93 auch in der Vorrede nicht mit einem Wort berührt hatte. Uebrigens wollte ich damals abſichtl. nicht ganz laut über den codex werden, u. etwas bei mir behalten, was aus der Bude gerufen, ſicher längſt verſchollen wäre.
s Vor kurzem: u. noch weiß mans nicht; man zweifelt ſogar an der ganzen Aechtheit; Männer wie Johnson etc., kurz, die ganzen Ossianea liegen in tenebris Homericis.— Was ſich die Zeitalter unterſcheiden! Die Griechen zweifelten nicht, daß Homer ſeine Compositionen der 2 tota ſelbſt gemacht: wir Zweifler zweifeln an der Aechtheit des Oss. durch und durch, u. achten der ſo großen ſichtbaren Gegenbeweiſe nicht. Daß aber der Schottländer die Comp. eigentl. nur formirt, hat noch Niemand deutl. genug geſagt, noch weniger gezeigt. Dort war man gläubig, izt ſkeptiſch, wo mans nicht ſeyn müßte, u. wieder gläubig, wo es faſt abſurd war. o curas
hominum!!
Am Schluß ſeiner Bemerkungen fügt Wolf die folgenden an Böttiger gerichteten Worte bei:„Hier, lieber Freund, haben Sie meine eigentl. Gedanken, ſo roh und unordentl. hingeworfen, als die Feder lief. Denken Sie, wir hätten dieß auf einem Spatzirgange ſo mit halben Worten beſprochen. Die Ausführung können Sie den Sachen ſelbſt geben.— Einen ſonderbaren Vor⸗ fall noch. Vor etlichen Tagen war ich mit dem Erzbiſchof Crasicki* aus Pohlen, einem höchſt aufgeklärten Manne, einen halben Tag in Dieskauss zuſammen. Der Mann hat viele Ossianea ins Pohlniſche überſetzt. Dieſe Erwähnung brachte ihn auf unſern Homer, von dem wir ſonſt ſchon geſprochen hatten.(NXB. er weiß halbe Bücher u. den ganzen Inhalt rhaps. vor rhaps. genau auswendig, aus ital. u. frz. Ueberſetz.) Es dauerte nicht eine Stunde, ſo wurde ihm meine Idee über Homer höchſt plauſibel; u. die von Ossian, von der ich ausgieng, verſicherte er, ſei auch ihm ein⸗ gekommen. Ich wollte, ich könnte Geſpräche ſo aufſchreiben, wie Sie. Es war in ſeinen Bemerkungen viel Artiges.“
Ein kleiner Umſchlag zu allen Blättern(Wielandiana) enthält von Wolfs Hand: Böttigero v. c. Neutrius amico, unius Veritatis amanti.
„Ignaz von Kraſicki, Reichsgraf, legatus natus, Erzbiſchof von Gneſen, Ritter des ſchwarzen Adler⸗ ordens ꝛc., ſtarb in der erſten Hälfte des Jahres(1802) zu Berlin— ein ausgezeichneter Mann in jeder Rückſicht. Als Dichter nimmt er eine der erſten Rollen in der polniſchen Literatur ein, und ſeine, eines Juvenal würdigen Satyren haben auch in Deutſchland durch Jeniſch's überſetzung Aufſehn und Bewunderung erregt. Außerdem war er ein wahrer Geiſtlicher, voll edler Uneigennützigkeit, Freigebigkeit und der Würde, welche Bildung des Geiſtes und Tugend des Herzens geben. Er war ein Kenner und unermüdeter Beſchützer der Wiſſenſchaften, ein überall will⸗ kommener Geſellſchafter, ein Führer der Jugend, wie ein Muſter des Alters. Nähere Nachrichten über ſein Leben werden in der Ausgabe ſeiner Werke, die zu Warſchau erſcheinen, mitgetheilt werden.“„Der Biograph“, II. Bd., S. 127.
*r Bei dem Kanzler der Univerſität Halle, von Hoffmann.


