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Was die übrige puncten etliche Mißbrauche betreffend, ſo geendert worden ſind, anlanget, iſt darin auch zwiſchen uns kein große Differenz, die das Band der Einigkeit brechen oder aus der Gemeinſchaft der confession ausſchließen könne.
Den 22. Artikel billigen wir wie auch den 23.
Im 24. Artikel iſt zu wiſſen, daß auf dem Churfürſtentage zu Naumburg die Fürſten und Theologi ſich erkläret haben, se per missae vocabulum ipsam coenae administrationem intelligere et totis pectoribus a missa pontificia abhorrere. So fern laſſen wir dieſen Artikel dahin geſtellet ſein. Sonſt gründlich davon zu berichten subscribimus judicio Bullingeri, quod exstat in epistola ad Landgravium ao 1560 exorata(vide Hospinianum hist. sac. part. alt. ad hunc annum) ubi praeter alia hoc quoque in Aug. conf. desiderat, quod et nos probamus: quum missa per omnes Ecclesias Helveticas abrogata sit, ut nullum ejus vestigium usque appareat, non possumus subscribere verbis confessionis de Missa, quae ita sint: Falso accusantur nostrae Ecclesiae, quod missam aboleant, retinetur in Missa apud nos et summa reverentia celebratur, servantur et usitatae ceremoniae fere omnes, praeterquam quod latinis cantionibus admiscentur alicubi germanicae. Ubi quoque hoc approbare non possumus, retineri in sacris publicis linguam Plebi non intellec- tam. Notum enim est, quod ea de re judicet Apostolus 1 Cor. 14.
Von dem 25. Artikel ſiehe oben den 11. Artikel. In dem 26. und 27. iſt auch kein Streit.
uUnd alſo kann menniglich aus dieſer unſer gethanen declaration vernehmen, welchermaßen wir uns zu der Augſpurg. conf. bekennet haben und noch bekennen.
Der Gott des Friedens vereinige unſere Herzen und verbinde alle frommen Chriſten mit beſtendiger aufrichtiger Liebe zu Chre ſeines h. Namens, zu Erhaltung ſeiner betrübten Kirchen und Vertheidigung ſeiner göttlichen Wahrheit. Amen.
20) Aus dem Bedenken der Wittgenſteinſchen Pfarrherrn wegen Annahme der Augsburger Konf. 20. April 1629; von Dillenburg 31. Mai 1629 nach Hadamar geſandt. Kopie.
Zunächſt wird betrachtet, bei welchem Zuſtand der Kirche die Konf. entſtanden iſt.„Als die Confession geſtellet, war die Zeit alſo beſchaffen, daß die Evangeliſche Kirch Teutſchlands in höchſter Gefahr, eußerſtem Schrecken und Forcht war, dahero leichtlich abzunehmen, daß man nicht alle bäpſtiſche Irrthumb auf einmal wird herfurgezogen, ſondern aller Möglichkeit nach des Gelimpfs ſich befliſſen haben, wie der 28. Artikel der Confession ſelber bekennet— und hat ſich ſonderlich Philippus Melanthon als ein tiefſinniger und weit ausſehender Mann ſo hochbetrübet, daß ihn Lutherus ermahnen laſſen, er ſollte das Opfer des geengſtigteu Geiſtes mäßigen und gedenken, daß es nicht ihre, ſondern Gottes Sach were.
2) Das End der Confession war, daß man gnug thäte dem Begären des Kaiſers, begegnete den Läſterungen der Papiſten, welche die evangeliſche Wahrheit allenthalben beſchrieen, ſelbige mit den Wiedertaufer und anderer Secten Ihrthummen böslich vermiſchten.
„Hierauf nun, gn. Herr, erkleren wir uns in aller Underthänigkeit, daß wir dieſe confessionem ſambt ihrer Apologia in ihrem rechten Verſtand nach declaration der Apologiae eines Artikels durch den andern, ſonderlich des Gemüts Philippi Melanthonis als des Stellers, welches in andern ſeinen scriptis klar genug erſcheinet, als ein gemein Glaubensbekanntnuß der Evangeliſchen Kirchen in Teutſchland ahnnehmen und uns darzu hiermit bekannt haben wöllen, wie wir dann von ſelbiger abzuſehen, wiedrige Lehren gegen deren rechten Verſtand einzuführen niemals ahn unſerm wenigen Ort gemeint geweſen. Daß man aber uf ſolche Weis ſich erkläret und dieſelbe der confession vor die beſten Ausläger erkennet, iſt nichts neues. Inmaßen dann der durchlauchtig und hochgeborene Fürſt, Landgraf Philips von Heſſen, in ſeiner Kirchenordnung anno 1566 getruckt zu Marpurg bei Andrea Kollen ſich gleicher maßen beruft.
Dann ob wir wohl wiſſen, daß allein das göttliche Wort die einige Richtſchnur unſeres Glaubens ſei, jedoch dieweil alle Zeit in der Kirchen Apologiae und confessiones geſtellt, die man bisweilen heidniſchen Kaiſern gegen heidniſche calumnien übergeben, bisweilen in chriſtlichen conciliis ketzeriſchen Beſchreiungen der Wahrheit und ſelbiger Leut Ihrthumben entgegengeſetzet, als tragen wir auch kein Bedenken dieſer löblichen confession zu subscribiren und ſie, wie ſchon bedinget, in rechten Verſtand ahnzunehmen. Damit man aber nicht meine, wir wollten uns per ambiguitatem under dem Mantel dieſer Conf. verbergen, als wollen wir vors End uns auf alle Artikel erkleren; wir meinen, wann wir uns auf die Confession erkleret haben, ſo


