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II. Das Kind, ſeine Eigenſchaften, Anlagen und Gefahren.
1. Wir können die kleinen Geſchöpfe, die vor uns herumwandeln, nicht anders als mit Vergnügen, ja mit Bewunderung anſehen.... immer wieder neue Anlagen, doch viele taube Blüten; hinterher erſt erkennt man die Anſätze zu Künftigem in früheſter Zeit.
2. Wenn auch die menſchlichen Anlagen eine entſchiedene Richtung haben, ſo wird es doch dem größten und erfahrenſten Kenner ſchwer ſein, ſie mit Zuverläſſigkeit voraus zu verkünden; doch kann man hinterdrein wohl be⸗ merken, was auf Künftiges hingedeutet hat.
3. Der Menſch tut recht gern das Gute, das Zweckmäßige, wenn er nur dazu kommen kann. Er tut es, damit er was zu tun hat, und ſinnt darüber nicht weiter nach als über alberne Streiche, die er aus Müßiggang und langer Weile vornimmt.
4. Der Menſch hat verſchiedene Stufen, die er durchlaufen muß, und jede Stufe führt ihre beſonderen Tugenden und Fehler mit ſich, die in der Epoche, wo ſie vorkommen, durchaus als naturgemäß zu betrachten und gewiſſermaßen recht ſind. Auf den folgenden Stufen iſt er wieder ein anderer, von den früheren Tugenden und Fehlern iſt keine Spur vorhanden, aber andere Arten und Unarten ſind an die Stelle getreten, und ſo geht es fort bis zur letzten Verwandlung, von der wir nicht wiſſen, wie ſie ſein wird.
5. Wer viel mit Kindern umgeht, wird finden, daß keine äußere Einwirkung ohne Gegenwirkung bleibt, bei einem vorzüglichen kindlichen Weſen iſt ſie ſogar leidenſchaftlich, das Eingreifen tüchtig. Deshalb leben Kinder in Schnellurteilen, um nicht zu ſagen in Vorurteilen; denn bis das ſchnell, aber einſeitig gefaßte ſich auslöſcht, um einem Allgemeinen Platz zu machen erfordert es Zeit. Hierauf zu achten iſt eine der größten Pflichten des Erziehers.
6. Beſchränkt und unerfahren, hält die Jugend
Sich für ein einzig auserwähltes Weſen Und alles über alle ſich erlaubt.
7. Wie Kirſchen und Beeren behagen, Mußt du Kinder und Sperlinge fragen.
8. Man legt es manchmal als eine Anlage zur Grauſamkeit aus, daß Kinder ſolche Gegenſtände, mit denen ſie eine zeitlang geſpielt, die ſie bald ſo, bald ſo gehandhabt, endlich zerſtücken, zerreißen und zerfetzen. Doch pflegt ſich auch Neugierde, das Verlangen zu erfahren, wie ſolche Dinge zuſammenhangen, wie ſie inwendig ausſehn, auf dieſe Weiſe an den Tag zu legen... Iſt doch Kindern dies nicht zu verdenken, da ja ſelbſt Naturforſcher öfter durch Trennen und Sondern als durch Vereinigen und Verknüpfen, mehr durch Töten als durch Beleben ſich zu unter⸗ richten glauben.
9. Kinder wiſſen nicht, warum ſie wollen.
10. Die Jugend iſt vergeſſen aus geteilten Intereſſen,
Das Alter iſt vergeſſen aus Mangel an Intereſſen.
11. In großen Städten lernen früh die jüngſten Knaben was, Denn manche Bücher leſen ſie und hören dies und das. 12. Kinder haben in wohl eingerichteten Häuſern eine Empfindung, wie ungefähr Ratten und Mäuſe haben mögen. Sie ſind aufmerkſam auf alle Ritzen und Löcher, wo ſie zu einem verbotenen Naſchwerk gelangen können. Sie genießen es mit einer ſolchen verſtohlenen, wollüſtigen Furcht, die einen großen Teil des kindiſchen Glücks ausmacht.
13. Vor Ziegenbock und Käferzahn— Soll man die Bäumchen wahren. 14. Beſſer im ſtillen reift er zur Tat oft als im Geräuſche
Wilden ſchwankenden Lebens, das manchen Jüngling verderbt hat.
III. Der Erzieher. a) Eigenſchaften des Lehrers(Gewiſſenhaftigkeit, Selbſtbeherrſchung, Autorität, Perſönlichkeit.)
1. Der Lehrer ſoll, worin er Meiſter iſt, lehren, ſich auf das täglich und ſtündlich zu lehrende vorbereiten, um ſich, wenn er es auch in⸗ und auswendig kennt, auf den Moment fertig zu machen.


