Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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Hoſpital⸗Gebäude, der bis dahin zur Spinnſtube benutzt war. Ueber das enge und ungeſunde Local hat ſich Rethig zu verſchiedenen Malen ohne Erfolg beſchwert. Der im Jahre 1810 ge⸗ faßte Plan des Stadtraths, dem Tirocinium ein eigenes Gebände für 1600 2000 Gulden zu er⸗ richten, kam nicht zur Ausführung.

Im Jahre 1807 betrug die Schülerzahl des Gymnaſiums bereits 68. Dieſelben ſaßen in 5 Klaſſen: Tirocinium(aus 4 Abtheilungen beſtehend), Grammatica, Syntaxis, Humaniora, Phi⸗ loſophia. Eine Erweiterung erfuhr die Anſtalt in dieſem Jahre durch die Gründung der Nor⸗ malſchule. Bei der in den letzten Decennien des 18. Jahrhunderts eingeriſſenen Vernachläſſigung der Volksſchulen viele Gemeinde hatten ohne Erlaubniß ihren Lehrer weggejagt und einen An⸗ dern an die Stelle geſetzt hielt es die Regierung für nöthig, alle Lehrer ihres Bezirks prüfen zu laſſen und diejenigen, deren Kenntniſſe nicht als ausreichend erachtet wurden, zum Beſuche der Nor⸗ malſchule anzuhalten.(Vergl. S. 12.) Es war dies um ſo leichter durchzuführen, da faſt an allen Landſchulen nur im Winter Unterricht ertheilt wurde, während die Kinder im Sommer zu den Feldarbeiten der Eltern herangezogen und vom Schulbeſuche befreit waren. So eutſtand die Einrichtung der halbjährigen Kurſe an der Normalſchule, die einen Theil ihr er Zöglinge nur im Sommer unterrichtete und ſie bei Beginn des Winters zur Ausübung ihres Amtes in die Heimath entließ. Diejenigen jungen Leute, welche ſich erſt auf das Lehrfach vorbereiteten, wurden natürlich auch im Winter unterrichtet. Um in die Anſtalt aufgenommen zu werden, mußten ſie wenigſtens 15 Jahre alt undnicht ungeſtaltet ſein, ſowie im Leſen, Schreiben und Rechnen einige Keunt⸗ niſſe beſitzen. Sie beſuchten die Lectionen der Normalſchule ſo lange, bis ſie von ihren Lehrern für reif befunden wurden. Die Meiſten hörten 4, Andere nur 3 halbjährige Kurſe. Uebrigens war die Zulaſſung zur Aufnahme in die Normalſchule nicht auf ſolche Jünglinge beſchränkt, welche Lehrer zu werden beabſichtigten, ſondern es ſtand auch denen der Beſuch frei, die ſich eine höhere Bildung aneignen wollten, als die Volksſchule zu geben im Stande war. Die halbjährigen Kurſe waren begreiflicher Weiſe ſehr nachtheilig, da manche Fächer in 5 bis 6 Monaten unmöglich gründ⸗ lich durchgenommen werden konnten ein Uebetſtand, über den von den Lehrern manchmal bitter geklagt wurde. Die Gegenſtände des Unterrichtes waren: Religion, Deutſch, Schreiben, Ortho⸗ graphie und ſchriftliche Aufſätze, Rechnen, Methodenlehre, Geſchichte, Geographie, Naturwiſſenſchaften, das Wiſſenswürdigſte vom Leibe und der Seele des Menſchen, Feldmeßkunſt, Technologie, Geſang⸗ lehre und Landwirthſchaft. Die ſechs erſten Fächer wurden am meiſten betont. Am Samstage fiel der Unterricht ganz aus, damit die Normaliſten nach Hauſe gehen und ſich friſche Wäſche und Lebensmittel holen konnten. Dafür begann er an den übrigen Wochentagen im Sommer ſchon um 6 Uhr Morgens. Als Lehrer fungirten an der Normalſchule 1) der Direktor Bauſch, welcher in der Religion, im Deutſcher, Schönſchreiben und in der Pädagogik unterrichtete 2) für die Geographie und Geſchichte Wörsdorf 3) für Naturgeſchichte, Technologie und Landwirthſchaft Wirz 4) Frorath für Rechnen, Feldmeßkunſt und Philoſophie. Für den Geſangunterricht der Normaliſten behalf man ſich in den erſten Jahren mit einem Candidaten der Theologie, Namens Joſ. Mand, der auch täglich in der hl. Meſſe die Orgel ſpielte. Im Jahre 1807 wurde zu dieſem Zwecke Wendelin