Aufsatz 
Anklänge an die zeitgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes
Entstehung
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Hinabsieht in das aufgelöste Spiel

Des unverständlich krumm gewundnen Lebens.

Nicht fremd ist ihm das Schicksal meines(Isabellas) Hauses. Oft hat der heil'ge Mann für uns den Himmel

Gefragt und manchen Fluch hinweggebetet.¹

An ihn wendet sich Isabella um Auskunft über die geraubte Tochter und erhält sie als- bald, zugleich aber das düstere Vorzeichen von des Fürstenhauses nahem Untergang.

Don Manuel hat Beatrice in der Nacht aus dem Kloster geraubt. Der Chor steht betroffen über die verwegene Tat, die des Hlimmels Rache herausfordert. Doch binden Beatrice noch keine Klostergelübde, sie soll vielmehr, erwachsen, in die Welt zurückkehren. Diego schildert die den Raub begünstigenden Umstände. Die Gartenmauer sei niedrig und mit der Leiter leicht über- steigbar. In das Gebäude habe man nicht notwendigerweise einzubrechen brauchen, da die Jung- frau sich zwanglos im Oarten ergehen durfte und das auch öfter getan habe. Der Mutterstolz bäumt sich gegen den Verdacht auf, daß sie sich etwa freiwillig habe entführen lassen. Diese Momente bilden den Inhalt breit ausgeführter Darstellungen des Klosterraubanschlags in Kap. 26, 28 und 33 des B. Naubertschen Romans Hermann von Unna. Der Prinzessin Ida von Württem- berg ist es, wie dort erzählt wird, gelungen, die unglückliche Königin Maria von Ungarn, des späteren Kaisers Sigmund totgesagte Gemahlin, in dem ungarischen Kloster von Sankt Annen wiederzufinden, aber über dem Bestreben, Maria zu retten, gerät sie selbst in Gefahr, den Schleier nehmen zu müssen. Verzweifelt sucht sie ihr Bräutigam, Graf Hermann. Sein Freund Konrad von Langen kundschaftet sie aus und unternimmt ihre Rettung. Ein alter Baum an der Klostermauer verdeckt einige Lücken, durch die man einsteigen kann. Die Mauer ist nicht hoch und umschließt den Friedhof, welchen Ida nächtlicherweile gern in frommem Sinnen besucht. Sie bemerkt dort die Einsteigenden, hält sie für Feinde und entflieht ihnen. Die hartnäckig wiederholten Entführungs- versuche schlagen fehl, auch ein Klosterbrand führt zu nichts als verstärkten Vorsichtsmaßregeln auf der andern Seite. Im letzten Augenblicke kommt die Hilfe von mächtigerer Hand.

Vorahnungen spielen in B. Nauberts Romanen keine geringe Rolle. Der Anblick des weltabgelegenen Tales mit der epheuumsponnenen Ruine Falkenstein versetzt die Schriftstellerin in einesonderbare schauervolle nachdenkliche Stimmung. Von den eingesunkenen Orabsteinen her scheint eine längst vergessene Zeit mit ihr Zwiesprache zu halten und Wiederbelebung zu heischen. Beim ersten Anblick des Klosters Reichenau überfällt Claudia eine düstere Ahnung bevorstehenden Unglücks. Die Angst steigert sich mit der Zeit immer mehr, bis der Klosterbrand ausbricht, bei welchem ihr Leben aufs äußerste gefährdet ist. Ganz ähnlich geht es auch Thekla

beim Eintreffen in Wallensteins Lager in Pilsen: O meine ahnungsvolle Seele Jetzt Jetzt ist sie da, die kalte Schreckenshand, Die in mein fröhlich Hoffen schaudernd greift. Ich wußt' es wohl O gleich, als ich hier eintrat, Weissagte mir's das bange Vorgefühl, Daß über mir die Unglückssterne stünden.*

¹ Braut von Messina IV, 8z. 1. ² Geschichte Emmas I, 7 9.

³ Ebda II, 262 263; 273; 276.Nicht so bald hatte ich die Mauern des Klosters nur von weitem zu Ge- sicht bekommen, so überfiel mich eine Empfindung, für die du keinen Begriff hast, weil du nie etwas Aehnliches ge- fühlt haben kannst. Ich, die es weiß, was lebhafte Ahndungen von der Zukunft sind, verstand sie vollkommen und wurde von einem Schauer befallen, der mich beinahe bewogen hätte, meine Begleiter zur Umkehr zu bereden oder aus dem Wagen zu springen....(S. 273).Mir steht ein Unglück bevor, in welchem ich wahrscheinlich mein Leben werde lassen müssen....(S. 262). 3

4 Wallensteins Tod, III. Akt, 2. Sz. S. auch Die Piccolomini III, 9:Es geht ein finstrer Geist durch unser Haus, Und schleunig will das Schicksal mit uns enden.