Aufsatz 
Goethe als Erzieher / von Otto Paulus
Entstehung
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18. Die gute Pädagogik iſt gerade das Umgekehrte von der guten Lebensart. In der Geſellſchaft ſoll man auf nichts verweilen, und beim Unterricht wäre das höchſte Gebot, gegen alle Zerſtreuung zu arbeiten.

19. Abwechslung ohne Zerſtreuung wäre für Lehre und Leben der ſchönſte Wahlſpruch. Wenn dies löbliche Gleichgewicht nur ſo leicht zu erhalten wäre.

20. Was man nicht verſteht, beſitzt man nicht.

21. Die Zeit iſt die höchſte Gabe Gottes und die aufmerkſame Begleiterin des Daſeins.

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22. Die Pflanze aber gleicht den eigenſinnigen Menſchen, von denen man alles erhalten kann, wenn man ſie nach ihrer Art behandelt. Ein ruhiger Blick, eine ſtille Konſequenz, in jeder Jahreszeit, in jeder Stunde das Richtige tun wird vielleicht von niemand mehr als vom Gärtner verlangt.

23. Unſere zweideutige, zerſtreute Erziehung macht die Menſchen ungewiß; ſie erregt Wünſche, ſtatt Liebe zu beleben und anſtatt den wirklichen Anlagen aufzuhelfen

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24. In der Schmiede erweicht man das Eiſen, indem man das Feuer anbläſt und dem Stabe ſeine überflüſſige Nahrung nimmtw; iſt er aber rein geworden, dann ſchlägt man ihn und zwingt ihn, und durch die Nahrung eines fremden Waſſers wird er wieder ſtark. Das widerfährt auch dem Menſchen von ſeinem Lehrer.

25. Wer Bedingung früh erfährt, gelangt bequem zur Freiheit. Wem Bedingung ſich ſpät aufdrängt, gewinnt nur bittere Freiheit.

26. Der Frauen Liebe nährt das Kind, den Knaben ziehen am beſten Männer.

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27. Methode iſt das, was dem Subjekt angehört, denn das Subjekt iſt ja bekannt. Methode läßt ſich nicht überliefern.

28. Nur indem man ſich über das Bekannte völlig verſtändigt hat, kann man miteinander zum Unbekannten fortſchreiten.

29. Aller Anfang iſt ſchwer, das mag in einem gewiſſen Sinne wahr ſein. Allgemeiner aber kann man ſagen: Aller Anfang iſt leicht, und die letzten Stufen werden am ſchwerſten und ſeltenſten erſtiegen.

30. Bei ſchwer begreiflichen Dingen tut man wohl gle ichnisweiſe zu reden.. 31. Lebendige Erkenntniſſe erlangt man nur auf praktiſchem Wege. * 5 4

32. Der Fürſt ſoll einzeln nicht erzogen werden, einzeln lernt niemand ja ſich ſelbſt, noch weniger anderen gebieten. c) Bemerkungen über die einzelnen Lehrfächer. a. techniſche Fächer(Turnen, Spielen, Zeichnen, Muſik).

1. Es iſt ein eigenes Ding, liegt es in der Abſtammung, liegt es im Boden, liegt es in der freien Verfaſſung, liegt es in der geſunden Erziehung, die Engländer überhaupt ſcheinen vor vielen anderen etwas voraus zu haben.... Es ſind komplette Menſchen.(Im Gegenſatz zu den bebrillten deutſchen Gelehrten, die ſchon mit 20 Jahren alt ſeien, empfiehlt er weniger Philoſophie und mehr Tatkraft, weniger Theorie und mehr Praxis, mehr Körperfriſche und Geſundheit als Hypertrophie des Verſtandes.)

2. In der Reitbahn ſchmolzen Menſch und Tier dergeſtalt in eins, daß man nicht zu ſagen wußte, wer denn eigentlich den anderen erzieht.

4 4* * 3. Es gibt Dinge, die in der Jugend friſch wie reife Früchte weggenoſſen werden müſſen(er meint den Tanz). 4* *

4. Ich war zu der Überzeugung gekommen, daß man die geſellſchaftlichen Spiele nicht meiden, ſondern ſich eher nach einer Gewandtheit in denſelben beſtreben müſſe. Die Zeit iſt unendlich lang und ein jeder Tag ein Gefäß, in das ſich ſehr viel ergießen läßt, wenn man es wirklich ausfüllen will.

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