem Baume steht, heißt es: Geßlers Knechte waren bereit, das reizende, unschuldvolle Geschöpf festzubinden, aber schon glimmte ein Funken von dem Mut des Vaters in dem Knaben. Ich bin ein elvetier, rief er mit kindischem Ernst. Den Tod scheue ich nicht, aber die Bande. Glaubt ihr, daß ich, wenn mein Vater mich auch wirklich töten wollte, seinem Pfeil entflienen würde? und später nach dem Schlusse:Einige schrieen: er ist gefallen! er ist gefallen! weil der Knabe sich nach dem Apfel, welcher von der Gewalt des Schusses herabgerissen war, bückte und ihn lächelnd dem Vater entgegenhielt, der fast so schnell als der Pfeil von seinem Bogen herbeiflog und das gerettete Kind in seine Arme drückte. Das wußte ich wohl, Vater, rief der Kleine,.... das wußte ich wohl, daß du deinen Wilhelm nicht töten würdest. Vgl. die entsprechende Stelle in Schiller:

Der Apfel ist gefallen!

Der Knabe lebt! Der Apfel ist getroffen! Vater, hier ist der Apfel wußt' ich's ja, Du würdest deinen Knaben nicht verletzen.

¹ Leitzmann, Die Quellen von SchillersWilhelm Tell p. 15, Z. 32. ² Elisabeth etc. II. 79/80. ³ Ebda. II, 80. 4 Ebda. II, 26. Ebda. II, 29.