Aufsatz 
Anklänge an die zeitgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes
Entstehung
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Anklänge an Zeilgenössische Literatur in den Werken Schillers und Goethes.

Vom Direktor.

Schiller durch Christiane Benedicte Naubertsi RomanElisabeth, Erbin von Toggenburg etc. zu der RomanzeRitter Toggenburg angeregt worden sein. Nach H. Düntzers Erläute- = rungen zumWallenstein, S. 12, hat er auch deren Geschichte der Gräfin Thekla von Thurn oder Szenen aus dem dreißigjährigen Kriege gekannt, den Namen Thekla auf Wallensteins Tochter übertragen und vielleicht in Theklas Liebe zu Max Piccolomini mit überlegener Kunst ein Gegenstück zu dem Verhältnisse Thekla-Oraf Eggenburg geschaffen. Es läßt sich annehmen, daß ihm noch andere Werke der phantasiereichen, fleißigen, auf ausgedehntem, guten Quellenmaterial fußenden Schriftstellerin und Professorentochter bekannt gewesen sind und daß sich hie und da Spuren seines Zusammenhangs mit zeitgenössischer Literatur in seinen Werken finden. Einige diese Vermutung bestätigenden Lesefrüchte nebst anderen sich auf Goethe beziehenden seien hier kurz zusammengestellt. Sie stammen in der Hauptsache aus den vier Werken Benedicte Nauberts: Geschichte Emmas und Eginhards; Geschichte der Gräfin Thekla von Thurn; Elisabeth, Gräfin von Toggenburg; Neue Volksmärchen der Deutschen und aus Veit Webers Erzählung Die Brüder des Bundes für Freiheit und Recht in Bd. 4 und 5 der Sagen der Vorzeit.

Auf die

D en Darlegungen Kösters imAnzeiger für Deutsches Altertum XXIII, 200, zufolge soll

Geschichte Emmas und Eginhards

kann Schiller durch seine Gemahlin aufmerksam gemacht worden sein. Der Roman befindet sich auf der Großherzoglichen Bibliothek zu Weimar. Der Inhalt ist kurz folgender: Emma, die vierte Tochter Karls des Großen und Zwillingsschwester seines ersten Sohnes Karl, wird gleich nach ihrer Geburt von der Kaiserin Hildegard der Hofdame Kunigunde von Wartburg übergeben und von letzterer gemeinsam mit deren gleichalteriger Tochter Adelheid in der Einsamkeit des Schlosses Falkenstein unweit Aachens erzogen. Nach dem frühzeitig erfolgten Tode Fildegards hat Kunigunde aus falscher Mutterliebe die Namen der Kinder vertauscht, ohne daß der fortwährend auf Feld- zügen befindliche Kaiser den Betrug merkt; doch hat die sterbende Kaiserin ihrer Tochter ein

¹Alle ihre bei Lebzeiten veröffentlichten(50) Romane erschienen ohne ihren Namen. Ihr Geheimnis wurde erst kurz vor ihrem Tode wider ihren Willen entdeckt. Goedecke, Grundriß V, 497.

² S. auch Euphorion VI, 145, und Leitzmann, Die Quellen von Schillers und Goethes Balladen. S. 48. Die Frage nach der Quelle scheint jedoch noch nicht endgültig gelöst. Da wohl mit dem unvermählt gebliebenen Ritter Toggenburg sein Haus ausstirbt, so könnten noch Chr. Heinrich Spieß' historisches SchauspielFriedrich, der letzte Graf von Toggenburg(Prag 1794) oder Fr. Sebastian Mayers Umarbeitung(Goedeke, Grundriß V, 507, 338) oder die Vorlage dieser Stücke in Betracht kommen. Beide Stücke sind mir bisher noch nicht erreichbar gewesen.