Aufsatz 
Zur Geschichte der Wolfschen Prolegomena zu Homer. Mitteilungen aus ungedruckten Briefen von Friedrich August Wolf an Karl August Böttiger
Entstehung
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Karl Auguſt Böttiger,s der damals(1793) mit dem Titel eines Oberconſiſtorial⸗ rathes das Gymnaſium in Weimar leitete, war ein anerkannt tüchtiger Schulmann, ein kenntnisreicher Gelehrter und vortrefflicher Altertumsforſcher. Wohl alle Urteile über ihn einigen ſich dahin, daß er bei einer leichten Auffaſſung für alles Neue, bei einem ungemein treuen Ge⸗ dächtniſſe und einer raſtloſen Thätigkeit in allen Zweigen der Altertumswiſſenſchaft ausge⸗ breitetes Wiſſen und vor allem eine erſtaunliche Beleſenheit ſich erworben hatte. Von ſeiner außer⸗ ordentlichen Thätigkeit zeugen ſeine zahlreichen Abhandlungen und kleinen Aufſätze, deren Titel allein einen Raum von 56 Seiten kleinen Druckes in der Sammlung ſeiner kleinen Schriften einnehmen; einige derſelben ſind noch in unſerer Zeit geſchätzt. Aber die Vielſeitigkeit ſeiner litterariſchen Beſchäf⸗ tigungen zerſplitterte ihn; das Streben, alle Gebiete in gleicher Weiſe zu durchdringen, mußte die Gründ⸗ lichkeit und Tiefe ſeiner Forſchungen beeinträchtigen; ſein Wiſſen war nicht ohne den Beigeſchmack ge⸗ lehrter Vielwiſſerei.

Für ſeine Zeit war ſein Wirken von eingreifender Bedeutung weniger wegen hervorragender Leiſtungen, als wegen des litterariſchen Verkehrs, in dem er völlig aufging und den er unter allen Um⸗ ſtänden immer als Hauptſache ausübte. Er war Herausgeber mehrerer Journale, die er oft ganz allein mit Stoff zu verſorgen hatte, Mitarbeiter an einer ganzen Reihe anderer Zeitſchriften, Korreſpondent für Zeitungen jeder Art, ſelbſt des Auslandes, er ſtand überhaupt mit aller Welt in Verbindung. Sein brieflicher Verkehr mit Männern in den verſchiedenſten Lebensſtellungen war ein überaus umfangreicher. Nach den An⸗ gaben ſeines Sohnesé verwandte er Jahr für Jahr den zwölften Teil ſeines nicht unbeträchtlichen Ein⸗ kommens auf Briefporto; die Zahl der von ihm aufbewahrten wichtigeren Briefe wuͤrde auf 20,000 geſchätzt.

Scheinbar übte er dieſe Thätigkeit in der uneigennützigſten Abſicht aus. Unbegrenzt wird ſeine Dienſtfertigkeit genannt. W. v. Kügelgen: ſagt,es ſei ganz unmöglich auch nur fünf Minuten mit Böttiger zu verkehren, ohne irgend etwas gelernt oder einen dankenswerthen Dienſt von ihm empfangen zu haben. Aber jedermann erwies er mit derſelben Bereitwilligkeit ſeine Dienſte, er wollte aller Welt

*Karl Auguſt Böttiger, geb. Reichenbach i. V., 8. Juni 1760, Hauslehrer und Hofmeiſter in Dresden und Leipzig, Rector in Guben 1784, in Bautzen 1790, Gymnaſialdirector in Weimar 1791, ſpäter Oberconſiſtorial⸗ rath dort, Studiendirector im Pagenhaus und Hofrath in Dresden 1804, Inſpector der Antiken und der Mengſiſchen Abgüſſe 1814, ſtarb hier 17. Nov. 1835.(v. Biedermann inGoethe und Dresden, S. 143.)

Sillig, C. A. Böttigers kleine Schriften archäologiſchen und antiquariſchen Inhalts, Dresden und Leipzig 1837, I, S. XIIILXVIII.

*Riemer, ein Schüler F. A. Wolfs, ſpricht ſich in ſeinenMittheilungen über Goethe, Berlin 1841, I, S. 330 ff. darüber aus. Eine Stelle lautet:Böttigers allgemein bekannte und anerkannte Polyhiſtorie wurde weniger aus einer ſteten Lectüre und ernſtem Studium von ganzen Büchern und Werken, als zunächſt aus der Beſichtigung reich⸗ haltiger Indices und Regiſter geſchöpft, ſo daß F. A. Wolf von ihm zu ſagen pflegte:er ſchlage alle Bücher auf den Schwanz, und lerne einen Autor nur von hinten kennen. Der Sohn(a. a. O. S. 97) rühmt von ſeinem Vater, daß ernach einigen glücklichen geiſtigen Griffen hinein bald das Wichtigſte eines jeden Buches zu finden ver⸗ ſtanden hätte.

6 Biographiſche Skizze S. 107 und 108.

Jugenoerinnerungen eines alten Mannes, herausgegeben von Phil. von Nathuſius, Berlin 1873, S. 117.