Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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krit. Problemen vergleiche, habe ich einen harten Stand; ich muß oft unverſchämt werden, um der lieben mir ganz klaren, Wahrheit willen. Da hatte es Bentley bei ſeinem fein proſaiſchen Tyrannen feder⸗ leicht. Nicht wahr? Sie erſtaunen izt auch, wie man dergl. Sachen je für ächt halten konnte, als B. in den Diss. Phalar. entlarvt hat? 25⁰

Mit den Wielandianis haben Sie mir ein wahres Feſt gemacht. Aber ſchlimm, daß es faſt meinen Vorſatz bricht auf der Reiſe eine Sylbe von Homer u. griechiſcher Sängerei zu ſprechen. Ich habe es izt ſo ſatt, als wenn ichs mit Löffeln gegeſſen hätte, ut aiunt. Daher gerieth mir auch der Brief an Wieland ſo link und albern,¹ daß ich ihn die Stunde nach Abgang der Poſt gern zurück gehabt hätte. Mit Männern wie Sie u. Ihre dortigen Freunde ſind, ſpricht man ſo gut als nichts, wenn man über Dinge ſolcher Art 1 Bogen Lumpenpapier anlegt. Doch, wenn ihm ſelbſt der Brief und ich dazu linkiſch vorgekommen ſind, ſo iſt mirs in ſofern lieb, daß ich deſto weiter vom Beſtechen ſeiner Meinung entfernt bin. Dieß legte ich mir ſo feſt und ſchon ſeit Jahren auf, daß ich deßhalb außer Humboldt und 4 gleichgültigen Herren, die mir alte Edd. zum Hom. geliehen haben, keinem lebenden Menſchen, u. keinem Dichter, außer Voß und Kopſtock, ein Ex. des Buchs geſchickt, oder einen Brief geſchrieben habe. Ueberall bin ich zu Briefen verdorben, außer an Freunde. Den Recen⸗ ſenten Exx. zu ſchicken, habe ich dem Buchhändler ausdrücklich verboten: ſonſt hätte ich wohl dem ſcharfſinnigen Jacobs in Gſotha] eins ſchicken mögen. Aber ich denke: hier helfen die Recenſionen nichts, und Buch um Buch iſt das einzige Mittel zum Zweck zu kommen.

An des lieben mir izt wirkl. höchſt bedauernswerthen Schütz Candor habe ich nie ge⸗ zweifelt, aber wol an andern Dingen, an ebendenen, die Sie mit Wenn ausdrücken; wenn er Muße hat, wenn ꝛc. dc.s

Bentleys bekannte Unterſuchungen über die Echtheit der Briefe des Phalaris u. ſ. w. in Wottons Reflexions upon ancient and modern learning. London 1697 und(nach Boyles Gegenſchrift) A dissertation upon the epistles of Phalaris with an answer to the objections of Boyle, London 1699, beide lateiniſch von D. Lennep, Groningen 1777. Wolf verglich ſich öfter mit Bentley. Goethe(Geſpräche, herausg. v. W. v. Biedermann, N. 684) ſagt, daß Wolf inBentleys Leben ſeinen eigenen Charakter beſchrieben habe. Vergl. auch v. Wila mowitz⸗ Möllendorff, Homeriſche Unterſuchungen, Berlin 1884, S. 401.

a1 Böttiger ſchrieb ſeine Geſpräche mit Wieland über die homeriſche Frage auf und ſchickte ſie an Wolf. DieſeWielandiana ſind ſamt den Wolfſchen Bemerkungen in den Beilagen abgedruckt.

Über dieſen Brief ſchreibt ihm Böttiger am 14. Mai:Ihr herrlicher Brief, auch dieſen laß er(Wieland) mir vor, und ſeine ſchöne Beilage(die homer. Schriften) haben ihm in der That eine außerordentliche Freude zu⸗ bereitet, und ich glaube, daß er ſeit langer Zeit durch nichts ſo ſehr geſchmeichelt worden iſt, als durch dieſen Beweiß Ihres Zutrauens, und dieſe Aufforderung. Er geht auf einige Wochen auf das eine halbe Stunde von hier entlegene Luſtſchloß des Herzogs, Belvedere, um die ſchöne Jahreszeit ganz zu genießen. Ihre und die Voßiſchen Homerika ſollen da alle Morgen ſeine einzige Unterhaltung ſeyn, und binnen 14 Tagen ſollen Sie Dank und Antwort von ihm ſelbſt haben. Denn, ſagt er, man muß ſich ſatteln, um vor einem ſolchen Altmeiſter nicht mit Schanden zue beſtehn.

3s Böttiger am 11. Mai:Der arme Schütz! Die Leipziger Reiſe, zu der ihn ſeine Kallipyge⸗Tiſiphone (ſeine Frau) peitſchte, iſt ihm ſehr ſchlecht bekommen. Die Inteſtinalinfarktus haben ihm vomitus cruentos und eine fürchterliche Kriſe zugezogen, ſo daß vorgeſtern Stark, ſein Arzt, wegen ſeines Lebens beſorgt war. Nun beſſert ſichs zwar. Aber es war dies ſchon ein Rezidiv. Wenn er aber nur geneßet, und von den ewigen Zerſtreuungen und Zerſtückelungen ſeiner geplagten Exiſtenz Zeit zur ruhigen Prüfung gewinnen kann, ſo iſt er gewiß der erſte Proſelyt Ihres Glaubens. Denn er iſt anima candidissima, und liebt die Wahrheit um der Wahrheit willen. Vergl. auch das Geſpräch mit Schütz und die folgenden Briefe.