Aufsatz 
Die Löschung des Stahles bei den Alten : (eine Erörterung zu Sophokles' Ajax 650 ff.) / Paehler
Entstehung
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27. Widersprüche, und der Sinn ist, dals dem Eisen durch die Löschung in Essig sein Wert, seine Kraft, seine Verwendbarkeit zu anderen Dingen genommen, daſs es zum Schmieden untauglich und innerlich haltlos wurde.

Leider erheben sich hier gleich neue Schwierigkeiten. Man fragt zunächst: wie konnte ein so mangelhaftes Material zum&μ⁴μιαα geeignet sein, da es doch bei dem Gebrauche zerbröckeln und auseinander fallen muſste? Auch sucht man sich vergebens klar zu machen, wie Plutarch oder seine Quellenschriftsteller sich den Vorgang bei der Fabrikation technisch gedacht haben. Allein sie konnten ja die Sache in Einzel- heiten milsverstanden haben; fassen wir daher die Frage etwas allgemeiner und erörtern wir, ob durch das Ablöschen in Essig das Eisen der Münzen wirklich in irgend einer Beziehung für andere Zwecke unbrauchbar gemacht werden konnte.

Beck(Gesch. des Eis. I, 427 f.) bemerkt:Sowohl das ältere Stabgeld, als die späteren geprägten Eisenmünzen wurden rotglühend in Essig getaucht, angeblich, um es dadurch zu sonstigem Gebrauche untauglich zu machen. Doch kann diese Absicht hierdurch allein nicht erreicht worden sein, da Eisen rotglühend in Essig getaucht, sich nicht anders verändert, als dafs es sich mit einer schwachen Haut eines Oxyds überzieht. Der Zweck der Mafsregel lag wohl mehr darin, das Eisen kenntlich zu machen und auch vielleicht es eben durch diese Haut vor allzu rascher Verrostung zu schützen. Bei dieser Auffassung wird die Überlieferung ihrem Kerne nach aufgegeben, da das Eisen dann auch zu anderen Zwecken verwendbar sein muſste. Nun zeichnet sich zwar Plutarch nicht gerade durch kritische Schärfe aus, und manche seiner Nachrichten sind wenig zuverlässig, allein die in Betracht kommende Mitteilung trägt so sehr das Gepräge einer auf thatsächlicher Grundlage ruhenden Uberlieferung, dals ich nicht gleich annehmen möchte, der sehr kenntnisreiche und belesene Schriftsteller habe hier eine in der Hauptsache jedes Anhaltes entbehrende Angabe gemacht. Mag auch in Plutarchs Darlegung der ethischen und sozial-politischen Absichten, die Lycurg bei der Einführung des eisernen Geldes verfolgt habe, eine gewisse Schönmalerei unverkennbar hervortreten, so sollte man m. E. doch den auf die Herstellung des Eisengeldes bezüglichen Bericht nicht ohne weiteres preis geben, wenn man nicht überhaupt das eiserne Geld der Spartaner völlig als sagenhaft verwerfen will. Zudem stehen die Angaben des Plutarch nicht ganz vereinzelt da. In dem pseudo-platonischen Dialoge Eryxias wird(II, pag. 400) erzählt:&y Axeαμονε 0ο⁸νιρρ σρσασ,ερνμ vοομμιρνοπσσιανσα mταηναα έωννπτοι τι&OεL roν ϑνοιννσοο. Dals der Essig das ³eφαεεοeQ bewirkt habe, wird freilich nicht gesagt. Dagegen ist der Essig bei Pollux IX, 79 erwähnt: ιιmQo vOiνμασνιmααά Aοrε*α⁶νιο mπνόνταν, έ τπmƷον dνον dνμιοωοQͥQCnwv‿νεενφν εset aros T Axε elg ro ArOHOν ¹) aA⁴πακόάαενν˙νοσνυσνe.

Um der Sache auf den Grund zu kommen, habe ich den Weg des Experiments beschritten und wiederholt glühend gemachtes Schmiedeeisen und glühend gemachten Stahl in Essig gelöscht. Das Ergebnis widersprach durchaus den Angaben Plutarchs. Der in Essig gelöschte Stahl wurde glashart, ebenso wie der in Wasser gelöschte. Das Schmiedeeisen zeigte nach der Löschung gar keine Veränderung. Bezüglich der äufserlichen Wirkungen konstatierte ich, daſs sowohl vom Schmiedeeisen wie vom Stahle die

¹) An dieser Stelle liegt wahrscheinlich eine Korruptel vor, da drouοw, welches] wir bei Pollux II, 101

empfahlen, hier ebenso wenig in aktivischer wie in passivischer Bedeutung einen klaren Gedanken gibt. Als ich den Satz in Bekkers Ausgabe des Pollux zuerst las, drängte sich mir gleich die Vermutung auf, es möge d τQ oder dτονον( 600) zu schreiben sein. Später fand ich bei Lederlin-Hemsterhuis, dafs schon Salmasius so gelesen habe. Weder die Ubersetzung Walthersaceto vero eius vigorem, propter scindendi difficultatem, extinguunt noch die in Lederlins Ausgabe mitgeteilte Erklärung Kühnsut vim secandi perdat ferrum, aciem eius candefactam aceto suffuso extinxerunt enthalten einen vernünftigen, technisch richtigen Sinn. Sperlings Deutung aber(de nummis non cusis. Amsterd. 1700, S. 184):ut nummi nec scindi nec frangi potuerint wird weiter unten zur Sprache kommen. Offenbar meint Pollux dasselbe, was Plutarch im Lycurgus wie im Lysander ausführlicher gesagt hat. Wie mir scheint, haben sie beide aus derselben Quelle geschöpft.