Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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Humb. ſoldt] in Jena finden kann, abhängen, ob ich früher in W. oder in J. ſein ſoll. Können Sie aber gar nicht wohl, d. h. mit Bequemlichkeit von Ihrer und Ihres Freundes Seite, ſo ſagen Sie mir es ganz auf. Dann weiß ich noch ein Mittel, wie wir uns doch bald ſehen können, ohne den Athenaeus wegen des dies Philemonis durchzuleſen.

Aber heus tu! In Weimar nimmt man mir ja auch alles weg, wenn Sie und Göthe u. H.lerder] ſo fortfahren. Wie ich aus Ihrem itzigen Briefe merke, ſo hat H. über den Oſſian die nemliche Meinung, wenigſtens ſieht er den Macpſherson] als einen Naοrsvaoris an. Da ich über die ganzen Carm. Celtica eine Epiſode in meinem gröſſeren Buche?? machen wollte, verſchwieg ich izt bei der ſtrengeren hiſtoriſchen Discuſſion über das Entſtehen des Hom. alle Vergleichung mit jenem,s um ſo mehr, da erſt die albernen Zweifel der Engländer niedergeworfen werden muſten; was nicht leicht iſt. Wir haben hier für 80 100 Thlr. engl. Schriften über Oſſ. u. die andern caledoniſchen Barden und Rhapſoden; und aus jedem neuen Quartbande geht man verwirrter ab. Beſonders was mir p. 255 entfuhr, daß die oſſ. Geſänge continuando in ſucceſſiven Menſchenaltern geſungen ſind, iſt aus innern Gründen(u. äußere giebts nicht) dort faſt ſchwerer zu er weiſen, als beim Homer aus innern. Doch kurz u. gut, beſter Freund! Ich kann beim Homer aus ſo ſichern Gründ en, als womit ich den Zweifel in Odyss. à. gefaßt zu haben glaube,? zeigen, daß an XI ſchreibe el f Bücher im Hom., und daneben noch Zwiſchenſtücke in der Mitte, an 68, von andern Verfaſſern ſind, als die Anfänge der Jl. ſowohl als Odyſſee. Nur Eins erlauben Sie mir izt Ihnen ins Ohr zu ſagen: das Ganze Stück Od. à. 625 Ende, iſt ein embolium um die Geſänge v. Telem. Reiſe u. Ulyſſ. Abfarth zu verknüpfen, es iſt hin und wieder ſogar erbär in lich. Ich ſpreche deutſch heraus, was ich öffentl. ſo jungfräul. ſchämiſch kaum angedeutet habe, wiewol ich von jenem embolium vielleicht gar nicht ſprach. Nehmen Sie dazu, daß ein groſſer Theil jener innern Gründe im Hom. ſogar grammatiſche ſeyn werden. Es iſt arg genug, daß darunter ſogar Sachen ſind, die ich mich faſt ſchäme 1795 zu ſagen, da ſie 600 ante Christum natum hätten ge⸗ ſagt werden ſollen. Ueberhaupt, wenn ich dieſe ganzen homeriſchen Unterſuchungen mit ähnlichen hiſtoriſch⸗

** Herder ſchrieb im Spätherbſt 1794 einen Aufſatz, der damals gerade in ſeinenzerſtreuten Blättern ab⸗ gedruckt werden ſollte,in dem er, wie Böttiger den 11. Mai an W. ſchreibt,über den Caledoniſchen Barden, das Geſchöpf Macpherſons, ſehr ähnliche Ideenreihen hat, wie Wolf über Homer. über Goethes Thätigkeit hatte Böttiger am 23. April berichtet:Göthe ſteckt ſeit 4 Wochen in Jena, wo er mit Schiller über den Horen brütet. Der Himmel gebe, daß es keine A!roεννα ταα umpsα ſetzt. Bis jetzt iſt nicht viel verſtändliches herausgekommen. Aber daß er über ſeinen Reineke gerade ſo denkt, wie Sie muthmaßen, und das Werk für eine nach und nach ſo zuſammengefügte Satire auf die damaligen Hofhaltungen hält, und ſie verſchiedenen Verfaſſern zuſchreibt, hat er ſelbſt in einer Einleitung, die er zu ſeinem hexametrirten Reineke geben wollte, behaupten wollen. In den aufgezeichneten Geſprächen Wolfs findet ſich der Satz:Die Uebertreibung Herders zum Lobe des Reineke Fuchs mißbilligte Wlolf) ſehr. In der Mitte des ganzen Gedichtes iſt ein Ruhepunkt, den W. für ein völliges Ende erklärt, und das Folgende für einen ſpäteren Zuſatz hält. Uber Böttigers Pläne vergl. den vorigen Brief.

** Dem erſten Teile der Prolegomena ſollte bekanntlich noch ein zweiter folgen, an den Wolf aber wohl nie ernſtlich gedacht hat. Im N. T. Merkur 1796 III, S. 406 wird aus Halle am 11. Nov. 96 geſchrieben:An die Fortſetzung ſeiner Prolegomena will er(Wolff jetzt nicht erinnert ſein.

** An Schütz ſchreibt Wolf am 5. Nov. 1795:Um durchaus nichts durch Analogie zu erzwingen, er⸗ wähnte ich vorn nie den Oſſian und meine Meinung über ihn.

* Proleg. CXXXI f.