Aufsatz 
Die Löschung des Stahles bei den Alten : (eine Erörterung zu Sophokles' Ajax 650 ff.) / Paehler
Entstehung
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dicht würden und entweder gar nicht nachgäben oder zerbrächen, falls sie jemand gewaltsam zu biegen versuche. So seien auch die Schienen des Erzspanners auf beiden Seiten kalt zu schlagen; dadurch würden ihre Oberflächen hart, die Mitte bleibe weich, da der Schlag nicht ins Innere dringe; wie sie nun aus drei Lagen beständen, zwei harten und einer weichen, der mittleren, darum besäfsen sie auch Flastizität (Iro lαd hy Sdrorlan A‿α ασυσννέανε drdeoerv). Ob und wie weit diese Ausführungen Philos theoretisch richtig seien, mögen die Techniker entscheiden, sicherlich ergibt sich aus der Stelle, dals nach der Auffassung der Alten die Elastizität des Stahles im wesentlichen nicht auf der Art der Löschung beruht, sondern mit ganz anderen Faktoren zusammenhängt. Schölls Deutung entbehrt somit jedes inneren Haltes.

Anders verfährt Nauck nach dem Vorgange von Schneidewin. Er hält zwar in der Übersetzung von Snàνν die Bedeutungweich werden bei, erläutert das Bild aber wie folgt:Die Erweichung durch Tecmessas freundliches Zureden wird verglichen mit der Löschung des erglühten, stahlartigen Eisens, das man in fettige Substanzen wie ôl taucht, um die natürliche Sprödigkeit zu ermäſsigen, dem Springen vorzubeugen und das Metall geschmeidig zu machen. Hier wird der Begriff der Geschmeidigkeit dem der Weichheit substituiert; dadurch wird zunächst die Vergleichung verschoben und das tertium comparationis unklar, da die Begriffeweich undgeschmeidig nicht scharf auseinander gehalten sind, die sich keines- wegs vollständig decken. Zwar sind in der Regel weiche Körper auch geschmeidig, wie harte meistens spröde, aber nicht immer! Es gibt bekanntlich weiche Körper, die spröde sind, wie Schwefel und manche Erdarten, sowie wir andererseits Körper kennen, die geschmeidig sind und doch nicht als weich bezeichnet werden können, z. B. Gold. Bei dem geschmeidigen Körper geht dem Zerreiſsen, d. i. der Trennung seiner Teile eine beträchtliche und bleibende Gestaltsänderung vorher; auch erfolgt die Trennung des Zusammenhangs nicht weiter als der trennende Körper eindringt, und es entsteht dabei nicht Splitter und Pulver, wie bei den spröden Körpern. Die Geschmeidigkeit des Eisens definiert Sven Rinmann(Geschichte des Eisens, aus dem Schwedischen übersetzt von Karsten, I, 481) folgendermalsen:

Ganz geschmeidig und gut ist das Eisen zu nennen, welches sich unter dem Hammer oder durch irgend eine andere Kraft, sowohl kalt als rotglühend, sowie auch in geringeren und gröfseren Graden der Wärme, ohne Langrisse oder Kantenbrüche zu bekommen, ausdehnen oder ausrecken und bei vorsichtiger Behandlung in der stärksten Schmelzhitze schweiſsen lälst, ohne unter dem Hammer zu zerfahren und spröde zu werden.

Der Verfasser handelt(a. a. O. S. 479 679) ausführlich von der Geschmeidigkeit des Eisens, entwickelt Kennzeichen und Ursachen desselben, zeigt auch, wie geschmeidiges Eisen herzustellen sei. Das Ol bildet dabei keinen Faktor. Obschon daher, wie wir gesehen haben, anzuerkennen ist, daſs bei feineren Stahlwaren die Löschung in öl dem Springen vorbeugt und die Sprödigkeit ermäſsigt, so kann doch im allgemeinen die Behauptung, dals man stahlartiges Eisen durch öl geschmeidig mache, nicht gebilligt werden. Nach dem oben Ausgeführten haben wir nicht nötig noch hinzuzufügen, daſs der Dichter, selbst wenn Naucks Erklärung sachlich richtig wäre, zu dem WorteEintauchen bestimmt hätte hinzufügen müssen:und zwar in öl, nicht in Wasser.

Ich glaube im Vorhergehenden zur Genüge dargethan zu haben, dals die Annahme, woelche das Wort 8ꝓ an unserer Stelle mit dem Eintauchen des Stahles in 61 in Verbindung bringt, wie man die Sache auch drehen und wenden möge,