Aufsatz 
Zur Geschichte der Gegenreformation in Nassau-Hadamar.
(Verhandlungen wegen Annahme der Augsburger Konfession in den Ottonischen Landen 1628 und 1629.)
Entstehung
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als zugleich die politiſche Lage immer düſterer ward, und ſein unglückliches Land von den Laſten des Krieges ſich keinen Augenblick erholen konnte, mochte er in ſeinem Innern auch jenes lockende Anerbieten erwägen. Ob er ſchon damals, als er die Reiſe an den kaiſerlichen Hof antrat, um hier für ſein Haus die Gnade des Kaiſers anzurufen, entſchloſſen war die katholiſche Religion anzunehmen, läßt ſich ſchwer entſcheiden; in Wien ſelbſt wirkte alles zuſammen, ihn aus ſeinem Schwanken herauszureißen. Am 8. Sept. 1629(n. St.) legte er hier vor einer glänzenden Schar von Zeugen ſein feierliches Glaubensbekenntnis ab, das noch in eigenhändiger Aufzeichnung erhalten iſt. Die Briefe des Grafen an ſeine Gemahlin und ſeine Verwandten, in denen er ihnen die Nachricht von ſeiner Konverſion mitteilt und ſpäter verſucht, auch ſie für ſeinen Glauben zu gewinnen, legen ein deutliches Zeugnis dafür ab, daß es doch nicht nur die äußeren Vorteile waren, die ihn zu ſeinem Schritte trieben, ſondern auch eine allmählich mehr und mehr durchgedrungene innere Ueberzeugung. Er hat ſich auch frei gehalten von jener Heuchelei und Hinterhaltigkeit, die bei der Bekehrungsgeſchichte Johanns von Siegen oder des Pfalzgrafen von Neuburg zu Tage tritt, und die Einführung der Gegenreformation in der Grafſchaft Hadamar durch die Jeſuiten geſchah mit verhältnismäßiger Milde. Natürlich war nach ſeiner Konverſion der fiskaliſche Prozeß niedergeſchlagen und die Gefahr auch für ſeine Agnaten vorüber. Auch befreite der Kaiſer die Lande des Grafen von allen Kontributionen und ſonſtigen Kriegslaſten, eine Wohlthat, die allerdings nur für kurze Zeit Dauer hatte, da die Schweden ſpäter die Grafſchaft doppelt dafür büßen ließen. In ſeinen ſpäteren Jahren hat dann Johann Ludwig in der großen Politik noch eine hervorragende Rolle geſpielt als kaiſerlicher Geſandter auf dem Friedenskongreſſe zu Münſter. Zum Danke für ſeine Thätigkeit wurde er 1650 als der erſte des naſſauiſchen Hauſes in den Reichsfürſtenſtand erhoben. Er ſtarb am 10. März 1653 zu Hadamar, nach⸗ dem er noch kurz vor ſeinem Tode, am 3. Oktober 1652, das Jeſuitenkollegium in Verbindung mit einem Gymnaſium begründet hatte, und damit auch der langjährige Streit beendet war, den er mit ſeinen Verwandten um die Kloſtergüter geführt. Jedenfalls iſt Johann Ludwig ein bedeutender Regent geweſen, in deſſen Natur das politiſche wie das religiöſe Element in gleicher Stärke ausgeprägt erſcheint, und deſſen oft rückſichtsloſe Staatsraiſon immer gerechtfertigt iſt durch die raſtloſe Bemühung für das Wohl ſeiner Unterthanen.

Die von reformierter Seite in den Nöten der Zeit erſehnte Union beider Konfeſſionen iſt ſo bald noch nicht zuſtande gekommen; die politiſchen Verhältniſſe, welche noch 1631 zu Leipzig Lutheraner und Reformierte einander nahe brachten, wurden andere: der Calvinismus bekam nun eine ſtaatlich anerkannte Stellung. Schon 1637 gab Kaiſer Ferdinand III. im Prinzipe die Duldung der Reformierten zu, und im weſtphäliſchen Frieden wurden auch ſie in den Religionsfrieden mit aufgenommen, während zugleich Kurfürſt Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Haupt der deutſchen Reformierten ein ausdrückliches und beſtimmtes Bekenntnis zur Augsb. Konfeſſion von 1530 in die Beilagen zum Friedenstraktat aufnehmen ließ. Von nun an konnte es nur das geiſtige Friedensbedürfnis ſein, das die ſtreitenden Parteien zu gemeinſamem Bekenntnis zuſammenführte, und ſo iſt die Union unſers Jahrhunderts entſtanden aus dem Bewußtſein des gleichen Grundes evangeliſcher Freiheit, welches, großherziger als das kleinlich, wenn auch charaktervoll ſtreitende 17. Jahrhundert, das Weſentliche und Ewige von den äußeren Formen zu unterſcheiden verſtand.