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urina etiam rufi(¹) pueri paryuli temperantur ferramenta, durius quam in aqua simplici. ed. Ilg. S. 175.
Es mag wie im Mittelalter so schon im Altertum manches Rezept unter den Schmieden im Umlauf gewesen sein, das die vermeintlich beste Flüssigkeit zur Löschung des Stahles angeben sollte 1).
Diese Flüssigkeit bezeichnet Lobeck, wenn ich ihn nicht falsch verstehe, mit dem Ausdruck„aqua ferraria“; er irrt jedoch darin, daſs er glaubt, in dieses Wasser sei das Eisen vor dem Glühen getaucht, um ihm die natürliche Sprödigkeit zu entziehen. Ein solches Eintauchen würde ganz wirkungslos gewesen sein).
Allein der Hauptgrund gegen Lobecks Deutung liegt darin, dals 8aρ†ρ das ganze beim Schmieden des Eisens beobachtete Verfahren gar nicht bezeichnen kann. Es findet sich bei den griechischen Schrift- stellern, soviel mir bekannt, keine einzige Stelle, wo die Bedeutung des Wortes 8, wenn es in Verbindung mit Gεο&σοσο vorkommt, sich nicht auf den ursprünglichen Sinn des Eintauchens in eine Flüssigkeit zurück- führen liefse.
Lobecks Deutung erklärt O. Müller in seiner Rezension der zweiten Lobeckschen Ausgabe des Ajax(zuerst erschienen in den Göttinger G. A. 1838, St. 109— 112, abgedruckt in O. M. Kl. Schr. I, 294— 312) noch„unterstützen und näher begründen“ zu wollen. Er sagt, völlig einleuchtend sei es für ihn, dals ga† ννG ⅜ zu àS7Au„Snv gehöre, und daſs Plato(de Rep. 411 B.) von derselben Sache rede. Das letztere haben wir oben S. 4 f. bereits richtig gestellt. Müller fährt fort:„Diese Erweichung oder vielmehr(sic!) Verringerung der natürlichen Sprödigkeit geschah durch Löschen des glühenden Eisens in OI. Freilich erwähnt der Hauptgewährsmann Plinius dies Verfahren nur bei kleineren Werkzeugen aus Eisen. Allein es mufs ein ähnliches, nur weniger bekanntes Verfahren gegeben haben, wodurch das Eisen für das Treiben und Ciselieren(xoostetv, caelare) geeignet gemacht wurde. Bei dem berühmten Hypokreteridion des Glaucus, welches sehr künstlich ciseliert war, wird in technischer Beziehung die Erweichung, udαοαες, als Hauptsache hervorgehoben; sie war nach Plut. de def. orac. 47 durch Feuer geschehen und mit der Eintauchung ins Wasser verbunden(4⁴eνιαεν m*μμσιι˙νς εα ˙ναο Sa†ꝓρν),
¹) Im Jahre 1805 schreibt Beckmann(Beyträge zur Geschichte der Erfindungen, V, 8. 91):„Noch jetzt meint jeder Künstler ein vorzügliches Härtewasser zu kennen, welches er als ein Geheimnis bewahret“. Erst in neuerer Zeit hat man angefangen, manche UÜberlieferung im Hüttenwesen als Aberglauben zu erkennen. Dafs übrigens auch die heute üblichen Härtemittel sehr mannigfaltig sind, sahen wir schon oben(S. 4 u. 9), und möge noch aus den nachstehenden Worten bei Karmarsch und Heeren(Techn. Wörterbuch, 3⁰0 Iv, 224) entnommen werden:„Man verwendet(auſser Wasser, dem gewöhnlichen Mittel,) als Abkühlungs-Substanz, wo eine sehr groſse Härte gewünscht wird, Quecksilber. Andere zum Härten, Ablöschen verwendete Mittel sind flüssiges Blei, Ol, Kolophonium, Roses Metall, Siegellack, Salzlösungen, Eis, ein kalter Luftstrom, und in neuester Zeit soll es selbst gelungen sein, mittelst des über den Siedepunkt erhitzten Wassers, welches aus einem Dampfkessel in kräftigem Strahle auf das zu härtende Stück getrieben wurde, gut zu härten“.
²) Möglicherweise erklärt sich Lobecks Irrtum daraus, dals man früher mehrfach annahm, man könne durch Zusatz von Krautern etc. ein Wasser herstellen, welches imstande sei, Eisen und Stahl weich zu machen. Bei Rinmann(a. a. O. I, 401) liest man hierüber folgende Bemerkung:„In den deutschen Kunstbüchern findet man sehr häufig allerlei Vorschriften, wie man Eisen und Stahl so weich als Kupfer und Blei machen kann; es ist nur zu bedauern, dafs sie alle nichts taugen. So geben z. B. einige den Rat, durch Kochen oder durch Destillation des Kümmels, Storchschnabels, der Saxifraga, des Hauslauchs, mehrerer Schwämme u. s. f. ein Wasser zu bereiten, das Eisen und den Stahl mehreremale zu glühen und dann(h) in solchem Wasser abzu- löschen. Dalfs aber ein so zubereitetes Wasser nicht wirksamer als reines Wasser sein kann, läfst sich aus der flüchtigen Eigenschaft der Bestandteile jener Kräuter leicht schliefsen, sowie sich auch abnehmen lälst, dals das Eisen(richtiger: der Stahl!) durch das Ablöschen nur noch härter werden mufs, welches der Absicht grade zuwider ist.“ Vermutlich ist dieses Wasser überhaupt nur durch ein Milsverständnis als Erweichungsmittel aufgefaſst worden und nichts anderes gewesen als ein„Härtewasser“.


