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Unterweiſungen und macht weiſe Bemerkungen über Kochen und weibliche Kleidung. Und wie bitter ernſt er ſeinen Erzieherberuf nimmt, wie hoch er ſich einſchätzt, das mögen folgende Worte eines Briefes beweiſen:„Wirſt du nun das alles nach meinen Vorſchriften getan haben, wenn ich nach Hauſe komme, ſo garantiere ich meinen Kopf, du ſollſt in einem kleinen Jahre das ver⸗ nünftigſte, artigſte, angenehmſte, liebenswürdigſte Mädchen nicht nur in Frankfurt, ſondern im ganzen Reiche ſein, ein großes Verſprechen, aber ein Verſprechen, das ich halten kann und will.“ Das klingt etwas anmaßend, und doch, wer etwa glaubte, daß Cornelie, mit der nachher der Bruder in Frankfurt Homer und Oſſian, nordiſche und indiſche Sagen durchſtudierte, die er nicht nur zur Vertrauten ſeiner Herzensgeheimniſſe machte ſondern auch in alle ſeine literariſchen Pläne einweihte, die er auf eine geiſtige Höhe erhob, daß ſie ihm oft in ſeiner Arbeit eine Beraterin und Mahnerin geworden iſt, wer glaubt, ſage ich, daß Cornelie dem Bruder das kühne Wort übel genommen oder nicht für paſſend gehalten habe, der täuſcht ſich. Es lag eben in den Verhältniſſen der damaligen Zeit, daß ein junges, wißbegieriges Mädchen, um zu höherem Wiſſen, zu tieferer Erkenntnis zu gelangen, auf das perſönliche Verhältnis zu tüchtigen Männern angewieſen war und von ſolchen gern Belehrung annahm.
Und wenn Goethe bei Gelegenheit ſeines erſten Liebesromans, der ſich im Gaſthof zur Poſt entſpann, da wo er der Geliebten ſeine Vorleſungen über die Krönungsfeierlichkeiten hält, die Anmerkung macht, daß einem jungen Paar nichts zu einer ſchöneren Vereinigung gereichen könne, als wenn ein Mädchen lernbegierig und der Mann lehrhaft ſei, und daß daraus ein ſo gründliches als angenehmes Verhältnis entſtehe, ſo ſcheint mir das Wort den Schlüſſel zu bieten für Goethes Verhältnis zu den Frauen überhaupt und ſowohl das Schließen manchen Bundes wie auch den Bruch mit einer Lili, einer Frau von Stein zum Teil zu erklären.
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Doch wir faſſen nunmehr den Begriff des Erziehers enger und betrachten Goethe als wirklichen Informator. Goethe hat, wie bekannt iſt, Fritz von Stein erzogen. Der Briefwechſel Goethes mit Charlotte gewährt uns einen genauen Einblick in dieſe ſeine Erziehungstätigkeit.
Schon im Jahre 1781 ſehen wir den kleinen achtjährigen Knaben an Goethes Seite eine Reiſe nach Deſſau machen. Glücklich in dem Zuſammenſein mit dem unſchuldigen, reinen Kinde ſchreibt Goetheran die Mutter und beſtätigt das Mahnwort Chriſti, daß wir ſelbſt wie die Kinder werden müßten, um ſelig zu werden. Schon jetzt erwacht in ihm der Gedanke zum erſten Male, für eine junge Menſchenſeele die volle Verantwortung auf ſich zu nehmen, als väterlicher Freund ſein leibliches und geiſtiges Wohl zu überwachen, die ganze Erziehung in ſeine Hand zu nehmen. Der erſte Schritt iſt, daß er das Kind aus der ihm gefährlich erſcheinenden Atmoſphäre der Hofpagen entfernt. Erſt bleibt Fritz für einzelne Tage und Nächte im Hauſe des Dichters. Am 26. Mai 1783 aber wird er ganz der Hand des Freundes anvertraut, und dieſer gibt die Verſicherung:„ich will ihm alles ſein, was ich kann.“ Nun hören wir bald von eifrigen Studien im Schönſchreiben und vor allem von ſorgſamer Unterweiſung im Zeichnen. Wir begreifen das von dem Manne, der Zeit ſeines Lebens ſo zu ſagen den Zeichenſtift nicht aus der Hand gelegt hat, von deſſen Fleiße uns heute noch die 500 Zeichnungen des Goethehauſes in Weimar ein beredtes Zeugnis ablegen, der ſich als Oſers ewiger Schuldner bekannt und einmal geſagt hat:„Die Werkſtatt des Künſtlers entwickelt mehr den keimenden Dichter und Philoſophen als der Hörſaal des Weiſen und Kritikers“, oder an anderer Stelle:„Das Zeichnen lenkt die Sinne nach außen und macht den Menſchen objektiv fähig zu klarer Auffaſſung der Dinge.“


