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größte u. tiefſte Forſcher der d. Sprache iſt, wie ich höre, mit der Art, mit welcher V. das Deutſche gehandgehabt[lI hat, laut unzufrieden. Ich werde in meinen kritiſchen Briefen dieß Bekenntniß über Homer, den Improviſator, laut beten, und dadurch gewiß unſerm Wolf nicht ins Gehege kommen, ob ich gleich aus ſeinen Prolegg. noch nicht abnehmen kann, was er eigentlich über die extemporirte Erfindung für einer Meinung zugethan iſt.“*
„Die Vorrede zur Ilias ſelbſt, die ich ſchon zum zweitenmale mit immer wachſendem Ver⸗ gnügen geleſen habe, iſt mit der größten Beſcheidenheit doch ein kühnes Trlumphlied, und in einigen Stellen hallt etwas von dem exegi monumentum nach.“
„Gewiß iſt es, daß mit dem angegebenen Verſe in der 17ten Rhapſodie alles vollendet iſt, was in der eigentlichen Ankündigung verſprochen wurde. Ich bin auch durch Nachſchlagen und Leſen der Stelle ſelbſt völlig davon überzeugt worden, daß wir nichts mehr fodern würden, wenn hier das Ganze ſich endigte, ſo ächt Homeriſch auch übrigens die 4 folgenden Geſänge jedem Unbefangenen erſcheinen müſſen, da ſie nun da ſind. Nur weiß ich nicht, ob es durchaus nöthig ſei,** daß der Dichter in der Ankündigung alles umfaſſe, was er im Verfolg ſeines Süjets ausführen wird.“ Ich erinnerte hiebei, daß dies auch keineswegs behauptet, ſondern aus dem Stillſchweigen in der An⸗ kündigung nur ſo viel gefolgert werde, daß niemand, der aus andern Gründen die letzten Geſänge für ſpätere Zuſätze und Zuründungen halte, aus der Ankündigung wenigſtens nicht widerlegt“¹) werden könne.
„Auch im Ausdruck der Prolegomena ſowohl als der kleinen Vorrede bewundere ich den virum „ειιυαατον. Jeder Schritt iſt feſt. Jedes Wort auf der Goldwage gewogen und mit der höchſten Präciſion ächt römiſch. Ich fühle, daß ich kein Erneſti⸗ciceronianiſches Latein leſe. Es iſt gediegener, gehalt- und ſachreicher. So mochte etwa Varro ſchreiben. Man ſieht ſelbſt in der Latinität den Selbſt⸗ denker und Mann von Genie, der ſich einen eigenthümlichen, u. doch ächt römiſchen Stil zu ſchaffen wußte.“
„Wenn ich ſage: ich will unparteiiſch ſeyn! ſo iſt es doch eigentlich beim beſten Willen ein Selbſtbetrug.²) Unparteilichkeit iſt in der Pſychologie ein eben ſo großes Unding, als Zufall in der Ontologie. Wolf hatte doch ſchon ſeit 10 und mehreren Jahren heimlich Partei genommen, ob er ſich gleich mit dem redlichſten Selbſtkampf dagegen ſträubte.“
Aus den Geſprächen Wolfs mit Böttiger während des Beſuches in Weimar, 22.—28. Mai 1795. (Ausgezogen ſind die Bemerkungen, welche Homer betreffen.) Am 23. Mai. „Ich haſſe Dedikationen. Daß ich meinen Homer Ruhnkenius dedizirte, machte gegründete Ausnahme. Ich war es ihm unter anderm als Conſolation für ſeine vielen häuslichen Leiden ſchuldig.“... Im Jahre 80 gab er[Wolf] an Heyne, der ihn damals in Ilefeld anſtellen wollte, einen
Entwurf ſeiner Ideen über den Homer im Mſct. als ein Specimen.“n Freilich war es, wie er ſelbſt * Der letzte Brief im Dezemberſtück des N. T. Merkur von 1795 enthält Gedanken, die den hier aus⸗ geſprochenen ähnlich ſind. ** Wolf: an ſich nicht— aber doch,— um der Abendigung in der Odyſſ. nicht gar zu unähnlich zu werden und dergleichen. 1¹) gratjas! ²) Feilich! at, at..... und zum Anfang der Stelle: ſchön, confer die vorige Tiſchrede.(Wolf.) *rer Vergl. Körte, Leben Wolfs, I, S. 64 ff. Arnold, Fr. Aug. Wolf, I, S. 30.


