Aufsatz 
Die Löschung des Stahles bei den Alten : (eine Erörterung zu Sophokles' Ajax 650 ff.) / Paehler
Entstehung
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47.

Am 1. Juni verlor die Anstalt durch den Tod einen strebsamen und hoffnungsvollen Schüler, den Sekundaner Bernhard Rolfes aus Wiesbaden. Wegen der Ferien war eine Beteiligung aller Lehrer und Schüler an der Bestattung nicht möglich. Dagegen leistete die Schule am 18. Juli die traurige letzte Pflicht dem seinen Lehrern und Mitschülern sehr teuren Untertertianer Richard Reusch aus Wiesbaden der am 15. Juli den Folgen einer Gehirnentzündung erlegen war. 1

Wegen groſser Hitze wurde am 3., 4., 8., 10., 11. und 15. Juli und am 8. August der Nach- mittagsunterricht ausgesetzt.

Am 21. Juli wurde der Anstalt die hohe Ehre eines Besuches des Herrn Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, des Herrn Oberpräsidenten unserer Provinz und des Herrn Präsidenten der Königlichen Regierung zu Wiesbaden. Nachdem die Vorstellung des gesamten Lehrer- kollegiums im Konferenzzimmer erfolgt war, wohnten Seine Excellenz der Herr Staatsminister v. Gofsler und Seine Excellenz der Herr Oberpräsident Graf Eulenburg dem Unterricht in einigen Klassen bei.

Die Herbstferien dauerten vom 15. August bis zum 19. September.

Mit dem Beginne des Wintersemesters erfolgte eine Veränderung in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums, insofern Hilfslehrer Oppermann nicht zu uns zurückkehrte, da er eine ehrenvolle Berufung als ordentlicher Lehrer der Humboldtschule in Frankfurt a. M. angenommen hatte. Dies ver- ursachte eine Verschiebung in der Lektionsverteilung; die Mehrzahl der zu besetzenden Stunden wurde dem Kandidaten Seipp übertragen, welcher von Herbst 1882 bis Herbst 1883 am Gymnasium das Probe- jahr absolviert und darauf seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt hatte. Einige Wochen später wurde ein abermaliger Wechsel in der Lektionsverteilung notwendig, weil der Oberlehrer Dr. Büsgen aus dem Lehrerkollegium ausschied. Nachdem denselben nämlich Seine Majestät der Kaiser und König. zum Königlichen Gymnasial-Direktor zu ernennen geruht hatten, wurde ihm durch Erlaſs des Herrn Ministers vom 7. Oktober die Leitung des Gymnasiums zu Rinteln übertragen, und das Königliche Provinzial-Schul- kollegium verfügte die sofortige Entlassung aus der hiesigen Stellung, damit die Einführung in Rinteln alsbald geschehe. Wir konnten Herrn Direktor Büsgen, welcher 20 Jahre hindurch am hiesigen Gym- nasium eine unermüdliche und erfolgreiche Wirksamkeit entfaltet hatte, zu seiner Beförderung nur die herzlichsten Glückwünsche aussprechen, so ungern wir ihn auch verloren. Das Ordinariat der Obersekunda, das Dr. Büsgen zuletzt geführt hatte, übernahm der ordentliche Lehrer Dr. Lohr, während das von diesem bis dahin verwaltete Ordinariat der Quinta Cötus B dem Hilfslehrer Dr. Schmitt anvertraut wurde, der nach einer vorübergehenden kommissarischen Beschäftigung am Gymnasium zu Corbach an unsere Anstalt zurückgekehrt war. Auf diese Weise gelang es, die erforderlichen Veränderungen in der Verteilung der Unterrichtsgegenstände so zu beschränken, dals möglichst wenig Klassen davon betroffen wurden. Die Wiederbesetzung der durch Büsgens Ausscheiden vakant gewordenen Oberlehrerstelle erfolgte durch Auf- rücken der beteiligten Lehrer. Oberlehrer Adam rückte vom 1. November ab in die fünfte, Oberlehrer Bücheler in die sechste Oberlehrerstelle auf. Die siebte Oberlehrerstelle wurde durch Erlals des Herrn Ministers vom 10. November 1884 dem bisherigen ersten ordentlichen Lehrer Dr. Spiefs verliehen. Infolge dessen ascendierten die ordentlichen Lehrer Dr. Wesener, Dr. Scholz, Dr. Widmann, Dr. Lohr, Fritze, Schlaadt, Rauch und Dr. Thomae in die nächst höhere Gehaltsstufe. Die letzte ordentliche Lehrerstelle blieb einstweilen unbesetzt.

Leider ging das Schuljahr nicht zu Ende, ohne daſs neue Störungen des regelmälsigen Unterrichtsganges eintraten. Der Gymnasiallehrer Dr. Scholz erkrankte im Dezember an einer Brustfell- entzündung, die ihm eine Wiederaufnahme der Thätigkeit bis jetzt nicht gestattet hat. Seine Lektionen mulsten unter mehrere Lehrer verteilt werden das Ordinariat des Cötus A der Quinta und den lateinischen und deutschen Unterricht in dieser Klasse erhielt der Hilfslehrer Meister. Noch weitere Verlegenheiten veranlalste endlich die Erkrankung des ordentlichen Lehrers Rauch. Derselbe hatte bereits vom 15. bis zum 24. Januar die Lehrstunden ausgesetzt, weil eine Verschlimmerung seines alten Hals- und Brustübels ihm die Arbeit unmöglich machte. Nachdem er darauf einige Wochen hindurch unter grolsen Anstrengungen den Dienst versehen hatte, muſste er vom 19. Februar an abermals der Schule fern bleiben. Zwar versuchte er dann wiederum seine Unterrichtsstunden zu halten, allein es stellte sich heraus, dafs seine physische Kraft nicht ausreichte. Am 28. Februar sah er sich gezwungen, um einen Urlaub von 6 Monaten einzu- kommen. Noch ehe derselbe bewilligt war, reiste er auf den strengen Befehl des Arztes hin nach Davos ab, um dort Heilung für sein Leiden zu suchen. Seine Vertretung war mit groſsen Schwierigkeiten