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Kammerdiener knieend um reuige Umkehr zum Kaiser, indessen vergebens.“— Von der Kenntnis der Zukunft spricht Nikolaus:„Sie ist wie die Fabel des Prometheus, eine Gabe, die das Schicksal ihnen(den Menschen) zu beneiden scheint, sie durch tausend Wege zu vereiteln, sie zum Schaden zu kehren weiß; dieses zu bewirken, erfand es den Zufall, das unerklärlichste, unerforschlichste, unbezwingbarste aller verborgenen Dinge. Von ihm sprechen die Gestirne nie anders als dunkel, keine Ausrechnungen, keine Seherblicke können ihn enthüllen.“² Die Frage hat Wallenstein auch beschäftigt. Er ist bei Schiller zu einer bestimmteren Ansicht gekommen: „Es gibt keinen Zufall; Und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen.“³
Uber die Stellung, die Thekla von Thurns Celiebter gegenüber Wallenstein einnimmt, heißt es bei B. Naubert:„Der Fürst von Eggenberg kannte die Neigung seines Neffen für den Herzog von Friedland. Er wußte zwar, daß er zu edel war, sich mit ihm in ein Verständnis einzulassen, daß den Gerechtsamen seines Herrn, des Kaisers, nachteilig sein konnte, aber er wußte auch, daß er Wallenstein stark genug liebte, sein Leben für ihn zu wagen, wenn es aufs Außerste kommen und irgend etwas vorgehen sollte, dabei die Person seines Freundes in Gefahr kommen könne.““ Genau dieses ist das Verhältnis, in dem Max zu Wallenstein steht. Aber während Eggenberg auf Befehl seines Onkels nach Wien abreist und so dem Widerstreit der Pflichten entgeht, läßt Schiller seinen jungen Felden dem Vater nicht willfahren und führt ihn nun durch das ganze Labyrinth der Leiden, die aus dem Zwiespalt zwischen Liebe, persönlicher Verehrung und höherer Pflicht entspringen, bis zum tragischen Ende. Der Dichter macht ihn zum Sohne Oktavio Piccolominis, wie Coethe die Ausdrücke höchster Bewunderung und edelster Trauer um den unrettbaren Egmont gerade dem Sohne Albas in den Mund legt. Der Sohn des Feindes protestiert gegen die Falsch- heit des Vaters und sühnt seinerseits zu einem gewissen Orade, was jener fehlt.“-
In dem Roman
„Elisabeth, Erbin von Toggenburg“
findet sich auch ein Bericht über die Erhebung der drei Waldstätte einverwoben, freilich nicht im Zusammenhang und nur in Momenten, die der Phantasie der Verfasserin zusagen. Schiller hat das Buch im Jahre 1803 zweimal gekauft.“ Sein„Wilhelm Tell“, an dem er damals arbeitete, weist einige Anklänge daran auf. Soweit er hier in Betracht kommt, enthält der Roman folgendes:“ Kunigunde, die reiche Erbin von Sargans, Enkelin Walters von Vatz, geliebt von Oraf Friedrich von Toggenburg, wird vom kaiserlichen Statthalter Pellegrin von Landenberg von der Kirche weg auf die Ratzburg geraubt. Geßler wütet in Uri; er mißhandelt den achtzigjährigen Heinrich von Melchthal und nimmt ihm seine Güter. Arnold Melchthal flieht mit dem Vater zur Schwester Armgart, der Gemahlin Baumgartens und Verwandten Walter Fürsts und Stauffachers. Armgart wird von Wolfenschießen auf seine Burg gebracht, wofür Baumgarten ihn im Bad erschlägt. Oeßler steckt in Altdorf seinen Flut auf eine Lanze und verlangt für ihn Verehrung. Werner Stauffachers
¹ Wallensteins Tod V, Sz. 3 u. 5.* Ebda. II. 317/8.* Wallensteins Tod II, 3. ¹ Thekla von Thurn II, 3401.
* Über Schillers bewunderndes Urteil über die Gestalten Ferdinands, Clärchens(und Brakebuschs, welchem Ray- mond in der„Jungfrau von Orleans“ ähnelt) s. seine Kritik über Goethes„Egmont“. Was nach Schiller Clärchen aus- zeichnet:„.... im höchsten Adel ihrer Unschuld.... durch nichts veredelt als durch ihre Liebe, reizend im Zustand der Ruhe, hinreißend und herrlich im Zustand des Affekts“, ist auch in der durch Rang, Erziehung und Lebensverhält- nisse von ihr unterschiedenen Thekla vereinigt.
" Vielleicht zu Geschenkszwecken. S. Leitzmann, Die Quellen zu Schillers und Goethes Balladen p. 48.
* Elisabeth etc. I, 287— II, 98.


