Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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Meine erſte öffentliche Sünde war freil. ein Engliſches Buch, das Meuſel verzeichnet hat, obgl. es anonym war: Lillo's Fatal Curiosity a Tragedy pr. for Gross in Nordhauſen,¹o wozu ich einige Blätter ich weiß nicht, ob Vorrede oder Beurtheilung des Stücks engliſch geſchrieben habe, hinten einen Index Anglicitatis mit deutſchen Wörtlein dabei. Dieß letztere machte mir das Ding noch erinnerlich.(Denn ſeit 10 J. habe ich es nicht mehr geſehen.) Ein Recenſ. neml. in der Allgem. D. Bibl. bedauerte, daß der anonyme engl. Sprachmeiſter das Deutſche noch ſchlecht ſchreibe ich hätte

Hagelgeſtöber gemacht das meynte er, pflegten Ausländer ſo zu machen, indem ſie ſich von ſcheinbaren Analogieen, wie die Kinder, leiten ließen das Engliſche ſchreibe er aber deſto beſſer ac.

Das war mir ein lehrreich Stück über die Recenſenten.

Mit dem Buche für Göthe haben Sie es herrlich gemacht.? Ich bitte Sie, es, ſo elegant es gleich mögl. iſt, ſogl. broſchiren zu laßen, und es ihm noch vor der Reiſe zuzuſchicken. Sollte er aber ſchon weg ſeyn, ſo erhalte ich dieſe Hiobspoſt früh genug.

Schütz habe ich in Lſauchstädt] geſprochen, u. weit beſſer, als in Jena gefunden. Ich bin izt faſt überzeugt, daß er ſich in L. erhohlt. Sein Geiſt iſt beſonders äußerſt heiter u. die ganze Krankheit ſcheint mir blos eine tiefgewurzelte Hypochondrie.

Nun möchte ich Ihnen auch gern etwas über Herrn Jacobs Zweifelꝰ mittheilen, wenn nur die Poſt nicht drängte. Grade mit dieſen Gedanken hoffte auch ich oft durch die Schwierigkeiten zu kommen, aber es war nicht möglich. An die Schauſpiele der Inder und Chlineſen] dachte ich wirklich mehrmalen, aber ſobald mir die griechiſchen einfielen, die nach der Länge der Rhapſodieen zu⸗ geſchnitten ſind, mußte ich jene Idee zurücknehmen. Was aber allen Zweifeln den Garaus macht, glaube ich nun ſelbſt für jenen ſcharfſinnigen Mann zu kurz angedeutet zu haben: daß nemlich ein 3tel von beiden Werken durch Sprache und alles übrige klar und deutlich beſondere Ver faſſer bekennt, ſo daß alſo kein Ganzes, weder v. II. ſias] noch von Od.yssee] in irgend eines Sängers Kopf von

50 Danach iſt alſo die von J. J. J. Arnoldt, Fr. A. Wolf in ſeinem Verhältniſſe zum Schulweſen, I, S. 57 für höchſt wahrſcheinlich erklärte Autorſchaft Wolfs nicht mehr zu bezweifeln. Die Anfrage Böttigers an Wolf iſt bei Körte, Leben Wolfs I, S. 80 n. abgedruckt. Der Titel der Schrift hieß: The fatal curiosity, a tragedy by George Lillo, with a short account of the autors life and an explanatory index of some expressions. Nordhausen, printed of 0. G. Gross 1780.

61 Es beſtätigt ſich hierdurch, was Lord Ruſſel, in ſeiner Reiſe durch Deutſchland 1820 22, Teil 2, von dem Lillo erzählt:es erſchien ohne ſeinen Namen, mit einer Abhandlung von ihm über das Schauſpiel in eng⸗ liſcher Sprache; die deutſchen Recenſenten ſetzten es ſich in den Kopf, es müſſe das Werk eines engliſchen Sprachmeiſters ſein, der dadurch ſeine Fertigkeit in den beiden Sprachen habe wollen an den Tag legen. Demgemäß fanden ſie den engliſchen Theil des Buchs ganz vortrefflich geſchrieben, erklärten aber von dem deutſchen, daß er die Feder eines Ausländers verrathe, welcher von der Sprache nur eine mittelmäßige Kenntniß beſitze. Vergl. Körte, Leben Wolfs, I, S. 80.

52 Böttiger hatte das für Goethe beſtimmte Exemplar des Homer nicht nach Gotha an Saxe zum Ein⸗ binden geſchickt, da Goethe im Begriff war abzureiſen, und fragt bei Wolf an, ob er es ungebunden ihm über⸗ reichen ſolle.

5s Am 18. Juni ſchreibt Böttiger:... Um aber doch nicht ganz aſymbolos zu kommen, lege ich Ihnen hier Jacobs jüngſten Brief bei. Unbegreiflich iſt es mir, daß auch er an dieſem Dorn hängen bleibt. Aber eine wiederholte Durchleſung Ihrer Gründe wird ſchon auch hier eben die Wirkung hervorbringen, die bei den Herrnhutern der Gnadenhammer..... erzeugt. Es wird zum Durchbruch kommen.