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ich Hufelanden die Conjectur, aber gleich mit dem Vorwort, ſie kühnlich für eine gewiſſe Con⸗ jectur zu halten, wie unſere Leute ſagen.
Nun noch eins, theuerſter Freund. Ich habe geſtern mit Mühe und allen Überredungskünſten dem Verleger ein feineres Exempl. des Homer abgeſchwatzt, das er dem Director des Waiſenhauſes Schulze beſtimmt hatte und eben zum Buchbinder ſchicken wollte. Ich möchte es Göthen beſtimmen. Wollten Sie wol die freundſchaftliche Mühe übernehmen, es ſogl. an den Buchbinder Saxe in Gotha zu ſchicken, um es gerade ſo zu binden, als die Frau von Humboldt ihr Ex. beſtellt hätte. Nur abſchmutzen müßte nichts. Hätte er die von Humboldt vorgeſchriebenen Aufſchriften nicht mehr, ſo könnte ers etwa Hrn. P.ſrofeſſor] Schlichtegroll“é zeigen; und nur recht ſchnell binden müßte ers.
Vale faveque tuo W.
Iſt die Idee von einer Reiſe nach den Hyperboreern Ihr Ernſt, theurer Freund? Sollte ich Ihnen nie geſagt haben, daß eine ähnliche ſchon lange mein Wunſch war? und ich dächte, Spalding in Berlin würde auch mitreiſen. Es koſtete Sie vielleicht, der Sie, meyn ich, viel mit ihm correſpon⸗ diren, nur ein Wort. Doch für mich kann ich noch nichts verbürgen. Voss ſcheint mit mir böſe werden zu wollen!?— u. iſt das, ſo hätte ich doch dorthin einen Magnet weniger. Die Lage Voßens in Anſehung der Miythologiſchen] Briefe iſt doch, ſoviel ich höre, nicht ſo ſchlimm, als Sie zu denken ſcheinen.” In Leipzig kann man nicht Exemplare genug verſchreiben. Dort ſoll, des Achſelträgers Beckius““ ungeachtet, kein magister noster ſeyn, der das Buch nicht hätte. So ſagte wenigſtens neul. ein Soſier, der von daher kam.
46 Fr. Schlichtegroll, der am 4. Dez. 1822 als Generalſekretär der Königl. Akademie der Wiſſenſchaften in München ſtarb, war bis 1800 Profeſſor am Gymnaſium in Gotha.
*¹ Voß hatte an ihn ſeit dem 14. Sept. 1794 nicht geſchrieben; den Grund ſucht Wolf offenbar darin, daß Voß auf ihn wegen der Prolegomena erzürnt ſei, die er ihm kurz vorher zugeſandt hatte.
*s J. H. Voß, Mythologiſche Briefe, 2 Bde. Königsberg Nicolovius 1794.— Böttiger an Wolf am 18. Juni 1795:„Der arme Voß hat nun gar zu dem traurigen Mittel greifen müſſen, eine ſkelettirte Inhaltsanzeige von den mythologiſchen Briefen in den Genius der Zeit einzurücken, weil ihn ſonſt niemand rezenſirt. Iſt denn kein Retter und Rächer in Israel?“(Dieſe Anzeige ſteht im Mai⸗Heft des„Genius der Zeit“, Altona, Hammerich 1795.) Wieland hatte eine ähnliche Anſicht ſchon im Jahre 1794. Siehe Briefe von Joh. Heinr. Voß, herausgeg. von Abr. Voß, Leipzig 1840, II, S. 380: Voß an ſeine Frau, am 4. Juni 1794:„Die Mythologiſchen Briefe, meint Wieland, würden mir das Durchdringen wieder erſchweren; Heynes Anhang ſei zu mächtig; er ſelbſt und viele, die er keune, ſeien mit Heyne in allerlei Verhältniſſen, die ſie hinderten frei zu reden. Ich erklärte ihm meine völlige Ruhe über den Ausgang. Daß ich durchaus Recht hätte, darüber, ſagt Wieland, habe er keine Zweifel gehört; nur vom Lehrer und ehemaligen Schüler ſei beſtändig die Rede.“ Am 10. Juni 94 ſchreibt Voß an dieſelbe:„Montag den 9. Juni in Giebichenſtein bei Reichardt. Wolf kommt heraus und bleibt bis zum Abend. Der Mann gefällt mir mit ſeiner Gradheit und Gelehrſamkeit. Die Mytholog. Briefe hat er ſchon geleſen und mit gewaltiger Freude... Er meint, daß ich den größten Theil des Publikums ſchon jetzt auf meiner Seite habe. Alle, die er kennt, ſind es im Grunde, wenn ſie auch ſchweigen oder durch Verbindungen ſich zu falſchen Äußerungen verleiten laſſen.“— Daß die mytholog. Briefe damals wirklich wenig Abſatz fanden, zeigt eine Ankündigung derſelben im Intell.⸗Bl. d. A. L.⸗Z. vom 3. Aug. 1795, S. 703, wo der Verleger„bei dem Schweigen der Recenſenten“ auf ſie nochmals aufmerk⸗ ſam macht.
5 Prof. C. D. Beck in Leipzig war wegen ſeiner Doppelzüngigkeit wenig beliebt. Vergl. Fr. Jacobs, Perſonalien(Verm. Schriften VII) S. 331—334.


