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Wir wollen nun zu der Untersuchung übergehen, weshalb man überhaupt das ö1 bei der Löschung des Stahles angewendet hat, und unsere Darlegungen an die Behauptungen der neueren Sophoclesinterpreten anschlieſsen.
G. Wolff erklärt in seinem Kommentar zur Ajaxstelle:„Man erweicht noch jetzt Eisen und Stahl in siedendem 61“. Dals dies unrichtig ist, wird aus dem Gesagten bereits einleuchten. Wir haben nur zusammenzufassen und einiges zu ergänzen. Man taucht nicht„Eisen und Stahl“ in 1, sondern nur Stahl; auch bei diesem bedient man sich des éles nur in seltenen Fällen, wenn man nämlich ganz feine Werkzeuge ablöschen will; dabei wird in der Regel nicht„siedendes“¹), sondern kaltes oder mälsig warmes öl verwendet. Der Zweck des Verfahrens aber ist nicht Erweichung, sondern Härtung des Materials. Indes warum löscht man nicht in Wasser? Den Grund haben Plinius und Plutarch (s. oben S. 5) der Hauptsache nach richtig angegeben. Wenn Plutarch freilich hervorhebt, das Wasser könne wegen seiner zu groflsen Kälte die Fabrikate krümmen, und wenn er in demselben Kapitel meint, das öl sei an und für sich am wenigsten kalt(rò EAAαιον εμαιτα—Qν ⁸σmαιν), so liegt dieser naturwissen- schaftlichen Anschauung die Auffassung zu Grunde, als ob Wasser und öl ihren Wärme- oder Kältegrad nicht von der umgebenden Luft empfingen, sondern in sich selber trügen. Es steckt darin der gleiche Irrtum, der uns oben(S. 7) in der Ansicht des Theophrast von der Wärme des Lindenholzes entgegentrat. Allein die Behauptung, dafs beim Ablöschen in öI feinere Stahlwaren weniger leicht sich werfen oder zer- springen als bei der Anwendung von Wasser, beruht auf richtiger Beobachtung. Wenn man ein dünnes Stahlgerät in glühendem Zustande plötzlich ganz in Wasser taucht, so wird es hart bis zur Sprödigkeit, springt oder zieht sich schief, weil sich die einzelnen Stahlmoleküle zu rasch abkühlen, zu sehr zusammen- ziehen und keine Zeit haben, sich wieder ordnungsmälſsig und homogen zu lagern. Will man dies möglichst verhüten, so muſs man das Metall zunächst mit der Spitze in Wasser abkühlen, dann herausziehen, damit die hinter der abgekühlten Materialschicht liegende glühende Schicht erstere wieder nachwärmen kann, nun weiter eintauchen und wieder herausnehmen und so bis zur allmählichen Abkühlung fortfahren, aber es läſst sich auf diesem Wege nur schwer eine vollständig gleiche Härte des ganzen Stückes erzielen. Deshalb benutzt man da, wo eine absolut gleichmälsige Härtung verlangt wird, zur Löschung häufig l. Wie kommt es, dals hierdurch das Werfen und Springen der Waren vermieden wird? Unsere Techniker sind zu übereinstimmenden und in jeder Hinsicht festen und abschliefsenden Ansichten über den Härteprozels, die Verschiedenheit des Härtegrades und die Ursachen der bezüglichen Erscheinungen noch nicht gelangt. Die einen betonen als wesentlichsten Faktor die Temperaturdifferenz zwischen dem erhitzten Stahle und der Flüssigkeit, in der abgelöscht wird; andere meinen, es komme auf die spezifische Wärme der Flüssigkeit am meisten an, während noch andere behaupten, daſs ihre Wärmeleitungsfähigkeit die Hauptrolle spiele; auch chemische Wirkungen werden angenommen ²) u. s. w. So gewagt es für einen Nichttechniker ist, hierüber eine Ansicht zu äufsern,
¹) Der Ausdruck„siedendes 6l“ ist streng genommen fa gen Gemeint ist derjenige Zustand des öles, wo dasselbe sich(bei 300° C.) unter Aufwallen zersetzt. Dafs selbst bei diesem hohen Temperaturgrade das Öl noch als Härtemittel wirkt, ist neuerdings durch die Untersuchungen Jarolimeks festgestellt. Vergl. darüber Wagner, Jahresbericht über die Leistungen der chemischen Technologie XXII(1877) S. 120:„Vor allem wird die Thatsache konstatiert, dass unter Umständen nicht allein kochendes Wasser, sondern auch solches von 150°C. Temperatur und mehr, und ebenso siedendes ôl, heiſsflüssiges Blei, Zinn, ja selbst Zink, also eine Abkühlungsflüssigkeit von etwa 400° C. Hitze den Stahl zu härten vermag.“ Übrigens hat schon im vorigen Jahrhundert P. Camper den Beweis erbracht, dals der Stahl in„kochendem“ ebenso wie in kaltem öle hart werde. Vergl. Camper, Kleinere Schriften, übers. von Herbell. Leipzig 1784. I, S. 123— 125.
²) Vergl. Karmarsch und Heeren, Technisches Wörterbuch. 3⁰. IV.(1880). S. 228:„Cirkularsägen erhitzt man zum Härten zur Kirschrothitze und löscht sie in Wasser, auf welchem eine dunne Schichte Ol sich befindet, ab. Beim Eintauchen entzündet sich an der Säge das Ol, bildet an der Oberfläche derselben eine Kruste von Kohle(?), welche vor einer zu raschen Abkühlung schützt und somit die Wahrscheinlichkeit des Rissigwerdens
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