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Püffen, gegen die wir uns um ſo mehr verhärteten, als Widerſetzlichkeit oder Gegenwirkung aufßs höchſte verpönt waren!“*) Sein Zögling ſollte es beſſer haben. Von körperlicher Züchtigung ganz abgeſehen, gab es bei ihm keinen Erziehungs⸗ und Unterrichtskalender wie bei ſeinem Vater, keine doppelten Lektionen nach Krankheiten, keine Nötigung zu allſonntäglichem Kirchgang und Nachſchreiben der Predigt oder zum Erlernen ſchwer verſtändlicher Kirchenlieder, Dogmen und Sprüche, kurz, kein pedantiſches Schulmeiſtern, ſondern freies Sichentfaltenlaſſen, helfende und unterſtützende Tätigkeit des freundſchaftlichen Beraters, vor allem Rückſicht auf das, was dem Schüler gemäß iſt, auf die Eigenart, kurz individuelle Behandlung.„Meine einzige Sorge iſt“ ſchreibt er einmal über ſeinen Sohn Auguſt„bloß zu kultivieren, was wirklich in ihm liegt, und alles, was er lernt, ihn gründlich erlernen zu laſſen. Unſere gewöhnliche Erziehung jagt die Kinder ohne Not nach ſo vielen Seiten hin und iſt ſchuld an ſo vielen Richtungen, die wir an Erwachſenen bemerken.“— Andererſeits aber ſehen wir den Sohn dankbar in den Spuren des Vaters wandeln. Wie der Vater ihn einſt hinausgeſchickt in die Werkſtatt der Hand⸗ werker, in das Atelier der Künſtler, zum Goldſchmied, in die Wachstuchfabrik, daß er Welt und Menſchen kennen und die Arbeit ehren und würdigen lerne, wie er das Stadtkind, ſoweit es möglich war, im Garten mit Landbau und Obſtzucht vertraut machte, ſo führte auch Goethe ſeinen Zögling in jeder Beziehung ins Leben ein: in Ilmenau und im Berggarten am Stern wiederholen ſich die Erlebniſſe ſeiner Jugend, und der Geheimrat, der an Fritzens Seite Buchſtaben malt oder die böſe Algebra betreibt, mochte ſie ihm auch anfangs, wie er ſelber ſagt, ein grimmiges Geſicht machen, erinnert uns an den alten kaiſerlichen Rat, der, um den Sohn anzuſpornen, mit ihm das Engliſche erlernte, mit ihm das Zeichnen begann und mühſam mit den ſteifen Fingern Vorlage um Vorlage nachmalte, ja die altersmüden Beine zum Menuett bequemte. Noch etwas hatte er vom Vater gelernt, nämlich die peinlichſte Ordnungsliebe und größte Gewiſſenhaftigkeit und vor allem die Kunſt, die Zeit auszunutzen. Das hat er ſelbſt getan und er durfte ſich rühmen, täglich einen leidlichen Quartband durchgearbeitet zu haben, und ſo verlangt er es auch vom Kinde.„Das Kind ſoll nicht ſpielen, jede Stunde ſoll es etwas Nützliches ſchaffen“ ſagt er einmal. Doch man darf daraus nicht ſchließen, daß er engherzig dem Kinde ſeine harmloſen Freuden ſtehlen wollte. Im Gegenteil!**) Er war geneigt, auch beim Spiel einen Nutzen zu erkennen. Er lobt das Puppenſpiel, weil es die Fantaſie, die Erfindungsgabe, das Vorſtellungsvermögen anrege, das Gedächtnis ſtärke, techniſche Fertigkeiten erzeuge, Anſtand und Benehmen fördere. Er iſt ſelbſt ein eifriger Freund aller Handfertigkeit. Er liebt die Turn⸗ und Jugendſpiele. Ja, er weiß, was ich nebenbei bemerken möchte, ſelbſt dem Kartenſpiel, obwohl er ſelbſt es nur gezwungen als Student in Leipzig und Straßburg übte, im ſpäteren Leben aber grundſätzlich mied, eine gute Seite abzugewinnen. Zum mindeſten aber verlangt er, daß man einem Kinde ſeine Freuden und Liebhabereien nur dann aus pädagogiſchen Gründen verleide, wenn man ſogleich etwas Beſſeres an die Stelle zu ſetzen vermöge.***)
*) Man erinnere ſich der bekannten Stelle aus Baſedow„pädag. Unterhaltungen“, die von einem ſchwäbiſchen Rektor berichtet, der in 51 jähriger Tätigkeit austeilte: 911,500 Stockſchläge, 124,000 Rutenhiebe, 21,000 Klapſe und Pfötchen mit dem Lineal.
**)„Wir hatten die Freiheit und die Freude der erſten Jahre. Wir vermengten uns mit Kindern von geringem Stand, ohne daß das unſere Sitten verderbt hätte. Wir durften wild ſein, und die Mutter fürchtete nicht für unſeren Anzug, wir hatten keine Blonden zu verſchmutzen und keine Bänder zu verderben, unſere leinenen Kleider waren bald gewaſchen. Keine hagere Deutſchfranzöſin zog hinter uns her, ließ ihren böſen Humor an uns aus und prätendierte etwa, wir ſollten ſo ſteif, ſo eitel, ſo albern tun wie ſie. Es wird mir immer übel, die kleinen Mißgeburten in der Allee auf⸗ und abtreiben zu ſehen.“(Erwin und Elmire.)
***)„Wenn ältere Perſonen recht pädagogiſch verfahren wollten, ſo ſollten ſie einem jungen Manne etwas, was ihm Freude macht, es ſei von welcher Art es wolle, weder verbieten noch verleiden, wenn ſie nicht zu gleicher Zeit ihm etwas anderes dafür einzuſetzen hätten oder unterzuſchieben wüßten.“(W. u. D. 6. B.)


