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wurde. Ich denke aber doch, trotz aller meiner neulichen Furchtio bei ſeinem Anblick, daß etliche Wochen völlige Ruhe nebſt dem Llauchstädter] Waſſer ihn auf eine Zeitlang aufſteifen werden. Ueber Ihren Schreivogel haben wir hier tüchtig gelacht. Aber ſagen Sie, was hat denn der Vogel öffentl. geſchrieen, daß der Dame ein ſolcher Gedanke kommen konnte? Doch ein auch in Ihrem Briefe möchte die Sache auch einem Fremden erklären, nur ſchade, daß das auch hier ſo ſteht, wie manchmal etiam im Livius, was ich zur Patavinität rechne. Sie ſchreiben: auch zum Suppleant bei der Litt. Zeit. Aber darf ich nicht leſen: z. S. auch bei der A. L. Z. 22 Hier bitte ich mir das Getroffen aus.“¹
Leider aber, lieber Freund, kann ich Ihnen dasſelbe bei dem B. v. H.“¹² nicht zurufen, und er— ſtaune vielmehr über Sie! So geht es oft dem ſcharfſinnigſten, Aoν pre! Aber Ihnen wurde ja die Sache ſo leicht, wenn es Ihnen Beckmann ſchickte. Ich fand es mit einem Buchhändler⸗Umſchlage bei meiner Rückkunft auf dem Tiſch, nachdem ich es bei Hufeland in Jena ſchon geſehen hatte. Ich ſollte ihm ſagen, wen ich für Verf. hielte. Aber bei einem bloßen Einblick konnte ich nur ſagen: es iſt Vandenhökſcher Druck. Hier aber bei näherer Beſichtigung fand ſich(u. mehrere, z. Er. Sprengel Matthias, ¹ fanden es zugleich) der Verf. ſei Beckmann in Gött. Der Meusel“ wurde hier zuerſt zu kritiſchem Gebrauch genutzt, es fand ſich Beckmann ſei von Hoya.¹ Nun bitte ich Sie, leſen Sie das Buch durch, und die Sache iſt ſo gewis, als mit dem Homer. Vor 10 Tagen ſchon ſchrieb
¹ Von Jena aus hatte Wolf am 29. Mai in einem kurzen Dankſchreiben an Böttiger mitgeteilt, daß es mit Schütz ſehr ſchlecht ſtehe.
¹1 Böttiger am 11. Juni 95:„Mad. Schütz hat Himmel und Erde bewegt, um ihren Schreivogel auch zum Suppleant bei der Alg. Lit. Z. erklären zu laſſen. Aber Bertuch ſtand unbeweglich. Hier bleibt alſo gewiß auch alles res integra.“ Am 18. Juni:„Schütz iſt unzerfloſſen... in Lauchſtädt angekommen.... Dieß erzählte mir vor wenig Minuten Herr Schreivogel, dieſer Suppleant auch bei der A. L. Z. O, Ihre Emendation iſt ex tripode!“ Joſeph Schreyvogel, der 1768 zu Wien geboren war, privatiſierte um jene Zeit in Jena, bis er 1802 an Kotzebues Stelle nach Wien berufen wurde. 1794 war er an der Oeſterreichiſchen Monatsſchrift beteiligt, deren Beſtand von nur kurzer Dauer war. Seine„Geſammelten Schriften“, 4 Bände, erſchienen Braunſchweig 1828—29; ſie ſind zwar durch Korrektheit und Eleganz ausgezeichnet, ermangeln aber jedes poetiſchen Geiſtes.— Ohne Zweifel will Böttiger in ſeinem Briefe boshaft darauf anſpielen, daß Schreyvogel nicht auf Grund ſchriftſtelleriſcher Leiſtungen ſondern wegen intimerer Beziehungen zu Schützens Frau für einen Poſten bei der Alg. Lit.⸗Zeit. in Vorſchlag ge⸗ kommen.— Schon damals— bei der Krankheit Schütz'— ging man alſo mit dem Plane um, einen Vertreter(suppléant) für Schütz und Hufeland anzuſtellen, eine Stelle, die ſpäter an Eichſtäßdt übertragen wurde.(Siehe deſſen Brief an Schütz vom 18. Aug. 1796. I, S. 69 u. a., auch Goethes Briefe an Eichſtädt, herausg. v. W. v. Biedermann, S. VII.)— Schreyvogel iſt in der Jen. A. L.⸗Z. und in den Briefen an Schütz nirgends erwähnt.
*² Böttiger am 11. Juni:„Da hat mir Beckmann in Göttingen anonym Miscellaneen zugeſchickt: Vorrath kleiner Anmerkungen über allerlei Gegenſtände von B. v. H., Leipzig, Fleiſcher 95. Der grundgelehrte Verfaſſer thut ſehr heimlich. Aber ich wollte faſt wetten, es müſſe der wackere Hofrath Langer in Wolfenbüttel ſeyn. Die Mutmaßung hat für mich die größte innere Evidenz. Ich wünſchte, Sie riefen mir zu: Getroffen!“ und am 18. Juni im Anſchluß an die unter n. 41 citierte Stelle:„Aber meine Conjectur war leider aus der elfenbeinernen Pforte. Ich Pinſel! daß ich das nicht ſelbſt mit allen zehn Fingern griff, und mich durch eine ſolche unmaskirte Maske turlepiniren ließ. Aber Sie ſollten auch nur Beckmanns Brief leſen!“
** Matthias Sprengel(1751— 1803), Prof. der Geſchichte und erſter Bibliothekar in Halle.
u Meuſel, das gelehrte Deutſchland oder Lexikon der jetzt lebenden deutſchen Schriftſteller. Lemgo.
* Johann Beckmann, geb. 1739 zu Hoya in Hannover, war ſeit 1770 Profeſſor der Okonomie in Göttingen und las über Landwirtſchaft, Kameralwiſſenſchaften u. a. Durch ſeine Gründlichkeit und Gelehrſamkeit trug er nicht wenig zur Frequenz der Göttinger Hochſchule bei.


