zwiſchen dieſen beiden Zeitpunkten abgefaßten, nicht aufbewahrten Schreiben ebenſo wie die erſten er— haltenen von Wolfs homeriſchen Studien. Wolf benutzt die erſte Gelegenheit ſofort dazu, ſeinen neuen Freund um Beſorgung einiger Homerausgaben aus dem 16. Jahrhundert anzugehen und verſpricht ihm, daß er„mit nächſtem des bereiteſten erfahren“ ſolle, wozu er dieſelben gebrauche. Seine Pläne und Ideen mag er ihm dann ausführlich auseinander geſetzt haben. Während des Druckes der Pro⸗ legomena wurde Böttiger jeder einzelne Bogen zugeſandt, damit dieſer ſein Urteil darüber abgebe. Auch ſeinem Freunde Wilhelm von Humboldt teilte Wolf in dieſer Weiſe einige Bogen mit. ¹n Böttiger ſchreibt, daß er mit demſelben über das neue Werk geſprochen, aber nur ſo weit, als Humboldt es bereits ge⸗ kannt; er konnte ſich alſo ſogar rühmen, von Wolf des größeren Vertrauens gewürdigt zu ſein. Denn noch ſollten die Forſchungen Wolfs gegen jedermann als Geheimnis bewahrt werden, und Böttiger ſelbſt freut ſich„auf das Staunen und die langen Geſichter, die, wenn auf einmal der neidiſche Vorhang auffliegen wird, im Parterre und in den Logen zu ſehen ſeyn werden.“(Brief v. 27. März 95.) Doch traut Wolf nicht ganz ſeiner Verſchwiegenheit, wiederholt und dringender hat er die Aushänge⸗ bogen von ihm zurückgefordert, und Böttiger glaubt ihm wiederholt verſichern zu müſſen, daß er keinen Mißbrauch mit dem Zutrauen des Freundes treiben werde. Anfang April geſtattete Wolf ihm auf ſeine Bitten die Ergebniſſe ſeiner Forſchungen Wieland mitzuteilen. Die Folge war eine Reihe von Unterredungen, die Böttiger mit Wieland im April hatte, er zeichnete ſie auf und ſandte ſie dem Freunde zu. Um Pfingſten 1795(das Feſt ſelbſt fiel auf den 24. Mai) machte Wolf die perſönliche Bekannt— ſchaft Böttigers, nachdem er faſt 2 Jahre ſchon brieflich mit ihm verkehrt hatte. Vom 22. bis 28. Mai hielt er ſich in Weimar auf und lernte dort durch Böttigers Vermittlung auch Goethe kennen, zu dem er am 28. Mai mit Wieland, Böttiger und andern zu Tiſche geladen war. ¹s
Wolf nennt ſchon in ſeinen erſten Briefen Böttiger ſeinen„Rather“, vielleicht ſind wir hier— nach zu dem Schluſſe berechtigt, daß ihm dieſer nicht bloß durch Beſorgung von Büchern behilflich war, ſondern ihn auch durch ſein umfaſſendes litterariſches Wiſſen unterſtützt hat. Kaum wird Wolf ihm die Kenntnis der gelegentlichen Bemerkungen des Caſaubonus ¹» und Bentley ²0 verdanken, welche zuerſt die Anſicht ausſprechen, daß Homer nicht geſchrieben habe; immerhin iſt es auffallend, daß eine Außerung Böttigers, jene beiden Männer hätten aus ihren Prämiſſen die Schlußfolgerungen zu ziehen vergeſſen, dieſen Stellen dieſelbe hohe Bedeutung beizumeſſen ſcheint, die Wolf ungerechtfertigter Weiſe ihnen glaubt beilegen zu müſſen. Vielleicht iſt es nicht ganz unwahrſcheinlich, daß ihm Böttiger Merians Abhandlung 21 über dieſelbe Hypotheſe mitteilte, die Wolf, wie er ſagt, erſt während des Druckes ſeiner Prolegomena durch einen Freund erhielt.** Wie würde ſonſt Wolf Grund gehabt haben, gerade über dieſe ein
¹ Vergl. Hum boldts Briefe an Wolf(Werke Bd. V), dazu M. Bernays, Goethes Briefe an Fr. A. Wolf, Berlin 1868, S. 12 und 21.
* Demnach beſtätigt ſich die von Bernays, a. a. O. S. 4, bezweifelte Nachricht Körtes(Leben F. A. Wolfs I, S. 277). 1
¹9 Zu Diog. Laert. IX. 12 u. a. Stellen.
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In der gegen Collins gerichteten Schrift Remarks upon a late discours of free thinking etc., Lips. 1713. ²1 In den Mémoires de l'academie roy. des sciences de Berlin en 1788, S. 533 ff. ²² Proleg. S. XL, n. 8.— Vergl. R. Volkmann, Geſchichte und Kritik der Wolfſchen Prolegomena zu Homer, Leipzig 1874, S. 33.
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