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Schilderung nicht völlig, weshalb auf diesem Wege gerade Stahl, nicht Schmiedeeisen erzeugt wurde. Aristoteles bemerkt, dals die Fabrikanten von einer häufigen Anwendung des Prozesses um deswillen absähen, weil dabei zu viel Substanz verloren gehe und das Gewicht sich erheblich mindere. Vermutlich kannten die alten Eisenschmiede noch einen anderen Grund, der ihnen verbot, das Metall sehr oft und in zu starker Hitze zu glühen; sie mochten
von Eisenwaren“ gehabt hätten, aber die zwei Stellen, die er für seine Behauptung anführt(Plin. h. n. 7, cap. 56. und Ammian. Marcell. 22, 8), beweisen nicht, was sie sollen, sondern eher das Gegenteil. Die Angaben, die Plinius an der bezeichneten Stelle über die Erfindung und Einführung der hauptsächlichsten Lebensbedürf- nisse macht, sind im allgemeinen wenig brauchbar und zuverlälsig, und die speziell hier einschlägigen Worte: „Kes conflare et temperare Aristoteles Lydum Scythen, Theophrastus Delan Phrygem putant, aerariam fabricam alii Chalybas, alii Cyclopas, ferrum Hesiodus in Creta eos qui vocati sunt Dactyli Idaei.... Fabricam ferream invenere Cyclopes“ sind für die vorliegende Frage offenbar völlig wertlos. Was aber Ammianus erzählt „Chalybes, per quos erutum et domitum est primitus ferrum“, eint sich vortrefflich mit unserer Ansicht. Denn eruere bezeichnet das Ausgraben der Eisenerze, domare die Schmelzung und das erste Ausschmieden.(Vergl. ανμαααμνε νοο in der oben S. 17 angeführten Stelle aus Hesiods Theogonie v. 865.) Dafs auch der Ausdruck 9ι⁶o é«roves bei Aeschylus(Prom. 714), die Worte Xdx*ννυερς.. 10*QνQ ϑedεανσνεες ⁵ον ⁶⁴σσον bei Dionys. Perieg.(769) und die ferrariae officinae der Chalyber, welche Plinius(h. n. VIII, cap. 57,§. 222) streift, der vor- getragenen Auffassung nicht widersprechen, bedarf keines Beweises.
Nur wenige Stellen können mit einem Scheine von Recht für die Meinung angeführt werden, dafs die Chalyber selbst fertige Stahlwaren fabriziert hätten. In einem Fragmente des Euripides(Cretenses. II.) lesen wir: zunεεςσα.. LaA(= J⁴ννμρ oder Nν⁵ν) Q6n..*u⁴ρσο. Pollux, Onomast. X, 146, berichtet:*ꝰr Groεμυιαα m⁶ςν σ⁶ν SOιςι εν νπςι μeνεσιτοιςιασει˙εσινν&ινόοε Kortuos dν αννι συωνανο, 16„ανν⅔τ εν Xsυστ‿‿υ⁸ε⁶σρ³ωνν ατέμ⁴αιαιααι.(Dies Citat ündet sich auch VII, 107.) Bei Lycophron(1109) prophezeit Cassandra:„α ϑ˖ οο⁶τε φ νέ⁴ασοσναα m̈έ αs ν⁴ειν ννdονντ Gνννεοαασιιιεένκν. Den Aus- druck des Lycophron citieren Suidas und Steph. Byz. s. v. Xdxluges und Eustath. zu Dionys. Perieg. 767. Auf Cratinus und Lycophron sowie auf die oben bereits mitgeteilten Worte des Stephan. Byz. stützt sich Büchsenschütz, Hauptstätten des Gewerbfleiſses S. 43, indem er behauptet, dafs„die Eisen- und namentlich Stahlwaren der Chalyber im Altertum den höchsten Ruf hatten“. Allein die Stützen sind, wie mir scheint, nicht eben die festesten. Ein chalybisches Stahlgerät ist ein Gerät aus chalybischem Stahle, darum aber noch keineswegs ein von den Chalybern verfertigtes Gerät. Und da ẽναυν„der Stahl“ heifst, so sind wir berechtigt, die damit zusammen- gehörigen Adjektiva bei Eur. u. Lyc. einfach durch„stählern“ oder„verstählt“ zu übersetzen. Daſs wir bei dem 2v⁶ν des Lycophron nicht an ein von den Chalybern hergestelltes Schwert(bezw. Beil, wenn man die Erklärung durch alezue an der Stelle vorzieht,) zu denken brauchen, zeigt schon des Eustathius Auslegung, welcher I. cit. 2aαμν⁴⁶ο durch ò ε·½ αουαστοννεοα⁶ςφον umschreibt. Büchsenschütz betont zwar(S. 34 f.), dals die Gewinnung der Metalle selbst häufiger Veranlassung zur Anlage von ausgedehnten Werkstätten zur Verarbeitung derselben gegeben habe, und findet die Erscheinung„um so natürlicher, als die verarbeiteten Metalle bequemer und im Verhältnis zu dem eigenen Werte billiger zu transportieren waren, als die rohen“. Aber in industriellen Dingen kommen noch andere Faktoren in Betracht, und es lassen sich aus alter und neuer Zeit zahlreiche Beispiele dafür anführen, dals der Bergbau auf Eisenerze, die Verhüttung derselben und die Verarbeitung des Eisens wie des Stahles zu Werkzeugen sehr oft nicht an denselben Orten stattfinden. Sollten die Chalyber selbst fertige Waffen fabriziert haben, so ist der schwierige Satz in cap. 48 der pseudo-aristotelischen Schrift vollkommen unverständlich.
Büchsenschütz weist a. a. O. S. 44 darauf hin, daſs noch heutigen Tages die Art des Bergbaues und Hüttenbetriebes in jenen Gegenden dieselbe geblieben sei wie in alter Zeit. Diese Thatsache spricht für meine Ansicht. Denn die Eisenschmiede, welche Hamilton im Jahre 1837 zwei Stunden südsüdöstlich von Unieh im Lande der alten Chalyber antraf, beschäftigten sich gleichfalls nur mit dem Ausschmelzen der Erze, die ein treffliches Produkt, aber nicht mehr als 10 Prozent Ausbringen ergaben.„Alles Eisen wird nach Konstantinopel geschifft, wo es vom Gouvernement sehr gesucht ist.“ Ritter, Erdkunde XVIII, 850.
Zum Schlufs sei noch bemerkt, daſs ich durchaus einverstanden bin mit der Annahme, die Blümner, Gewerbl. Thätigkeit S. 41, äufsert:„Es ist sehr wahrscheinlich, dafs die mehrfach erwähnten Sinopischen Stahlarbeiten nur in dieser Stadt verarbeitet, das Eisen selbst aber bei den Chalybern gewonnen wurde“.


