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Beilagen.
Aus Böttigers Aufzeichnungen. Mit Schütz in Jena.* Den 17ten Mai.
„Wenn man nur Wolf erſt den Zweifel benehmen könnte, daß Homer nicht für ſich geſchrie⸗ ben hätte. Ich gebe gern zu, daß vieleicht nur ein einziges Exemplar exiſtirte, was dann die Homeriden als ein Familienheiligthum geheim hielten, auch wohl nach Herzensluſt interpolirten, erweiterten, in verfällſchten Handſchriften unter ſich vervielfältigten u. ſ. w. Darum kann doch das ganze Rhapſoden⸗ weſen vortrefflich beſtanden, und die mündliche Ueberlieferung u. Didascalie ſtattgefunden haben. So lehrten Aeſchylus, Sophocles, Euripides ihre Stücke aus einem Mſte, nachdem längſt die Schreibe— kunſt allgemein war.“
„Daß im Homer nichts von der Schreibekunſt vorkomme, wird hoffentlich niemand für einen Beweiß anführen wollen,“ wenigſtens Wolf nicht, der die Unſtatthaftigkeit dieſes Scheingrundes trefflich gezeigt hat.**
Aber Schütz hatte, als er mir dieß ſagte, noch nicht einmal die ganzen Prolegg. geleſen, und war überhaupt zu einer ruhigen Unterſuchung bei ſeiner Spannung u. dem körperlichen Leiden(er hatte ſeit anderthalb Tagen mehrere Klyſtiere und Tamarindentrunk ohne alle Oeffnung im Leibe) am wenig⸗ ſten geſchickt.
Schütz nahm gegen Wolf ſelbſt ſeine Zuflucht zu den Palmblättern, wie ſich deren aus Malabar ganze Bücher in der Bibliothek des Waiſenhauſes in Halle befinden.
Herders Bemerkungen.“*
„Herder nährt ſchon lange eben die Ueberzeugungen, die Wolf ſo gelehrt bewieſen hat, in ſeiner Seele. Noch im vorigen Jahre ſchrieb er zu eben dieſem Behufe eine Abhandlung über Oſſians Gedichte für das letzte Bändchen ſeiner zerſtreuten Blätter, worinnen er faſt mit eben den Demon⸗ ſtrationen die Einheit u. Untheilbarkeit der größern Oſſianſchen Heldengedichte angreift.
Nach H. Meinung bekamen die Homeriſchen Epopöen zuerſt beym Abſingen an den Panathenäen ihre noch jetzt beſtehenden Umriſſe und Geſtalt.
W. ſcheint wirklich zu viel Widerſacher gegen eine Hypotheſe ſich vorgeſtellt zu haben, die die Meinung des geſunden Menſchenverſtandes von je her ſeyn mußte, ſobald er nicht durch die Mutter⸗
*Vergl. den Brief Wolfs vom 8. Mai 1796 und dazu n. 17. ** Proleg. p. LXXIX. er Nach Böttigers Briefe vom 11. Mai 1795(vergl. S. 17 n. 56) zu urteilen, hat dieſe Unterredung un⸗
mittelbar vorher ſtattgefunden. 5


