15 nicht. Ich liebe es wenigſtens, wenn der Leſer zu allerlei Nebengedanken ſo gezwungen wird, daß er am Ende doch meynt, er ſei der Urheber. Durch ein 3 Stücke, dächt ich, müßte auch die Unterſuchung durchgehen, a) Schreibkunſt, b) Rhapſodik, c) Frage, ob Homer ein urſprünglich abſichtliches totum
war.— Und dabei können doch die ſo wichtigen Fragen über Aechtheit einzelner Stücke und ganzer Rhapſodien, die man ſeit Herodot ſo zuverſichtlich einem Homer aufhalſet— nur beiläufig berührt werden.— Aber Freund! wagen Sie es nicht, ſich zu nennen! das Ding iſt gefährlich. Bereden Sie
dafür Wieland, daß er durch einen Commentar. Perpetuus den Auszug ſo einleite, daß wir beide nur bei dem pubulco ohne Kinderſpott davon kommen.
Den 8ten May. Ganz unerwartet habe ich Schützen in Leipzig geſprochen kurze Zeit freilich, aber hinlänglich, um zu merken, daß er(inter nos) ſpät erſt unſer credo aufſagen wird. Er dubi— tirt noch an der Schreibkunſt herum, ¹¹ einer Sache, die, denk ich, mathematiſch⸗ſtreng erwieſen iſt. ¹s Fatal iſts, daß mir hier der Merian den Weg verdorben hat. Deſſen ganze neuliche Abh. ¹9 beſteht blos aus Wünſchen, ohne Beweiſe. Ich habe mir wie manche andere Mühe, auch die auferlegt, daß ich deſſen Abhandlung für mich ganz widerlegt,(es ſind auf 7 Bogen im Mst.) um durchaus nicht in die Sünde zu fallen, ähnliche Beweisarten zu brauchen. Ich habe ihm das neulich ſelbſt ſagen laſſen. Es iſt ein biedrer Mann. ¹² Voß hat keinen ſo eifrigen Leſer ſeiner mythlologiſchen) Brſiefe]2o als dieſen Merian.
Doch Sie haben wol mein unordentliches Geſchwätz herzlich ſatt. Leben Sie recht wohl; und thun Sie in Briefen desgleichen.
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Ich entſchließe mich noch izt, den Homer an Wieland zu ſchicken. Aber lieber, beſter, da müſſen Sie mir aus einer großen Verlegenheit helfen, über die ich Ihnen erſt mündlich einen ehrlichen Auf⸗
Neugierde und Aufmerkſamkeit auf Ihre Prolegomena, die er eine Blume im Kranze dieſes Jahrhunderts nennt, ge⸗. leitet werden möchte. Ich vereinige meine Bitte mit den ſeinigen, und erwarte darüber einen Wink von Ihnen, ob ich ſie nicht, wenn ſie die große Manumiſſion zur Leipziger Meſſe erhalten haben, und alſo nichts mehr zu ver⸗ heimlichen iſt, im Merkur auf eine ſolche Weiſe ankündige, daß ich nur die Sturmglocke anziehe und laut ausrufe: Die unité et indivisibilité des Homers iſt in augenſcheinlicher Gefahr! Es breunt an allen vier Enden! Wer Luſt und Herz hat zu löſchen, der hole ſeinen Feuereimer!— Was meinen Sie, ſollte dieſer Feuerlärm nicht auf das Knorpeldicke Trommelfell unſeres ſogenannten Publikums kalkulirt ſeyn?“ Böttiger an Wolf 11. May 95.— B. ar⸗ beitete wirklich eine Anzeige nach Wolfs Angaben aus, der Abdruck derſelben unterblieb jedoch auf Wolfs Wunſch. (Siehe d. folg. Brief.) Das Manuſcript iſt der Briefſammlung beigefügt. Auch die kürzere Anzeige nach Böttigers erſtem Plan erſchien nicht.
¹7 Wohl durch dieſe Bemerkung angeregt, hatte Böttiger am 17. Mai mit Schütz in Jena ein Geſpräch über Wolfs Buch, das er niedergeſchrieben hat. Dasſelbe iſt den Briefen beigefügt.
s Nach einem Briefe Wolfs an Schütz vom 5. Nov. 1795 hat Wyttenbach in Leyden an W. ge⸗ ſchrieben:„dieſer Punct(Homers Unkenntnis der Schrift) ſcheine ihm wie mathematiſch demonſtrirt“.(Briefe an Schütz I, S. 467).
¹9 Merians Abhandlung in den Annalen der Berliner Akademie 1788 S. 533 ff. Über Hans Bernard Merian iſt ein Nekrolog in„Der Biograph“ v. 1807, in welchem neben ſeinem ausgebreiteten Wiſſen beſonders ſein liebens⸗ würdiger Charakter gerühmt wird.
²o„Mythologiſche Briefe“. Königsberg 1794.(Drei derſelben ſtanden ſchon im N. T. Merkur 1794, I und im„Genius der Zeit“ 1794, 4. u. 5. Stück.)


