Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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gegen Ende. Sind Sie nicht erſtaunt geweſen, im letzten Capitel den Heyne in Göttingen zu finden? und ſo ganz leibhaft! und ungeſucht!:

Was die Ariſtarche wegen Voss Ueberſetzung betrifft, ſo haben ſie allerdings ſchon geſprochen. Ein Leipziger hat ihn neuerlich, hör' ich, zur Nachahmung von Gedecus des Berühmten in Berlin (Manier durchgeſtr.) verwieſens. Was ſoll man mit dem Menſchen anfangen? Aber überhaupt, lieber Freund, laſſen Sie uns nie an die Menſchen denken, nur an die Sachen. Das pubulcum iſt gar

zu abſcheulich.

Den Iten May! Soeben erhalte ich Voß 4te Ekloge."o Sie doch auch ſchon? Was meynen Sie, wird der Heyneſche grex dieſe Probe aushalten? Ich hoffe es. Ich traue ihm etwas zu. Der arme Voß hat ein großes Unglück gehabt: er hat ſeinen beſten Freund und lieben Hausgenoſſen, den Schwager Boie verloren, eben den, von dem die Hefte der Heyneſchen Vorleſungen ad modum Lamberti Bovis geweſen ſind. ¹1¹

² Dieſe Anſpielung iſt wohl nur ſo zu verſtehen: Wolf hat nachträglich bemerkt(ungeſucht), daß einige Bemerkungen im letzten Kapitel der Prolegomenen über die Thätigkeit des Krates in Pergamum auf die Methode von Heyne in Göttingen paßten. Er ſelbſt war überzeugt, den ariſtarchiſchen Text Homers wiederher⸗ geſtellt zu haben: Wolf⸗Ariſtarch ſieht alſo in Heyne ſeinen Krates. Hätte er übrigens ſchon bei der Abfaſſung der Stelle den Plan gehabt, die Thätigkeit Heynes darin zu charakteriſieren, ſo würden wohl die Farben etwas ſtärker auf⸗ getragen ſein.:

*Er autwortet auf Böttigers Bemerkung:Voßens Ueberſetzung iſt nun anderthalb Jahr ſchon in aller Händen. Noch iſt kein einziges Sylbchen darüber von unſern Ariſtarchen alzumal zu vernehmen geweßen, und doch iſt ſie ohnſtreitig trotz aller ihr anklebenden Leichtgläubigkeitsſünden und Schiefheiten ein Werk, worauf die Nation ſtolz ſein kann.(23. April 1795.) Weiter berichtet Böttiger dort, daß Wieland eine Recenſion derſelben plane (vergl. über dieſe Wielands Geſpräch vom 13. May). Außer dieſer und der Schlegelſchen Beurteilung von 1796 kennen weder W. Herbſt,Johann Heinrich Voß, noch M. Bernays in dem Neudruck der Odyſſee⸗Über⸗ ſetzung 1881, noch A. Schröter, Geſchichte der deutſchen Homerüberſetzung, Jena 1882, eine Beurteilung aus dieſer Zeit. Böttiger wäre eine ſolche ſicher nicht entgangen, Wolf muß daher wohl briefliche oder mündliche Urteile im Sinne haben. Über Friedr. Gedike, Oberconſiſtorialrath und Oberſchulrath, Director der vereinigten Berliniſchen und Köllniſchen Gymnaſien, vergl. die Biographie von Fr. Horn, Berlin 1808, auchder Biograph III, S. 357 ff. Wolf ſpöttelt auch ſonſt über ihn, beſonders über ſeineA ενꝙνσν bei der Autorenerklärung.(Vergl. auch Böttiger, lit. Zuſtände, II, S. 120.)

» Ein von Wolf oft gebrauchtes Wort, das auch Böttiger mehrfach als einen trefflichen Ausſpruch ſeines Freundes wiederholt. Vergl. auch Körte, Leben Wolfs, II, S. 184, I, S. 172. Wolfs Anſicht vom Publikum (pubulcum) im Dedikationsſchreiben der liter. Analekten(XVI.); vergl. Körte a. a. O. II, 217.

¹°Virgils vierte Ekloge überſetzt und erklärt von J. H. Voß. Probe einer neuen Ausgabe. Angehängt ein Abſchied an Herrn Heyne. Altona 1795.

¹1 Der jüngere Boie, Rudolph Chriſtian, war Conrector an der Schule in Eutin; er ſtarb am 16. April 1795. Vergl. Voß, Briefe III, S. 90. Ein Hausgenoſſe von Voß war er nicht. Durch ihn ſcheint Voß in den Beſitz nachgeſchriebener Hefte von Heyneſchen Vorleſungen gekommen zu ſein; denn Boie war ein Schüler Heynes. Wolf nennt dieſe Hefte ad modum Lamberti Bovis verfaßt, indem er ſcherzhaft den Namen des Holländiſchen Philologen Lambertus Bosius(Bos) verdreht. Lambertus Bosius(1670 1717) war zuletzt Profeſſor in Franeker(über ihn Anton Schultens orat. funebr. in obit. L. B. Franequerae 1718, auch Luc. Müller, Geſchichte der klaſſiſchen Philologie in den Niederlanden, Leipzig 1869, S. 74, u. a.); ſein Hauptwerk waren Ellipses Graecae(1808 in Leipzig von G. H. Schäfer neu ediert). Wolf in ſeinen Vorleſungen über die Altertumswiſſenſchaft(herausg. von Gürtler) I, 182, 183 beurteilt dasſelbe ziemlich glimpflich, wenn er es auch als eine wüſte Maſſe bezeichnet, die kritiſch zu ſichten ſei. Hierauf geht alſo die Anſpielung des Briefes, zu welcher der Wortwitz mit dem Namen noch verlockte. An einer anderen Stelle legt Wolf Ruhnken über den Heyneſchen Virgil die AÄußerung unter:das ſeien Noten ad modum Minellii, ein Wort, das einen ähnlichen Sinn haben ſollte.(Vergl. Büchmann, geflügelte Worte, unter ad modum Minellii.)