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man ihnen nicht aus dem Doktionsfonds eine beträchtliche Vergütung gewähre. Das lehnte die Regierung ab. Den Franziskanern wurde bemerklich gemacht, daß ihre Exiſtenz nur von der Gnade des Landesherrn abhänge, weshalb man erwarte, daß ſie gegen Empfang des Schulgeldes den Un⸗ terricht am Tirocinium fortſetzen würden. So kam Ende October 1806 zwiſchen der Schulkom⸗ miſſion und dem Provinzial Alexander Bullmann eine Uebereinkunft zu Stande, nach welcher der Franziskaner⸗Conventz ſich verpflichtete, dem von der Schulkommiſſion anzuſtellenden Pater die Erlaubniß zur Uebernahme des Amtes zu ertheilen, wofern 1) die Stadt ein eigenes Lehrzimmer mit den nöthigen Geräthſchaften ſtelle und den Lehrer mit den erforderlichen Hülfsbüchern verſehe 2) den Schulofen heize und für den Preofeſſor zwei Klafter Holz in's Kloſter liefere 3) die Schü ler monatlich 30 trieriſche Albus(ungef. 1 Gulden) Schulgeld bezahlten. Von dem Ertrage des Schulgeldes bekam der Profeſſor den dritten Theil für ſich; außerdem wurde zur Winterszeit durch den Convent ſeine Kammer geheizt. Direktor Bauſch prüfte die Patres und erkannte den P. Aloys Mailinger für fähig, an der Gymnaſial⸗Vorbereitungs⸗Schule angeſtellt zu werden. Die Wirkſamkeit des P. Aloys war nicht von Dauer. Wegen Schwäche der Augen legte er im nächſten Jahre ſein Amt nieder, und da die Franziskaner eine andere zum Lehramt brauchbare Perſönlichkeit nicht hatten, ſo wäre die Behörde wegen der Wiederbeſetzung der Stelle beinahe in Verlegenheit gerathen. Nun hatte kurze Zeit vorher ein früherer Prämonſtratenſer⸗Monch, Namens Herm ann Joſ. Rethig, zu Montabaur eine Winkelſchule gegründet, welche ungefähr 20 Schüler zählte. Es waren Knaben, denen die am Gymnaſium herrſchende ſtrenge Schulordnung nicht gefiel, und die es bei ihren ſchwachen Eltern durchzuſetzen wußten, daß ſie von der Anſtalt genommen wurden, wenn ihnen wegen Träg⸗ heit oder Ungezogenheit eine ernſte Strafe drohete. Um dieſem Unfug ein Ziel zu ſetzen, verfügte die Schulkommiſſion die augenblickliche Schließung der Winkelſchule. Weil ſich aber Rethig als einen tüchtigen Schulmann bewieſen hatte, ſo übertrug man ihm auf ſeine Bitten die vakant ge⸗ wordene Profeſſur des Tirociniums, welches in demſelben Jahre auf 34 Schüler ſtieg. Rethig bezog kein Gehalt, ſondern das aus monatlich 30 Albus beſtehende Schulgeld. Man verſprach ihm, wenn die Mittel des Fonds es erlaubten, ſpäter dasſelbe Gehalt wie den Profeſſoren des Gymna⸗ ſiums anzuweiſen.
Ueber die Wirkſamkeit ⸗Rethig's verdanke ich der Güte Eines ſeiner Schüler, des Herrn Gymnaſial⸗Direktor Dr. Högg zu Arnsberg, folgende Mittheilungen:„Von meinem jetzigen Standpunkt aus muß ich geſtehen, daß dieſe Vorbereitungsſchule eine wahre Muſter⸗ anſtalt war. Rethig der nur mitunter ſeine Strenge gegen minder begabte Schüler übertrieb, beſaß ein ungemeines Lehrtalent und eine ſtaunenerregende Energie; und obgleich alle Unterrichts⸗ gegenſtäude der drei unteren Klaſſen der jetzigen Gymnaſien ‚„mit Ausnahme des Zeichnens und Ge⸗ ſangs, in den Unterrichtsplan aufgenommen waren, ſo leiſtete er dennoch in allen Fächern bei der Mehrzahl Ungewöhnliches. Im Schreibunterricht übertraf er Alles, was ich je ge⸗ ſehen habe.“
Zum Schulzimmer des Tirociniums beſtimmte der Stadtrath einen Raum im ehemaligen


