Aufsatz 
Goethe als Erzieher / von Otto Paulus
Entstehung
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Anhang.

Vorbemerkung. Um die folgenden Zitate, die ich zum Teil ſelbſt geſammelt, zum größeren Teil der oben angeführten Literatur entnommen habe, richtig aufzufaſſen und zu bewerten, muß man ſich gegenwärtig halten, daß ſie ausgewählt ſind ohne Rückſicht darauf, ob Goethe die Worte ſelbſt geſprochen, oder ob er ſie irgend einer Perſon ſeiner Dichtungen in den Mund gelegt hat. Man möge ſie alſo als Gedankenſplitter anſehen, die zum Nachdenken anregen ſollen. Wer ſie als Bauſteine zu einem pädagogiſchen Lehrgebäude verwenden wollte, könnte ſich der Auf⸗ gabe nicht entziehen, zunächſt genau den Zuſammenhang zu prüfen, in dem ſie vorkommen, ferner die Zeit, das Lebens⸗ alter des Dichters, das Entwicklungsſtadium, dem ſie angehören, feſtzuſtellen; vor allem müßte er ſich bewußt bleiben, daß die Sammlung durchaus unvollſtändig iſt. Aber ſelbſt wenn er das Fehlende zufügte und auf Grund lückenloſen Materials die Arbeit unternehmen würde, möchte Gervinus recht behalten mit ſeiner Behauptung: Was auch der Begabteſte unſerer Zeit über Goethe ſagen mag, es wird die Schilderung dieſes Begabteſten nicht mehr ſein als die Darſtellung deſſen, was er ſelbſt an Goethe gelernt und erlebt hat.

I. Die Eltern.

1. Wenn dem Vater aus der Wiege Ja, dem Schickſal dieſe Gabe Zart und friſch der Knabe lächelt Dankt er mehr als alle Habe; Und die vielgeliebten Züge Ach, es lebt, es wird geliebt, Holde Morgenluft umfächelt: Bis es Liebe wiedergibt.

2. Wir ſollen es mit den Kindern ſo machen, wie Gott mit uns, der uns am glücklichſten macht, wenn er uns in freundlichem Wahne ſo hintaumeln läßt.

3. Daß ſie Kinder erziehen könnten,

Müßten die Mütter ſein wie Enten, Sie ſchwämmen mit ihrer Brut in Ruh', Da gehört aber freilich Waſſer dazu.

4. Väterlicher Milde bleibt nichts übrig, als die Fehler der Kinder, wenn ſie traurige Folgen haben, zu bedauern und womöglich herzuſtellen. Gehen ſie läßlicher, als zu hoffen war, vorüber, ſie zu verzeihen und zu vergeſſen.

5. Mit Ihrem Söhnlein werden Sie Geduld haben, wenn manchmal die Nachricht von einer kleinen Unvorſichtig⸗ keit zu Ihnen gelangt. Solche Kinder, in fremde Verhältniſſe verſetzt, kommen mir vor wie Vögel, die man in einem Zimmer fliegen läßt. Sie fahren gegen alle Scheiben, und es iſt ſchon Glück genug, wenn ſie ſich nicht die Köpfe einſtoßen, ehe ſie begreifen lernen, daß nicht alles Durchſichtige durchdringlich iſt.

6. Es iſt ein frommer Wunſch der Väter, das, was ihnen ſelbſt abgegangen, an den Söhnen realiſiert zu ſehen,

7. Für uns Alte iſt es immer ſchwer, junge Leute kennen zu lernen, entweder ſie verbergen ſich vor uns, oder wir beurteilen ſie aus unſerem Standpunkt.

8. Säen iſt nicht ſo beſchwerlich als ernten.