Aufsatz 
Anklänge an die zeitgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes
Entstehung
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Schlummer umfängt ihn vor den letzten Augenblicken. Er erwacht bei dem Gespräch der Um- stehenden und erfährt von dem Bündnisse der drei Waldstätte zur Abschüttelung der Knechtschaft. Da wird er zum Seher, dem sich die herrlichen Taten der Zukunft seines Volkes entrollen und der noch im Verscheiden zur Einigkeit mahnt.

Auch in dem BruchstückDemetrius finden sich ein paar Anklänge. Die Art und Weise, wie der falsche Dmitri im Palaste des Woiwoden von Sendomir für den Sohn des Zaren lwan Wasilowitsch erkannt wird, stimmt mit der Erkennung Adelheids als Tochter Karls des Großen überein. Im Angesicht des Todes ergreift der jüngling ein seit seiner Taufe verborgen am Hals getragenes goldenes, mit Edelsteinen besetztes Kreuz, um es zu küssen. Das Kreuz erregt Auf- merksamkeit und wird von anwesenden Bojaren für dasjenige erklärt, welches der Knäs Mestislowskoy einst dem nachher angeblich im Klosterbrande umgekommenen Zarensohne bei der Taufe umgehängt hat. Alter und körperliche Eigentümlichkeiten weisen gleichermaßen auf den Zarensohn hin, von dem in Rußland das Gerücht geht, daß er noch lebe. Das beweiskräftigste Dokument ist aber ein bei dem jungen Russen gefundener Psalter mit der griechischen Eintragung des Abtes des Klosters Tschudow, daß der Besitzer dieses Buches Prinz Dmitri sei. Wie die einstige Ungarnkönigin Maria in Hermann von Unna im Kloster von St. Annen um die totgeglaubte Tochter, so trauert die Zaren- witwe Marfa sechzehn Jahre lang um den Sohn im weltabgeschiedenen Kloster am See Bjelosero. Beide Frauen werden durch die frohe Kunde vom Leben des lieben Kindes selber dem Leben wiedergeschenkt.

Düntzer behauptet mit Recht, daß der Einfluß, den Schiller zum Wallenstein von dem ihm wohlbekannten Romane

Ceschichte der Gräfin Thekla von Thurn

her empfangen habe, äußerst gering sei. Zu seinen Ausführungen bedarf es nur einiger kleiner Nachträge. Die Herzogin Wallenstein, die während der Vorgänge in Pilsen und Eger mit ihrer zehnjährigen Tochter Maria Elisabeth in Brück in Unterösterreich lebte, befindet sich nach B. Naubert die gar nicht von einer Tochter spricht bei ihrem Gemahl oder auf Besuch bei dem GOrafen von Thurn. Schiller läßt Mutter und Tochter auf Wallensteins Anordnung ins Lager kommen. Dort befindet sie sich nach B. Naubert in tiefer Bekümmernis, in steter Sorge um ihren Gemahl, der ihr aus Schonung über seine geheimen Angelegenheiten nichts verrät.Sie konnte mutmaßen, und ihre Mutmaßungen waren schrecklich; sie sehnte sich nicht nach einer Krone, welche mit Unrecht und so vielen Gefahren sollte errungen werden.² Sie weint häufig. 80 erscheint sie auch bei Schiller. Sie fleht Wallenstein vergebens an, dem Kaiser treu zu bleiben. Sie ahnt, daß sein ruheloser Ehrgeiz und die dunkeln Künste, denen er sich seit dem Tage von Regensburg zugewandt, ihn ins Verderben stürzen werden. Noch am Tage vor der Ermordung mahnt ihn, nach B. Naubert, der Seher Nikolaus Falk vor drohender Gefahr und bringt ihn selbst zur Einsicht, daß es sicherer sein würde,gewisse Anschläge aufzugeben, deren Ausführung er nahe zu sein glaube, aber Seno löscht alle guten Eindrücke wieder aus.Er bemühte sich, alles zu widerlegen, was ich sagte, fand da nichts als Kronen, wo ich Sarg und Totenkleider erblickte, und Nikolaus scheidet mit der Mahnung:Rückkehr zum Gehorsam, Wallenstein, gegen deinen Herrn, dieses, dieses kann dich retten, zuverlässig retten, alles Andre ist vergebens und in dem Vorgefühl unabwendbaren Unglücks. Bei Schiller entkräftet Wallenstein die Wahrträume der Oräfin Terzky durch Umdeutung. Noch in der letzten Stunde bitten ihn Seni, Gordon und der

¹ Düntzer, SchillersWallenstein p. 207. ²* Thekla von Thurn II, 342; 345. ³%Wallensteins Tod III, 3. 4 Thekla von Thurn II, 351/2.