Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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wenn es hiſtoriſch bewieſen werden könne.Indeß, fuhr er fort, dürfte ich doch aus meiner eigenen Dichter⸗ erfahrung eine Inſtanz dagegen vorbringen können. Ich habe mich mehrere Jahre mit dem Plan⸗ einer Art von Epopöe getragen, wo jedes einzelne ein für ſich beſtehendes vollkommen gerundetes Ganze ausmache, und doch wieder in Beziehung auf einen höhern Plan nur ein Glied einer ganzen Kette aus⸗ mache. Ein ähnliches Beiſpiel ſind des alten Engliſchen Dichters, Chaucers Tales. Der Dichter, der dieß thut, operirt, wie die ſchaffende Natur ſelbſt, bei der immer eine Art wieder einer höheren Gattung ſubordinirt ſey.

Bei ausgezeichneten Menſchen ſei auch das Gedächtniß bis zur Bewunderung treu. So habe er ſelbſt gehört, wie der große Haller in einer zahlreichen Geſellſchaft in Bern den ganzen Plan, Namen und Ton der Aſiatiſchen Baniſe aufs getreueſte vorerzählt habe, die er in ſeinem 8ten Jahr geleſen habe. Ich bemerkte hiebey, daß dieß wohl mehr darum der Fall geweſen ſey, weil dieß groteske Buch die pucellage ſeines Gedächtniſſes bekommen habe, und daß es uns faſt allen mit einem ähnlichen Buche bey der Rückerinnerung auf unſere früheſte Jugendlectüre ſo gehen werde. Dieß billigte Wieland und erzählte ähnliche Anecdoten.

W. ſchien dießmal mehr aus Widerſpruch als aus Ueberzeugung die orthodoxe Partei in Schutz zu nehmen, und freute ſich beim Abſchiede mit herzlicher Wärme, daß wir doch am Ende dieſes Jahr⸗ hunderts auch dieſer Abgötterei noch frei und ledig würden. Abgötterei habe auch hier unſern Scepticis⸗ mus gefeſſelt, wie bei der Bibel. Ihm ſelbſt ſei es mit dieſem lieben Worte Gottes nicht beſſer ge⸗ gangen. Sein Vater habe zur Seite der Frommen ſich geneigt, u. ihn daher auch zum Abt Steinmetz in Kloſterbergen gethan. Daher ſei die Bibel früh ſeine Lectüre geweſen. Da hätten ihm die Altteſta⸗ mentlichen Hiſtorienbücher als Fabeln zuerſt trefflich behagt. Als er aber von der Revelation und dem heilg. Geiſte Unterricht erhalten hätte, ſei ihm zwar unheimlich⸗s geweſen, mancher dunkle Zweifel eingefallen: allein viele Jahre habe doch auch ihm die Bibel eine kindiſche Ehrfurcht eingeprägt. Nun käme die Reihe doch auch noch an dieſen Abgott. Der Streit, der hierüber entſtehen müſſe, werde der ganzen Menſchen⸗ und Weltgeſchichte unendlich merkwürdig, u. werde hoffentlich unſre Aufmerkſamkeit von der ſterilſten e aller Kritiken, dem Misbrauch der Klantiſchen Philoſophie, ableiten.

Nachdem Wieland die Prolegomena ſelbſt geleſen hatte. Den 3. May.

Ich habe immer gewünſcht die vaſte Beleſenheit des Salm aſius, wie ich ſie aus ſeinen Exercitationibus Plinianis kenne, mit Hem ſterhuys, meines Abgottes, Eleganz auf einem Kopfe vereinigt zu ſehn. Dieß habe ich nun in Wolf wirklich vereinigt gefunden. Wäre ich doch um 20 Jahre jünger, um ein Jahr in Halle bloß um dieſes Mannes willen, und um mich zu ſeinen Füßen zu ſetzen, mich aufhalten zu können.

Es käme auf ein Experiment an, das ich, wenn ich ſo gut nur 42 zählte, als jetzt 62, wohl ſelbſt zu machen Luſt bekommen könnte. Ich nähme irgend einen reichhaltigen Stoff, z. B. den erſten

* Am Rande ein NB. von Wolfs Hand. *r Wolf ſetzt Punkte unter dieſes Wort, ebenſo an den Rand. *irr Der Abdruck bei Körte a. a. O. hatſtärkſten. f† Neben dem ganzen Abſatz von Wolfs Hand ein großes Ausrufungszeichen.

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