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Die Tendenzen der Zeit fanden in ihm einen beſonders euergiſchen und zielbewußten Vertreter. Schon im Dez. 1624 hatte er die Herrſchaft und Stadt Limburg für eine Pfandſumme von 12000 Goldgulden von Heſſen wieder eingelöſt und dort mit Entſchiedenheit den Katholizismus durchgeführt. Gleiches begann er in einigen ihm zugefallenen Kirchſpielen auf dem Weſterwald. ¹)
Mit den naſſauiſchen Grafen verbanden ihn manche gemeinſame Intereſſen, da auch ſeine Lande gleicher Bedrängnis ausgeſetzt waren. Ferner aber hatte er mit Naſſau⸗Katzenellenbogen zuſammen die Landeshoheit zu verwalten in den Aemtern Kamberg und Wehrheim, deren früher heſſiſcher Anteil durch die Katzenellenbogiſche Erbſchaft 1566 an Naſſau gekommen war.
Aber auch in einem Teile des naſſauiſchen Gebietes ſelbſt war unterdeſſen die Gegenreformation ein⸗ gedrungen, um von da aus immer entſchiedener die verwandten Herrſchaften zu bedrohen.
Graf Johann der Jüngere von Naſſau⸗Siegen war als zweiter Sohn Johanns des Mittleren geboren zu Dillenburg 1585. In den Niederlanden hatte der etwas leichtſinnige Herr beſonders durch die Ve⸗ kanntſchaft mit ſeinem Vetter Philipp Wilhelm von Oranien, dem katholiſch gebliebenen älteſten Sohne des großen Schweigers, Vorliebe für den Katholizismus gewonnen, zugleich aber die Prinzeſſin Erneſtine Yolantha von Ligne kennen gelernt, eine reiche Erbin.?) Da eine Heirat bei ſeiner religöſen und politiſchen Stellung unmög⸗ lich erſchien, holte er ſich kurz entſchloſſen beim Papſte die Erlaubnis zu ſeiner Vermählung, ſelbſtverſtändlich unter der Bedingung ſeines Uebertritts zum Katholizismus. Trotz aller Ableugnungen konnte er dieſen Schritt ſeinem betrübten Vater bald nicht länger verbergen. Vorläufig, ſo lange ſein in niederländiſchen Dienſten unter Moritz von Oranien kämpfender älterer Bruder, Hans Ernſt, noch lebte, war eine unmittelbare Gefahr für die Siegenſchen Lande nicht vorhanden, nun aber ſtarb dieſer 1617 zu Venedig, und nach der Erbfolgeordnung Johanns des Mittleren vom Jahre 1607 war der älteſte Sohn, alſo jetzt Johann der Jüngere, der berechtigte Erbe. Da er auf die Nachfolge in keiner Weiſe verzichten und lieber den Kaiſer und Spanien zu Hülfe rufen wollte, ſo mußte er wenigſtens(31. Dez. 1617) einen Revers ausſtellen, daß er ſowohl wie ſeine Nachkommen inbetreff der Religion nichts in der Grafſchaft ändern würden.. Doch auch ſo waren die Beſorgniſſe des Vaters wie des Landes noch nicht beſchwichtigt, beſonders erregte Gräfin Erneſtine bei ihrer Anweſenheit in Siegen durch ihre ſtreng katholiſche Richtung großes Ärgernis, und ſo ſtieß Johann der Mittlere durch ein zweites Teſtament vom 3. Juli 1621 ſeine früheren Beſtimmungen um und verteilte die Grafſchaft Siegen zu gleichen Teilen unter ſeine drei älteſten Söhne, Johann, Johann Moritz und Wilhelm. Als aber im September 1623 der alte Graf ſtarb, wußte Johann der Jüngere beim Kaiſer die Ungiltigkeitserklärung dieſes Teſtaments zu erlangen und ließ ſich in der ganzen Grafſchaft huldigen. Trotz ſeiner wiederholten Verſprechungen begann er nun die entſchiedene Durchführung der Gegenreformation in ſeinen Landen mit Hülfe der Jeſuiten. ³)
Weit umfaſſender aber waren noch ſeine Pläne. Die beim Kaiſer erlangte Gunſt dachte er zu einem ſyſtematiſchen Feldzuge gegen das Erbe ſeiner Vettern zu nutzen. Das erſte Anzeichen von ſeinen Zielen ſcheint zu Beginn des Jahres 1627 hervorzutreten. Am 28. Febr./10. März ließ der Kurfürſt von Trier durch ſeinen Kriegskommiſſarius Wentz in Hadamar melden, daß Graf Johann im Begriffe ſtehe, beim Kaiſer ein Mandat auszuwirken, wonach alle geiſtlichen Güter im Gebiete von Dillenburg, Dietz und Hadamar, deren Renten bisher teils zum Unterhalt der reformierten Geiſtlichkeit, teils für die Landesuniverſität in Herborn ver⸗ wendet wurden, ihre Einkünfte an das neugegründete Jeſuitenkollegium zu Siegen abgeben ſollten. Der Kurfürſt
¹) Keller, Drangſale p. 66. ²) Keller, Geſchichte Naſſau's p. 628 ff.(wo jede Datierung der Creigniſſe fehlt). ³) Die Geſchichte dieſer Vorgänge, über die wir hoffentlich bald im 4. Bande von Kellers Werken über die Gegen⸗
reformation am Niederrhein weitere Aufſchlüſſe erhalten, erinnert auffallend an die faſt gleichzeitig unter ähnlichen Umſtänden erfolgte Konverſion des Pfalzgrafen von Neuburg.


