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goldenes Kreuz mit ihrem(der Tochter) Bilde als Medaillon geschenkt und ihr aufgetragen, es wohl zu verwahren und das Medaillon einst ihrem Bräutigam zu geben; auch wacht ein greiser Fremit, der ehemalige Beichtvater Hildegards, über dem Schicksale der Prinzessin. Heranwachsend spiegelt diese mehr und mehr die Züge und das hoheitvolle, sinnigen Ernst mit männlichem Mute vereinende Wesen ihrer Eltern wider, das der zur Oberflächlichkeit neigenden Tochter Kunigundens abgeht. Achtzehnjährig, hat sie den ihr unbekannten Sachsenherzog Wittekind von einem wütenden Hirsche befreit und Prinz Ludwigs heimlich angetraute Gemahlin Irmengard in Falkenstein unter- gebracht. Dort lernen sich Kunigundes Tochter und Eginhard kennen und lieben, doch schlägt Eginhards Werbung um sie, sowie diejenige Wittekinds um die Kaiserstochter infolge Personen- verwechselung fehl. Wittekind erkennt nun in der sogenannten Adelheid seine Retterin und eigent- lich begehrte Braut, wird aber, da sie sich seiner nicht für ebenbürtig hält, trotz ihrer Gegenliebe abgewiesen. Der Kaiser, der Ludwigs Verbindung mit der Tochter des rebellischen Andierherzogs mißbilligt, schickt Irmengard, sobald ihm ihr Zufluchtsort verraten ist, ins Kloster St. Emmeran, Adelheid ins Kloster Reichenau auf der kölnischen Heide. Dort trifft unter Adelheids Namen eine Freundin Claudia ein, die sich infolge bitterer Herzenserlebnisse nach dem Klosterfrieden sehnt. Sie läßt Adelheid unterwegs nach ihrem Schloß an der Lippe entführen und vermacht es ihr zum Eigentum. Adelheid, nicht minder edelmütig, rettet Irmengard vor der aufgedrungenen Annahme des Schleiers und tritt an ihrer Stelle in St. Emmeran ein, während Irmengard das Schloß an der Lippe bezieht. Die falsche Emma läßt der Kaiser nach Aachen kommen, um sie ins Hofleben ein- zuführen. Dort findet Eginhard sie zu seiner Verblüffung als Kaiserstochter wieder, unterdrückt geziemend seine Liebe und übernimmt auf Befehl seines nichtsahnenden Herrn ihre weitere geistige Ausbildung. Wittekind ist inzwischen mit den Prinzen Karl und Pipin gegen Tassilo zu Felde gezogen und hat ihn besiegt, aber Karl ist durch Pipins Tücke gefallen, mit ihm seine Braut Irene, die Tochter des griechischen Kaisers Nikephorus. Der rauhe Gunderich, Hofmeister des Erschlagenen, klagt in seinem Bericht über die Vorgänge den Kaiser unnatürlicher Härte gegen seine Kinder an und bewirkt in der Tat eine Sinnesänderung desselben gegenüber Ludwig und Irmengard. Karl be- schließt ihre öffentliche Vermählung und auch Wittekinds Hochzeit mit Emma. jetzt verläßt Eginhard die Besonnenheit. Er wendet sich verzweifelt an Emma, und der Kaiser, welcher mit Wittekind eine Zusammenkunft der Liebenden belauscht, willigt nun auch in ihre Verlobung. Adelheid wird in Gnaden zurückberufen und reinigt sich von Kunigundens gegen sie ausgestreuten Verdächtigungen. Mit guter fHoffnung für ihr Schicksal ist der Eremit gestorben, nachdem er die ihm von Hildegard anvertrauten Dokumente dem edlen Albion mit dem Auftrage übergeben hat, sie dem Kaiser im geeigneten Augenblicke vorzulegen. Der Augenblick naht. Irmengard kommt mit der aus dem brennenden Kloster Reichenau geretteten Claudia am Hofe an. Wittekind wirbt erneut um Adelheid. Um ihm die Möxglichkeit zu einer vermeintlichen Mißheirat zu nehmen, will sie der Welt entsagen und schenkt ihm scheidend ihr Medaillon. Bei der Loslösung desselben zerbricht das hohle goldene Kreuz, und es fällt ein Pergamentstreifen mit den Schriftzügen der Kaiserin Hildegard heraus, worin die rechtmäßige Besitzerin des ihr von der sterbenden Mutter geschenkten Bildes als die wirkliche Prinzessin Emma bezeichnet wird. Die von Albion herbei- geschafften Dokumente mit dem gleichen Bilde nebst Hildegards Erklärungen und die Gesichts- züge der Jungfrau bestätigen ihre wahre Abkunft. Gegen ihre Vereinigung mit Wittekind be- steht nun kein Hindernis mehr. Kunigunde geht ins Kloster. Albion und Claudia werden ein Paar.
Pater Johann, der Einsiedler vom Falkensteiner Walde, ist mit der Sehergabe ausgestattet. Er rühmt sich ihrer nicht, verhehlt sie lieber, leugnet sie aber auch nicht. Er kann sie anderen mitteilen und wird zuweilen darum angegangen, tut es aber ungern, wenngleich er sich einem


