— 9— und der Oräfin Terzky beim Anblick der Zimmer Wallensteins in Eger:
„So nimm uns mit. O laß uns nicht zurück
In diesem Ort der traurigen Bedeutung;
Denn schwer ist mir das Herz in diesen Mauern, Und wie ein Totenkeller haucht mich's an;
Ich kann nicht sagen, wie der Ort mir widert.“¹
Wahrträume, wie sie die Cräfin Terzky über Wallensteins Ende hat, begegnen auch in dem Romane Thekla von Thurn mit Bezug auf das Ende Gustav Adolfs und Bernhards von Weimar. ².— Sobald Thekla in Schillers Drama den Tod ihres Geliebten im Treffen bei Neustadt erfahren hat, beschließt sie zu seinem Orabe zu eilen; im elterlichen Hause duldet sie's nicht mehr:
„Nicht Ruhe find' ich, bis ich diesen Mauern Entronnen bin— sie stürzen auf mich ein—. Es füllen sich mir alle Räume dieses Hauses Mit bleichen, hohlen Geisterbildern an—
Ich habe keinen Platz mehr— Immer neue! Es drängt mich das entsetzliche Gewimmel Aus diesen Wänden fort, die Lebende.“*
Man vergleiche hierzu die Wirkung, die Gunderichs Bericht über Prinz Karls und Irenes Heldentod in der Schlacht gegen Tassilo auf Karl den Großen macht:“„Die Geschichte sagt, daß diese und folgende Tage der Fürst von Westfalen fast nicht vom Kaiser gekommen sei, daß er sogar in Karls Zimmer habe schlafen müssen. Das Gewissen des unglücklichen Vaters war durch seines Sohnes Tod und Gunderichs Bußpredigt dermaßen erregt worden, daß er weder Tag noch Nacht Ruhe hatte und, sobald er allein war, die Geister derer durch seine Schuld Umgekommenen vor sich zu sehen glaubte. Deren waren nun zwar schon ein solches Heer, das wohl imstande war, ihm einige Angst einzujagen.“⁵.
Die nahende körperliche Auflösung Pater Johanns und Reginalds ist mit teils natürlichen, teils eigenartigen Anzeichen verknüpft, die an die Sterbe-Szene im IV. Akt des„Wilhelm Tell“ erinnern. Als Claudia und ihre beiden Gefährtinnen um ihrer Zukunft willen den Greis besuchen, finden sie ihn in Erwartung ihrer am Morgen vor seiner Flöhle auf einem Steine sitzend ein- geschlafen. Er wacht durch ihr Flüstern auf, begrüßt sie und sinkt wieder in Schlummer.„Ihr hättet mich sollen schlafen lassen,“ spricht er, sich wieder ermunternd.„Ihr wecktet mich aus einem prophetischen Schlummer. Ich tat tiefere Blicke in die Zukunft als zuvor je.... Was sagte ich dir von der weissagenden Kraft unserer Seele? Jetzt am Orabe, da die Fesseln meines Körpers nun schon fast alle aufgelöst sind, jetzt fühle ich diesen Funken der Oottheit stärker als jemals in meinem Leben.... Wenn ich eine fast unüberwindliche Neigung zu einem Schlafe ausnehme, der dem Tode mehr als brüderlich verwandt ist, so fühle ich nicht die mindeste körperliche Be- schwerde.““ Von dem schwerverletzten Reginald heißt es:„Heute hat er fast gar keine Schmerzen mehr und ist so ruhig, daß er den ganzen Nachmittag geschlummerrt hat; ich freute mich darüber, aber die Arzte sagen, diese seien die Zeichen seines nahen Todes.“: Auch der sterbende Freiherr
von Attinghausen weiß:. „Der Schmerz ist Leben, er verließ mich auch.
Das Leben ist, so wie die Hoffnung, aus.“
u Wallensteins Tod IV, 9. ² Thekla von Thurn II. 175— 176. ³ Wallensteins Tod IV, 11
4 Geschichte Emmas II, 210.
5 Die einen Richard III. in Shakespeares Drama, einen Sulla oder Karl IX. verfolgenden Erscheinungen können hier nicht als Gegenstück angezogen werden, da es sich hier nicht um wirklich vollbrachte oder anbefohlene Mord- taten handelt.
³ Geschichte Emmas I, 366; 368.* Ebda. II, 281.


