Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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geſteht, mit brauſender Jugendhitze etwas zu keck und muthwillig. Aber Heyne demonſtrirte ihm damals das Hochepiſche der Hom. Epopöen aus dem Ariſtoteles ſo derb vor, daß W. wie ein begoſſener Hund(ipsissima verba Wolfii) ſich davon ſchlich. Lange behielt W. ſeine Ueberzeugungen ganz bei ſich. Als er aber vor 5 Jahren einmal in der Literatur recht warm wurde, brach er loß, und mußte darauf den Bitten der Studenten nachgeben, mehr davon zu ſagen, wo er denn 3 Wochen nach einander ſein ganzes Herz ausſchüttete, u. alles offenbarte. Seitdem haben Wolfs Schüler(er hatte damals an 80 Zu⸗ hörer) die Sache überall verbreitet. Morgenſtern hat ein niedliches Mſct. davon. Wolf hat immer eine Lektüre des ganzen Homers in einer andern alten Ausgabe gemacht und ſich ad marginem den Thermometerſtand ſeiner Empfindungen angemerkt z. B. im 24. Geſange der Ilias frigide, frigi- diusculum, halblau u. ſ. w. Wenn er nach einiger Zeit in einer andern Ausgabe eben dieſe Lectüre wieder vornahm, und das Detail der vorigen Eindrücke ganz wieder vergeſſen hatte, kam er doch wört⸗ lich wieder auf die vorigen Empfindungen. Anfänglich wollte W. von den kritiſchen Sprachbeweiſen und grammatiſchen Gründen im Einzelnen ſeine Demonſtrationen anfangen, und ſo immer zu viel um⸗ faſſenderen und höheren Folgerungen fortgehn. Allein er fand, daß ſich ſolche Discuſſionen nicht ohne große Weitläufigkeit geben ließen, die für die Prolegg. nicht paßten und drehte alſo das Ganze um. Herzlich freut er ſich auf das große Werk, wo er nach Herzensluſt Epiſoden machen wird. Uebrigens iſt er nicht eiferſüchtig, daß andere gewiſſe Ideen früher ausführen möchten.Ich behalte immer ſo viel übrig, daß mir dieß ſehr gleichgültig bleibt.....

24. Mai.... Zum Behufe ſeiner Unterſuchungen über den Homer hat Wolf viel über die Caledoniſchen Barden, über Oſſian and on ancient Galic poetry geleſen. Die Bücher dazu hat theils Matthias Sprengel, theils die Univerſitätsbibliothek, theils Rüdiger. Zu eben dieſer Abſicht wünſcht Wolf noch genauere Unterſuchung über den ganzen Fabelkreiß der Ritter der Tafelrunde, des Amadis de Gaule und der übrigen Romane aus dem Mittelalter, in welchen ſich ebenfalls ein ſo fortgeſponnener Cyklus entdecken läßt, wie in den Homeriſchen a4⁸ααιις, anſtellen zu können... Zu ſeinem Homer laß er ſelbſt die Byzantiner durch, und ſtieg herab bis auf Chalcondylos und Lascaris. Aus Lascaris iſt noch eine wichtige Verbeſſerung in Homer gekommen.

Die Verfaſſer der Odyſſee lebten wenigſtens 100 Jahre ſpäter, als die Sänger der Ilias, und in einem ganz andern Lande. Es iſt unbegreiflich, wie man die ungeheure Verſchiedenheit in Sachen und Worten nicht ſchon lange mit Händen gegriffen hat. Aber die Unkritik der Alten geht in's Un⸗ glaubliche. Plato führt eine Stelle aus den zurgois ohne alle Bedenklichkeit an.* Herodot ſpricht ſchon von der swomolia des Homers.** Wie alt und ungewöhnlich aber die Sprache Homers den Zeitgenoſſen Platos ſein mußte, ſieht man aus vielen Sellen, unter andern, wo er die Redensart&ri1ναο oude alt und poetiſch nennt-....

* Vergl. Goethes Bemerkungen S. 34.

** Plato citiert 4 Stellen aus dem letzten Buche der Ilias und zwar 1012 in Rep. III, 388 A, 80 82 in Jon 538 D,[ 525 in Axioch. 367 D,] 527 532 in Rep. II, 397 D. An einer Stelle, Jon 538 D, nennt er dabei den Namen Homer, dieſe mag Wolf im Auge haben.

r*r Herodot. II, 116. Wie es ſcheint, iſt Böttiger oder Wolf ungenau; der auctor Axiochi 368 A führt die Stelle Odyss. o 245 f

an, wo es heißt:oud' izero 7αα ouν⁸. 6